Sonntag, 10. Dezember 2017

Rezension zu ,,Flugangst 7A" von Sebastian Fitzek

Der Psychothriller Flugangst 7A Von Sebastian Fitzek ist mit 400 Seiten am 25.10.2017 im Droemer Knaur Verlag erschienen

Inhalt:

Es gibt eine tödliche Waffe, die durch jede Kontrolle kommt.
Jeder kann sie ungehindert an Bord eines Flugzeugs bringen.

Ein Nachtflug Buenos Aires-Berlin.
Ein labiler Passagier, der unter Gewaltphantasien leidet.
Und ein Psychiater, der diesen Patienten manipulieren soll, um an Bord eine Katastrophe herbeizuführen.
Sonst verliert er etwas sehr viel Wichtigeres als sein Leben ...

Cover:

Kurz und Knapp: Ein schönes, zum Buch passendes Cover.

Charaktere:

Hauptperson ist der Psychiater Mats, der seit einer Weile in Südamerika lebt und trotz seiner starken Flugangst den Flieger nach Deutschland betritt um die Geburt seines Enkelkindes mitzukriegen.
Seine hochschwangere Tochter Nele erwartet ihren Vater mit gemischten Gefühlen, denn er hat sie schon lange nicht mehr besucht.
Doch es kommt vorerst nicht zu einem normalen Treffen zwischen Vater und Tochter, da Mats im Flieger erfährt, dass sie entführt ist. Und, dass seine damalige Patientin an Board ist, seelisch labil, bereit möglicherweise einen Flieger zum Absturz zu bringen.

Meine Meinung:

Ein neuer Fitzek, endlich! Voller Vorfreude habe ich dieses Buch erwartet, denn die Idee bzw. der Klappentext klang wahnsinnig interessant und habe seitdem ein wenig gerätselt, was es denn für eine tödliche Waffe gibt, die jeder an Board  bringen kann..

"Selbst wenn es einen Zwischenfall geben sollte, haben sie bei einem Absturz eine Überlebenschance von 95 %. Mit einem Flugzeug zu fliegen ist in etwa so gefährlich, wie mit einem Aufzug zu fahren." S.34

Der Schreibstil ist wie gewohnt flüssig, man sitzt quasi mit im Flieger und erlebt Mats hautnah beim Versuch, seine Tochter zu retten. Auch die gewohnten Cliffhanger am Ende von vielen Kapiteln fehlen nicht. Fitzek schafft es einfach immer wieder, einen noch 10 Minuten lesen zu lassen, obwohl es schon spät ist.

Sehr spannend fand ich, dass Fitzek hier mal ein ganz neues Thema einbringt. So hat sein ,,Psychopath" in der Handlung eine wirklich krude Phantasie und kritisiert (fast zu Recht) unsere Milchproduktion.. Fitzek gelingt es auf kranke Weise dieses Thema zu integrieren, teilweise wie ich fand mit mahnenden Worten.

"Ich frage Sie, Nele. Haben sie sich jemals darüber Gedanken gemacht, dass Milch das einzige Produkt ist, das nicht artgerecht produziert werden kann?" S.213

Dennoch konnte mich das Buch nicht vollends überzeugen. An manchen Stellen kam mir das Verhalten der Charakter zu gestellt rüber, auch fand ich die Auflösung zwar gelungen, aber doch nicht überragend.

"Ich möchte, dass Sie diese Therapie rückgängig machen. Reaktivieren Sie die Gewaltfantasien Ihres Patienten. Lösen Sie erneut Mordgedanken in ihm aus. Und bewegen Sie ihn dazu, das Flugzeug zum Absturz zu bringen." S. 61

Fazit:
Wieder ein spannender Thriller von Fitzek, der mich aber nicht völlig vom Hocker hauen konnte. Aber spannendes Thema und gute Umsetzung.

☆ ☆ ☆ ☆ 

Dienstag, 29. August 2017

Rezension zu ,,Dark Matter - Der Zeitenläufer" von Blake Crouch

Der Science Fiction Roman Dark Matter ist am 27. März 2017 mit 408 Seiten im Goldmann Verlag erschienen.

Inhalt:

„Bist du glücklich?“ Das sind die letzten Worte, die Jason Dessen hört, bevor ihn ein maskierter Mann niederschlägt. Als er wieder zu sich kommt, begrüßt ihn ein Fremder mit den Worten: „Willkommen zurück, alter Freund.“ Denn Jason ist in der Tat zurückgekehrt – doch nicht in sein eigenes Leben, sondern in eines, das es hätte sein können. Und in diesem Leben hat er seine Frau nie geheiratet, sein Sohn wurde nie geboren. Und Jason ist kein einfacher College-Professor, sondern ein gefeierter Wissenschaftler. Doch ist diese Welt real? Oder ist es die vergangene Welt? Wer ist sein geheimnisvoller Entführer? Und vor die Wahl gestellt – was will er wirklich vom Leben: Familie oder Karriere? Auf der Suche nach einer Antwort begibt Jason sich auf eine ebenso gefährliche wie atemberaubende Reise durch Zeit und Raum. Eine Reise, die ihn am Ende auch mit den dunklen Abgründen seiner eigenen Seele konfrontieren wird …

Cover:

Ein schönes, schwarzes Cover mit einer guten Haptik. Schon oft haben mich Bücher in ihren Bann gezogen, die zwar schön, jedoch im Inhalt nicht überzeugend waren. Wie gut, dass es hier anders ist.

Charaktere:

Hauptperson ist Jason. Jason ist ein ,,einfacher" Physikprofessor an einem College, ist verheiratet mit seiner Frau Daniela und hat einen Sohn namens Charlie. Zu dritt leben sie in einer Wohnung und führen ein relativ glückliches Leben. Doch Jason fragt sich, wie sein Leben verlaufen wäre, wenn er keine Familie gegründet hätte, sondern sein ganzes Leben der Wissenschaft geopfert hätte. Und eines Tages wird er es auch herausfinden ...

Meine Meinung:

Was für eine interessante Idee dachte ich mir, als ich mir den Klappentext zu diesem Buch durchlas. Am gleichen Tag noch bestellt, fing ich am nächsten Tag sofort an, das Buch zu lesen. Meine Vorfreude entfachte sich zu einer noch größeren Freude, denn: Das Buch gefällt mir besser, als ich dachte.

,,Wir alle wandern durch die Tundra unserer Existenz und schreiben völlig Wertlosem einen Wert zu, obwohl doch alles, was wir lieben und hassen, was wir glauben und wofür wir kämpfen und töten und sterben, so bedeutungslos ist wie auf Plexiglas projizierte Bilder." S.110

Blake Crouch hat einen einfachen Schreibstil, keine langen, schnörkeligen Sätze machen dieses Buch aus, sondern kurze und schnelle Sätze. Wie man es eben von Thrillerautoren kennt, sodass sich das Buch als totaler Pageturner offenbarte. Vielfach kritisiert in anderen Rezensionen, gefiel mir dies sehr gut. Ich könnte nicht andauernd anspruchsvolle Literatur lesen, für zwischendurch also besonders gut geeignet.

,,Es ist ein surrealer Moment. Seit ich in dem Labor wieder zu Bewusstsein kam, habe ich einen solchen nicht erlebt - ich sitze hier im Bett, im Gästezimmer meiner Frau, die nicht meine Ehefrau ist, und rede mit ihr über den Sohn, den wir anscheinen nie hatten, über das Leben, das nicht unseres war." S.127


Science-Fiction ist normalerweise nicht mein Genre, aber ab und zu verirre ich mich auch gerne und probiere andere Bücher aus. Ein Buch über Quantenmechanik und der Theorie des ,,Multiversums" war mir bis dato nicht geläufig. Der Autor brachte seine Theorien und Gedanken zu diesem Thema sehr gut herüber und versuchte auch diese Theorien zu erklären. (Im Nachwort verweist er auf verschiedene Wissenschaftler, die ihn für dieses Buch inspirierten.)

,,Das Multiversum existiert, weil jede Entscheidung, die wir treffen eine Weggabelung erzeugt, die in eine Parallelwelt führt." S.355

Der Titel ,,Zeitenläufer" finde ich ein wenig irreführend, geht es doch hier eher um einen ,,Weltenläufer". Mehr dazu sei nicht gesagt, denn die Gefahr eines Spoilers ist zu hoch und es würde das gesamte Buch versauen.
Blake Crouch erweckt einen interessanten Gedankengang mit seiner Story. Was wäre, wenn wir uns ,,unsere" Welt aussuchen könnten und wären wir damit glücklicher? Ich persönlich musste während des Lesens vielfach darüber nachdenken und fand seine Sichtweisen zu diesem Thema einfach furchtbar interessant.

,,Ich werde den Gedanken nicht los, dass wir mehr sind als nur die Summe unserer Entscheidungen, dass gerade all die Wege, die wir hätten einschlagen können, ein Teil unserer Identität sind." S. 401

Ich denke, man muss sich auch ein wenig auf das Buch einlassen. Wenn man jeden Gedankengang und jede physikalische Erklärung zu starr betrachtet, könnte es sein, dass man an diesem Buch keine Freude hat. Es ist und bleibt eben Science-Fiction, die aber auf realen Theorien basiert.

Fazit:
Ein Science Fiction Roman, bei dem der Inhalt mindestens genauso gut ist wie das tolle Cover. Mit einem leicht philosophischen Unterton erzählt Blake Crouch eine Geschichte über Quantenmechanik, Liebe und erweckt beim Leser zugleich die Frage ,,Was wäre, wenn ich mir meine Welt aussuchen könnte?".
Ich persönlich sehe mein in einem anderen Universum existierendes Ich schon im Kino sitzen, Popcorn essen und sich über die tolle Verfilmung zu ,,Dark Matter" freuen.

☆ ☆ ☆ ☆ ☆

Samstag, 26. August 2017

Rezension zu "Stoner" von John Williams

Das Buch Stoner ist mit 352 Seiten am 23. August 2013 im dtv Verlag erschienen. Williams schrieb diesen Roman aber schon 1965.

Klappentext:

Stoner‹ ist einer der großen vergessenen Romane der amerikanischen Literatur. John Williams erzählt das Leben eines Mannes, der, als Sohn armer Farmer geboren, schließlich seine Leidenschaft für Literatur entdeckt und Professor wird – es ist die Geschichte eines genügsamen Lebens, das wenig Spuren hinterließ.Ein Roman über die Freundschaft, die Ehe, ein Campus-Roman, ein Gesellschaftsroman, schließlich ein Roman über die Arbeit. Über die harte, erbarmungslose Arbeit auf den Farmen; über die Arbeit, die einem eine zerstörerische Ehe aufbürdet, über die Mühe, in einem vergifteten Haushalt mit geduldiger Einfühlung eine Tochter großzuziehen und an der Universität oft teilnahmslosen Studenten die Literatur nahebringen zu wollen. ›Stoner‹ ist kein Liebesroman, aber doch und vor allem ein Roman über die Liebe: über die Liebe zur Poesie, zur Literatur, und auch über die romantische Liebe. Es ist ein Roman darüber, was es heißt, ein Mensch zu sein.

Cover:

Das Cover drückt die Trostlosigkeit des William Stoners perfekt aus und passt hervorragend zum Buch.

Meine Meinung:

Wow, völlig erschlagen von dem Buch brauchte ich erst einmal paar Tage um das Gelesene zu verarbeiten. Da schafft es ein Autor, ein ganz normales, fast sogar trostloses Leben eines Mannes niederzuschreiben und dabei den Leser dermaßen zu berühren, dass man die ganze Zeit mit Stoner mitfühlt.

Der zur Landwirtschaft erzogene junge Student Stoner beschließt seiner Liebe zur Literatur zu folgen, wird Professor, findet sogar eine Frau, doch hat er mit ihr nur Probleme. Nichts als Probleme hat er auch als Professor, denn Kollegen und Studenten machen es ihm schwer. Stoisch erträgt er sein trostloses Leben, ohne jedoch die Lust am Leben zu verlieren.

,,Manchmal, wenn er in die Bücher vertieft war, überkam ihn eine Ahnung dessen, was er alles nicht wusste, was er noch nicht gelesen hatte, und die Ruhe, auf die er hinarbeitete, wurde von der Erkenntnis erschüttert, wie wenig Zeit ihm doch im Leben blieb, um so viel zu lesen, um all das lernen zu können, was er wissen musste." S. 36

John Williams schafft es, das normale Leben so erdrückend zu erzählen, dass man mitfühlt, seine unerschütterliche Art versteht und alles akzeptiert. Er zaubert literarisch Worte aufs Papier, die einen richtig umhauen.

,,In seinem dreiundvierzigsten Jahr erfuhr William Stoner was andere, oft weit jüngere Menschen vor ihm erfahren hatten: dass nämlich jene Person, die man zu Beginn liebt, nicht jene Person ist, die man am Ende liebt, und dass Liebe kein Ziel, sondern der Beginn eines Prozesses ist, durch den ein Mensch versucht, einen anderen kennenzulernen." S.245

Fazit:
Ein Geschenk für jeden, der die Liebe zur Literatur und den Büchern nachvollziehen kann. Eine Qual für jene, die dem stoischen Leben von Stoner nichts abgewinnen können.
Sicher ein Buch, welches nicht jedem gefällt.
Nichtsdestotrotz eine wichtige Wiederentdeckung amerikanischer Literatur.

☆ ☆ ☆ ☆ ☆

Rezension zu ,,Chronik des Cthulhu-Mythos 1" von H.P. Lovecraft

Die Geschichten aus der Chronik des Cthulhu-Mythos stammen aus der Feder von H.P. Lovecraft. Der Festa Verlag hat diese Sammlung von 11 Kurzgeschichten am 01.11.2011 veröffentlicht. Der erste Band umfasst 500 Seiten.

Klappentext:

Diese Chronik in zwei Bänden vereint erstmals die vollständigen Werke Lovecrafts zum Cthulhu-Mythos – neben allen Kurzgeschichten auch die berühmten Novellen wie BERGE DES WAHNSINNS, DER SCHATTEN ÜBER INNSMOUTH oder DER FALL CHARLES DEXTER WARD. Mit einer Einleitung und ausführlichen Erläuterungen zu den einzelnen Werken von Dr. Marco Frenschkowski.

Cover:

Das Cover finde ich gelungen und total passend zu der Chronik. Es zeigt ein schauriges Wesen aus dem Cthulhu-Mythos. Die beiden Bände passen super zusammen und sind ein toller Hingucker im Regal.

Meine Meinung:

Da es sich hier um eine Kurzgeschichtensammlung handelt, werde ich jede Kurzgeschichte einzeln mit Sternchen bewerten und zum Schluss ein Gesamturteil fällen.

Dagon ☆☆
Nyarlathotep
Stadt ohne Namen ☆☆
Die Musik des Erich Zann ☆
Das Fest
Der Ruf des Cthulhu ☆☆
Die Farbe aus dem All ☆☆
Geschichte eines Necronomicons
Der Fall Charles Dexter Ward ☆☆☆
Das Grauen von Dunwich ☆
Der Flüsterer im Dunkeln ☆☆

Toll finde ich, dass es vor jeder Geschichte ein Vorwort von Dr. Marco Frenschkowski gibt. Somit hatte  zumindest ich das Gefühl, die nachfolgende Geschichte besser zu verstehen, denn H.P. Lovecraft schreibt teilweise sehr gehoben und komplex.
Was einem direkt auffällt, ist der Schreibstil. Was für literarisches Können der Autor mit dem Genre des Horrors vereint hat mich ehrlich gesagt umgehauen. Man merkt, wie Clive Barker auf der Rückseite zitiert wird, dass Lovecraft die Grundlage des modernen Horrors bildet.
Die Geschichten lasen sich nicht einfach und ich muss zugeben, dass ich für das Buch ein Jahr brauchte, was aber eher daran lag, dass ich es mir gut dosieren und mir Zeit für jede einzelne Geschichte nehmen wollte.

"P.S: Sollten sie Dr. Allen sehen, erschießen Sie ihn und lösen Sie seinen Körper in Säure auf. Verbrennen sie ihn auf keinen Fall!" S.285

Alles in Allem eine tolle erste Chronik des Cthulhu Mythos. Besonders die Geschichte des Charles Dexter Ward hat es mir besonders angetan und ich freue mich schon auf den zweiten Band. Super finde ich, dass der Festa Verlag den gesamten Mythos in zwei Bänden vereint.
Für mich eine sehr gelungene Herausgabe.


☆ ☆ ☆ ☆

Sonntag, 9. Juli 2017

Rezension zu ,,Drei Meter unter Null" von Marina Heib

 Das Buch ,,Drei Meter unter Null" von Marina Heib ist am 06. März 2017 im Heyne Encore Verlag erschienen.

Inhalt:

Sie beobachtet ihre Opfer. Sie plant ihre Morde. Nichts will sie dem Zufall überlassen. Sie schlägt den Weg der Gewalt jedoch nicht ohne Grund ein. Ihr Leben lang bemühte sie sich um ein normales Leben. Doch die Hülle der Normalität umschloss eine tiefe Verzweiflung, die sie zu verbergen wusste. Bis zu einem nebligen Donnerstag im November. Dem Tag, an dem sie beschließt, eine Mörderin zu werden. Sie will die Dämonen vernichten. Sie will Rache. Sie empfindet kein Mitleid. Sie sollen leiden. Genau wie sie. (Klappentext)

Cover:

Das Cover passt zum Buch, es verbirgt etwas. Man hat eigentlich keine Ahnung, was diese dunklen Treppen aussagen sollen. Doch dieses Rätsel löst sich und dann versteht man auch, was es mit dem Titel ,,Drei Meter unter Null" auf sich hat.

Charaktere:

Die Protagonistin ist die wohl undurchsichtigste Person in diesem Buch. Am Anfang denkt man bei ihren Taten noch an Zufallsopfer, doch immer mehr kristallisiert sich heraus, was diese Frau für eine Vergangenheit an und inwiefern sie die Opfer kennt..

Ehrlich gesagt baut man keine große Beziehung zur Protagonistin auf, denn durch ihr Morden erscheint sie zuerst nicht gerade als Sympathieträger. Man versteht aber ihr Leiden, und auch ihre Sorgen, denn ihr Leben verläuft nicht gerade gradlinig. In der Kindheit hegt sie noch ihren großen Traum ,,Pippi Langstrumpf" zu werden, und wird später zur Mörderin ..

Meine Meinung:

Am Anfang des Buches fiel mir direkt die gehobene Sprache auf, die in vielen Thrillern unüblich ist. Durch die Vermischung eines solchen Schreibstils mit der Spannung, die im Buch aufkommt, entsteht etwas Besonderes. Man liest gerne weiter, und wenn ich ehrlich bin war es auch dieser Schreibstil, der mich am Buch fesselte.
Ich muss nämlich sagen, dass die Spannung sich im Buch erst ein mal entwickeln muss. Am Anfang noch recht ,,normal" entwickelt sich das Buch aber schnell zu einem spannenden Thriller.

,,Denn wenn sich an einem Ort mehrere Wölfe zusammenrotten, riechen die Schafe irgendwann die Gefahr und fangen an zu böken. Von wegen Schweigen der Lämmer." S.118
Mysteriös ist natürlich, warum die Protagonistin mordet und man denkt wirklich am Anfang, dass hinter den Taten nichts als reine Mordlust steht. Die Aufklärung darüber erfährt man nach und nach, was mir sehr gut gefiel. So hielt der Spannungsbogen.

,,Ich rieche wie ein wildes Tier. Ich bin ein wildes Tier. Wenn die Polizei mich mit Hunden sucht, werden die Hunde die Wölfin riechen und Angst bekommen." S. 135

Die Taten der Frau sind abstoßend und vielmals eklig, doch passen sie zu einem Thriller. Doch auch die Taten der ,,Täter", wie ich sie nennen möchte, um nichts zu verraten, sind schrecklich und man kann mitfühlen, wieso die Protagonistin solche Mordgelüste entwickelt.
Das Ende ist wirklich gelungen, und ist zudem auch richtig überraschend.

Fazit:
Ein lesenswerter Thriller, der durch seine tolle Sprache überzeugt. Mir kam die Spannung am Anfang ein wenig zu kurz, weswegen ich 4 Sterne geben möchte.

☆☆☆☆

Mittwoch, 10. Mai 2017

Rezension zu "Trouble" von Lee Child

Trouble ist das 11te Buch aus der Reihe um Jack Reacher. Es ist mit 460 Seiten am 15.11.2011 im Blanvalet Verlag erschienen.

Inhalt:

Eines Tages liegen auf Jack Reachers Konto 1030 Dollar. Der Mann ohne Telefon und festen Wohnsitz weiß sofort: Seine Vergangenheit hat ihn wieder. Er spürt die Frau auf, die ihm den Notrufcode zugespielt hat: seine Expartnerin aus Army-Zeiten, Frances Neagley. Sie hat schlechte Nachrichten. Calvin Franz, ein Mitglied der einstigen Neunergruppe, wurde grausam ermordet. Und es scheint, als sei Franz nicht der Einzige aus Reachers altem Team, der einem gefährlichen Gegner zum Opfer gefallen ist … (Klappentext)

Cover:

Wie jedes andere Buch von Lee Child: Gewohnt interessantes Cover, zwar nicht wirklich vielsagend, aber im Schrank zusammen mit den anderen Büchern passend und gut aussehend.

Meine Meinung:

Trouble ist mein zweites Buch, dass ich von Lee Child lesen darf. Davor las ich ,,Wespennest" und das hatte mich damals voll überzeugt. So mussten natürlich weitere Bücher folgen.

"Bleib weg, Dave. Lass ihn verbluten. Hat keinen Zweck, sich die Schuhe zu ruinieren." S.242


Jack Reacher, Hauptperson in dem Buch ist ein typischer Held. Er ist sympathisch, genial und schlau, kann zudem noch mit Waffen umgehen und mit der menschlichen Psyche spielen und ist zudem ein Ex - Armysoldat. So kommt er auch aus jeder brenzligen Situation mehr oder weniger heil heraus. Entweder mit irgendwelchen Tricks oder mit seiner nonverbalen Problemlösung, die scheinbar ganz gut funktioniert.

"Er schrie kurz auf, dann machte er instinktiv einen weiteren Schritt, auf seinem gebrochenen linken Bein. Er sackte, wild mit den Armen rudern, nach vorn, und das Übergewicht seines schweren Oberkörpers ließ ihn über die Drehachse der steifen Hüften kippen und beförderte ihn durch die offene Tür hinaus: In die von Lärm erfüllte Dunkelheit, in den Sturmstärke erreichenden Rotorabwind, in die Nacht.
Tausend Meter über der Wüste." S.10


Diesmal wird in diesem Buch mehr seine Vergangenheit aufgegriffen, vor allem im Bezug zu seinen alten Freunden von der Militärpolizei, die er, teilweise auch lebend, wieder trifft. Das fand ich interessant, vor allem auch der Aspekt, dass Reacher wirklich der Einzige ist, der nach der Militärpolizei keinen festen Fuß fassen konnte.

Der Schreibstil des Autors überzeugt wieder auf ganzer Ebene. Locker ist er und sehr gut zu lesen. Reacher war zwar nicht in Höchstform, aber trotzdem unterhaltend. Ein bisschen schade, dass das Buch in der Mitte gefühlt einen kleinen Hänger hatte, wodurch die Spannung ein wenig abfiel. Man hätte das Buch auch in 100 Seiten weniger verpacken können.

Fazit:
Gutes Buch, gutes Cover, überzeugt. Teilweise blieb die große Spannung aus, sodass ich gerade noch so 4 Sterne geben kann.

Sonntag, 26. März 2017

Rezension zu ,,Das Gesicht meines Mörders" von Sophie Kendrick

Der Debüt-Thriller von Sophie Kendrick ,,Das Gesicht meines Mörders" ist mit 320 Seiten am 16. Dezember 2016 im Rowohlt Verlag erschienen.

Inhalt:

Sie muss sich erinnern, um zu überleben. Als Clara aus dem Koma erwacht, ist ihr bisheriges Leben wie ausgelöscht. Sie erinnert sich weder ihren eigenen Namen noch an ihren Ehemann, den Schriftsteller Roland Winter. Auch nicht an den Einbrecher, der sie niedergeschlagen haben soll. Freunde scheint sie keine zu haben – Roland ist ihre einzige Verbindung zur Vergangenheit. Mit seiner Hilfe wagt Clara einen Neuanfang. Bis jemand versucht, sie umzubringen. Und die junge Frau begreift, dass sie sich erinnern muss, um zu überleben. Schritt für Schritt rekonstruiert Clara ihr Leben und stößt auf eine geheimnisvolle Frau, mit der sie am Tag des Unglücks verabredet war. Und die seither spurlos verschwunden ist. (Klappentext)

Cover:

Das Cover mit den abgebildeten Dornen und Wassertropfen finde ich gelungen. Besonders die Haptik ist überzeugend. Passt zu einem Thriller.

Charaktere:

Hauptperson ist Clara Winter, die nach einem Überfall ihr gesamtes Gedächtnis verloren hat. Sie weiß nicht wer sie ist, wie sie heißt, was sie macht, oder wer der geheimnisvolle Mann ist, der im Krankenhaus neben ihr sitzt und sich als ihr Ehemann Roland ausgibt.
Clara ist dem Leser sympathisch, besonders, da die ganze Geschichte aus ihrer Perspektive erzählt wird. Man fiebert und forscht mit Clara und entwickelt beim Lesen nebenbei so seine Theorien, die sich zumindest bei mir am Ende als falsch herausstellten.

Dann ist da natürlich noch Roland, der geheimnisvolle Roland, der sie umsorgt als wäre sie seine Ehefrau, sie beschattet, als wäre sie sein Opfer und sie von der wahren Geschichte fernhält, als würde er etwas verbergen ...

Meine Meinung:

Eigentlich wollte ich das Buch abends nur mal kurz ,,anlesen", ehe ich mich versah waren auch schon paar Minuten, Stunden vergangen. Sophie Kendrick versteht es den Leser zu fesseln, Details zu geben, die den Leser argwöhnisch machen.
Der Schreibstil ist zudem flüssig, sehr gut zu lesen, die Seiten fliegen nur so dahin.

,,Aus den Augenwinkeln sehe ich einen Lkw heranfahren, instinktiv will ich zurücktreten, als mir jemand einen Stoß in den Rücken versetzt. Ich stolpere nach vorn. Ich kann mich nicht fangen, stürze auf die Fahrbahn. Bremsen quietschen, jemand schreit. Ich schließe die Augen, mache mich auf den Aufprall gefasst." S.51

Retrograde Amnesie ist das Stichwort, um das sich quasi das ganze Buch dreht. Clara versucht sich zu erinnern, doch sie kann es nicht. So begleitet man sie auf ihrer Suche nach der Vergangenheit und trifft auf viele Ungereimtheiten. Warum hat sie keine Verwandtschaft mehr außer ihrer Schwester, die zudem auch verschwunden ist? Wer war ihr Vater und warum wuchs die Familie nicht zusammen auf und vor allem, wer ist der Mann wirklich, der sich als ihr Ehemann ausgibt?
Fragen, die fesseln und Sophie Kendrick versteht ihr Handwerk, indem sie dem Buch nicht selten eine Wendung gibt, die man nicht erwartet hätte.

,,Bitte nehmen sie mir meine Worte nicht übel, Frau Winter. Ich bin mir sicher, dass in diesem Fall etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Und solange ich nicht weiß, was es ist, muss ich auf den einen oder anderen Busch klopfen, um zu sehen, was herausspringt." S. 209

Wenn man ehrlich ist, dann ist das Thema Amnesie keine Neuerfindung des Genres. Viele Top-Autoren bedienten dieses Thema, auch das ständige Misstrauen gegenüber anderer Personen.
Dennoch habe ich mich unterhalten gefühlt und hatte nie das Gefühl, dass sich irgendwas wiederholt oder ich eine Stelle langweilig fand. Das intelligente Nachwort bezüglich der Entstehung und ihrer Idee rundete für mich das Gesamtbild ab.

,,Wir sind unsere Erinnerungen. Ohne sie verlieren wir unsere Identität, die Gewissheit, wer wir eigentlich sind. Je mehr ich über das Gedächtnis recherchierte, desto klarer wurde mir, wie viel wir einbüßen, wenn wir nicht mehr auf unsere Erinnerungen zurückgreifen können. Und wie schrecklich sich das Anfühlen muss." Nachwort, S. 315

Fazit:
Eine atmosphärisch dichte Story mit vielen spannenden Psycho-Elementen, die den Leser fesseln und überlegen lassen, wem Clara trauen kann und ob denn wirklich alles so ist, wie es ist.
Für mich war das Ende nicht vorherzusehen, auch wenn solch eine Auflösung nicht ganz neu ist. Aber man muss das Rad ja nicht neu erfinden, somit gebe ich sehr gute 4-Sterne.

☆ ☆ ☆ ☆

Samstag, 25. März 2017

Rezension zu ,,Christmasland" von Joe Hill

Der Fantasy-Thriller ,,Christmasland" ist mit 800 Seiten am 08. Dezember 2014 im Heyne Verlag erschienen.

Inhalt:

Charlie Manx ist ein sehr, sehr böser Mann mit einem sehr, sehr bösen Auto. Er entführt Kinder nach »Christmasland«, wo ewige Weihnacht herrschen soll. Die Kinder erwartet dort jedoch etwas Schreckliches, und es gibt keinen Weg zurück. Mit seinem Meisterwerk moderner Fantastik entführt uns der mehrfach preisgekrönte Bestsellerautor Joe Hill auf einen unvergesslichen Horrortrip. (Klappentext)

Cover:

Die Rolls-Royce Statue auf der Motorhaube eines Wraith ziert das Cover zusammen mit einem roten Nebel.  Für mich ein gelungenes Cover und sehr passend zur Geschichte.

Charaktere:

Hauptperson ist Vic McQueen, die seit frühester Kindheit eine magische Gabe besitzt, die nicht jeder Mensch hat: Wenn sie mit ihrem Raleigh losfährt  und in Gedanken bei einem Gegenstand oder Menschen ist, öffnet sich ihr eine Brücke, ihre sogenannte Shorter-Way-Brdige, über die sie fahren kann und dann am Zielort des jeweiligen Gegenstands ankommt.

Doch Vic ist nicht die einzige, die eine solche Eigenschaft hat.
Charlie Manx, ein böser Mann, besitzt die Gabe, in seinem Rolls-Royce Wraith ins Christmasland fahren zu können, wo er den Kindern für immer Weihnachten verspricht: Ohne Entkommen. Auch Vic kam in seine Fänge, doch befreite sich und nun ist sie erwachsen und besitzt einen Sohn, und Manx wartet nur darauf sich zu rächen...

Meine Meinung:

Was für eine interessante Idee! Und auch noch so passend zur Weihnachtszeit, sodass ich mit diesem Buch doch gleich an Weihnachten anfing. Zugleich war ich neugierig: Schafft der Sohn, was der Vater kann? Nämlich: Großartige Bücher zu schreiben?

Ein Auto als Horrorelement zu benutzen ist nichts neues, in diesem Falle aber doch wieder etwas besonderes. Die Beschreibungen des Wraith sind gruselig, umso mehr noch, da sich das Auto auch gerne immer wieder verselbstständigt und kleine Kinder einsperrt.

,,Nathan schlug mit den Händen gegen die Windschutzscheibe und hinterließ dabei rostrote Abdrücke auf dem Glas.
'Hilfe!', schrie er, während warmes Blut über sein Gesicht lief. 'HILFE, HILFE, BITTE HELFT MIR!'
Seltsamerweise grinsten die Kinder zurück, als würde er Faxen machen, und winkten eifrig zurück. Er begann zu schreien wie eine Kuh auf dem Schlachthof, die auf dem dampfenden Blut ihrer Artgenossen ausrutschte, bevor es ihr selbst an den Kragen ging."
S. 276


Die Geschichte um Vic, wie sie groß wird und weitere Personen kennenlernt, die auch solche Gaben haben, fand ich interessant. Ein bisschen zu viel wurde es mir dennoch, da der Autor jeden Grashalm aus ihrer Vergangenheit erwähnen musste und die Geschichte damit unnötig streckte. Das hat den Spannungs-Effekt leider gedämpft.

Interessant finde ich auch die Bezeichnung eines Thrillers, denn für mich glich das Buch eher einem Fantasy-Roman. Besonders diese Fantasy-Inhalte gefielen mir aber gut und Joe Hill hat diese auch gut und oft schaurig erzählt.

Gruselig fand ich auch immer die Beschreibungen von Charlie Manx oder des Gasmaskenmannes. Gerade mehr solcher Horror-Elemente hätten dem Buch auch gut getan.

,,'Tief einatmen', sagte der Gasmaskenmann. 'Dann fühlst du dich besser. Entspann dich einfach. Die Sonne ist untergegangen, die Nacht hat angefangen. Gott ist tot, der Himmel rot.'" S.568

Fazit:
Im Endeffekt hat mich das Christmasland überzeugt. So lange wie ich dort bleiben musste, würde ich zwar nicht noch mal hin wollen, aber es war sicher eine tolle Reise mit Vic und ihrem Relaigh.
Ich bin gespannt, wie die anderen Bücher von Joe Hill so sind. Für dieses Buch gebe ich gerne 3 Sterne, für 4 war es mir dann doch ein wenig zu langatmig.

,,Die Fantasie war immer nur eine Realität, die darauf wartete, aktiviert zu werden" S.710

☆☆☆