Sonntag, 26. März 2017

Rezension zu ,,Das Gesicht meines Mörders" von Sophie Kendrick

Der Debüt-Thriller von Sophie Kendrick ,,Das Gesicht meines Mörders" ist mit 320 Seiten am 16. Dezember 2016 im Rowohlt Verlag erschienen.

Inhalt:

Sie muss sich erinnern, um zu überleben. Als Clara aus dem Koma erwacht, ist ihr bisheriges Leben wie ausgelöscht. Sie erinnert sich weder ihren eigenen Namen noch an ihren Ehemann, den Schriftsteller Roland Winter. Auch nicht an den Einbrecher, der sie niedergeschlagen haben soll. Freunde scheint sie keine zu haben – Roland ist ihre einzige Verbindung zur Vergangenheit. Mit seiner Hilfe wagt Clara einen Neuanfang. Bis jemand versucht, sie umzubringen. Und die junge Frau begreift, dass sie sich erinnern muss, um zu überleben. Schritt für Schritt rekonstruiert Clara ihr Leben und stößt auf eine geheimnisvolle Frau, mit der sie am Tag des Unglücks verabredet war. Und die seither spurlos verschwunden ist. (Klappentext)

Cover:

Das Cover mit den abgebildeten Dornen und Wassertropfen finde ich gelungen. Besonders die Haptik ist überzeugend. Passt zu einem Thriller.

Charaktere:

Hauptperson ist Clara Winter, die nach einem Überfall ihr gesamtes Gedächtnis verloren hat. Sie weiß nicht wer sie ist, wie sie heißt, was sie macht, oder wer der geheimnisvolle Mann ist, der im Krankenhaus neben ihr sitzt und sich als ihr Ehemann Roland ausgibt.
Clara ist dem Leser sympathisch, besonders, da die ganze Geschichte aus ihrer Perspektive erzählt wird. Man fiebert und forscht mit Clara und entwickelt beim Lesen nebenbei so seine Theorien, die sich zumindest bei mir am Ende als falsch herausstellten.

Dann ist da natürlich noch Roland, der geheimnisvolle Roland, der sie umsorgt als wäre sie seine Ehefrau, sie beschattet, als wäre sie sein Opfer und sie von der wahren Geschichte fernhält, als würde er etwas verbergen ...

Meine Meinung:

Eigentlich wollte ich das Buch abends nur mal kurz ,,anlesen", ehe ich mich versah waren auch schon paar Minuten, Stunden vergangen. Sophie Kendrick versteht es den Leser zu fesseln, Details zu geben, die den Leser argwöhnisch machen.
Der Schreibstil ist zudem flüssig, sehr gut zu lesen, die Seiten fliegen nur so dahin.

,,Aus den Augenwinkeln sehe ich einen Lkw heranfahren, instinktiv will ich zurücktreten, als mir jemand einen Stoß in den Rücken versetzt. Ich stolpere nach vorn. Ich kann mich nicht fangen, stürze auf die Fahrbahn. Bremsen quietschen, jemand schreit. Ich schließe die Augen, mache mich auf den Aufprall gefasst." S.51

Retrograde Amnesie ist das Stichwort, um das sich quasi das ganze Buch dreht. Clara versucht sich zu erinnern, doch sie kann es nicht. So begleitet man sie auf ihrer Suche nach der Vergangenheit und trifft auf viele Ungereimtheiten. Warum hat sie keine Verwandtschaft mehr außer ihrer Schwester, die zudem auch verschwunden ist? Wer war ihr Vater und warum wuchs die Familie nicht zusammen auf und vor allem, wer ist der Mann wirklich, der sich als ihr Ehemann ausgibt?
Fragen, die fesseln und Sophie Kendrick versteht ihr Handwerk, indem sie dem Buch nicht selten eine Wendung gibt, die man nicht erwartet hätte.

,,Bitte nehmen sie mir meine Worte nicht übel, Frau Winter. Ich bin mir sicher, dass in diesem Fall etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Und solange ich nicht weiß, was es ist, muss ich auf den einen oder anderen Busch klopfen, um zu sehen, was herausspringt." S. 209

Wenn man ehrlich ist, dann ist das Thema Amnesie keine Neuerfindung des Genres. Viele Top-Autoren bedienten dieses Thema, auch das ständige Misstrauen gegenüber anderer Personen.
Dennoch habe ich mich unterhalten gefühlt und hatte nie das Gefühl, dass sich irgendwas wiederholt oder ich eine Stelle langweilig fand. Das intelligente Nachwort bezüglich der Entstehung und ihrer Idee rundete für mich das Gesamtbild ab.

,,Wir sind unsere Erinnerungen. Ohne sie verlieren wir unsere Identität, die Gewissheit, wer wir eigentlich sind. Je mehr ich über das Gedächtnis recherchierte, desto klarer wurde mir, wie viel wir einbüßen, wenn wir nicht mehr auf unsere Erinnerungen zurückgreifen können. Und wie schrecklich sich das Anfühlen muss." Nachwort, S. 315

Fazit:
Eine atmosphärisch dichte Story mit vielen spannenden Psycho-Elementen, die den Leser fesseln und überlegen lassen, wem Clara trauen kann und ob denn wirklich alles so ist, wie es ist.
Für mich war das Ende nicht vorherzusehen, auch wenn solch eine Auflösung nicht ganz neu ist. Aber man muss das Rad ja nicht neu erfinden, somit gebe ich sehr gute 4-Sterne.

☆ ☆ ☆ ☆

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