Sonntag, 27. November 2016

Rezension zu ,,Anonym" von Ursula Poznanski und Arno Strobel

,,Anonym" wurde von dem Autorenduo Poznanski und Strobel geschrieben und ist mit 384 Seiten am 21.09 2016 im Rowohlt Wunderlich Verlag erschienen.

Inhalt:

Du verabscheust deinen Nachbarn? Du hast eine offene Rechnung mit deiner Ex-Frau? Du wünschst deinem Chef den Tod? Dann setze ihn auf unsere Liste und warte, ob die anderen User für ihn voten. Aber überlege es dir gut, denn manchmal werden Wünsche wahr...

Es ist der erste gemeinsame Fall von Kommissar Daniel Buchholz und seiner Kollegin Nina Salomon, und er führt sie auf die Spur des geheimnisvollen Internetforums "Morituri". Dort können die Mitglieder Kandidaten aufstellen und dann für sie abstimmen. Dem Gewinner winkt der Tod. Aber das Internet ist unendlich, die Nutzer schwer zu fassen. Nur der Tod ist ausgesprochen real, und er ist näher, als Buchholz und Salomon glauben... (Klappentext)

Cover:

Das Cover finde ich sehr gelungen. Es besitzt eine interessante Haptik und zeigt Hamburgs Hafen. Die silberne Farbwahl finde ich sehr interessant. Auch besitzt das Buch ohne das Cover einen schönen rötlichen Ton. Ich persönlich finde es ja immer super, wenn ein Buch auch ohne Cover schön aussieht, da ich es zum Lesen immer abmache.

Charaktere:

Hauptpersonen sind die beiden Polizisten Nina Salomon und Daniel Buchholz. Nina wurde aus Bremen versetzt und führt ihre Karriere in Hamburg weiter fort, dabei steht ihr Daniel als Partner bereit.

Beide verstehen sich von Anfang an erstmal nicht. Die penible, sauberkeitsliebende Art von Daniel findet Nina seltsam und Daniel macht Nina's unüberlegte Art und ihre Alleingänge zu schaffen. Beides sind keine einfachen Menschen und vielfach fand ich sie im Buch ein wenig nervig.
Aber, und das ist vielleicht ein klitzekleiner Hoffnungsschimmer, verstehen sie sich zum Schluss ein wenig besser. Ich bin gespannt, ob dies eine Reihe wird oder ein abgeschlossener Band bleibt.
Ich finde, sie ergänzen sich trotz großer Differenzen gut.

Meine Meinung:

Ursula Poznanski und Arno Strobel - eine großartige Kombination, wie ich schon in dem Buch ,,fremd" erfahren durfte. Ich finde dieses Konzept sehr interessant, sodass ich natürlich auch ,,anonym" lesen musste.

Wir landen also in der schönen Stadt Hamburg, die neuerdings von kranken Morden erschüttert wird. Ein Mörder, durch das Darknet getarnt, führt eine Todesliste im Internet, bei der jeder Mensch abstimmen darf, wer als nächstes stirbt. Ganz einfach, von Zuhause aus. Auf der Liste stehen Leute wie ,,Der Mann, der seinen Hund in den Nachbargarten machen lässt" oder ,,Der Busfahrer, der heranlaufenden Fahrgästen jedes Mal im letzten Moment die Tür vor der Nase schließt."
Eine interessante Idee, das Darknet in einen Thriller zu verpacken. Ich hätte so eine Umsetzung nicht erwartet. Ich finde das Thema Darknet bleibt auch, mehr oder weniger, eher im Hintergrund. Nur die Seite existiert ebenda.
Das Darknet, oder auch Deepweb genannt, hat ja schon einen gewissen Kultstatus unter Cyberkriminellen, wobei es in manchen Ländern der einzige Schlüssel ist, überhaupt das Internet nutzen zu können.

,,Wenn das Mädchen gewinnt, wird das Mädchen sterben. Ob er es schon in seiner Gewalt hat? Oder eben dabei ist, es zu entführen? Die meisten Elfjährigen sind jetzt in der Schule, sind sie dort sicher? Und später, auf dem Weg nach Hause ... " S.166

Bei der Charakterbesprechung habe ich Nina und Daniel schon vorgestellt. Für mich ein Kritikpunkt. Mich haben die Alleingänge, die emotionalen, ausufernden Aktionen von Nina ein wenig gestört. Natürlich hatte sie auch öfters den richtigen Riecher. Das ist mir ein wenig zu fiktiv.

Als passionierter Thrillerleser verdächtigt man ja meist alles und jeden. Nicht selten ist der Täter gerade der, von dem man es am wenigsten vermutet. Ich hatte eine Vermutung, aber ohne Erklärung, die sich später bestätigte. Die Auflösung fand ich dennoch sehr interessant, die wiederum gar nicht so war, wie ich dachte. Ich hatte auch eher gedacht, dass der Täter ein Mittäter ist und nicht der Strippenzieher. So blieb die Spannung für mich bis zum Ende hin vorhanden.

,,An jeder dunklen Ecke, an der Sie vorbeikommen, werden Sie damit rechnen müssen, dass jemand herausspringt. Sie werden nirgendwo mehr sicher sein. Und wenn Sie das Gefühl haben, nun sei es endlich vorbei, wird jemand da sein, der Ihnen das Gegenteil beweist." S. 226

Fazit:
Ein gelungener Thriller, mit einer interessanten Thematik, die ein wenig mehr hätte thematisiert werden können. Gespickt wird das Buch mit zwei Ermittlern, die anders sind. Anders gefällt mir meistens sehr gut, hierbei habe ich besonders die Ermittlerin Nina aber ein wenig nervig wahrgenommen.
Nichtsdestotrotz spannend - ich freue mich auf das nächste Buch von Poznanski und Strobel.

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