Sonntag, 21. August 2016

Rezension zu ,,Elanus" von Ursula Poznanski

Ursula Poznanskis neuestes Jugendbuch Elanus ist mit 416 Seiten am 22. August 2016 im Loewe Verlag erschienen.

Inhalt:

Es ist klein. Es ist leise. Es sieht alles. Jona ist siebzehn und seinen Altersgenossen ein ganzes Stück voraus, was Intelligenz und Auffassungsgabe betrifft. Allerdings ist er auch sehr talentiert darin, sich bei anderen unbeliebt zu machen und anzuecken. Auf die hervorgerufene Ablehnung reagiert Jonas auf ganz eigene Weise: Er lässt sein privates Forschungsobjekt auf seine Neider los: eine Drohne. Klein, leise, mit einer hervorragenden Kamera ausgestattet und imstande, jede Person aufzuspüren, über deren Handynummer Jona verfügt. Mit dem, was er auf diese Weise zu sehen bekommt, kann er sich zur Wehr setzen gegen Spott und Häme. Doch dann erfährt er etwas, das besser unentdeckt geblieben wäre, und plötzlich schwebt er in tödlicher Gefahr. Drohnen, Überwachung, Manipulation, dunkle Geheimnisse – gekonnt webt Ursula Poznanski hochaktuelle Themen in ihren neuen Thriller.  (Inhalt)

Cover:

Das Cover finde ich gleichermaßen interessant und gut. Es sieht super im Regal aus und passt auch sehr gut zu ,,Layers".

Charaktere:

Unser Protagonist Jona ist 17 Jahre alt, hochbegabt, intelligent und im Besitz eines Vollstipendiums für den Studiengang Technomathemaik an der Victor-Fanz-Hess Universität. Durch seine geringe Sozialkompetenz und dem eher launigen Verhalten fällt er jedoch nicht immer nur positiv auf. Er wird dem Leser aber immer sympathischer, da er im späteren Verlauf auch ein wenig normaler und sozialer wird.

Im Laufe des Buches lernt Jona noch Marlene und Pascal kennen. Pascal ist der Nachbar seiner Gastfamilie und ein witziger und guter Kumpel für Jona. Marlene wiederum ist eine nette, zuerst unscheinbare Person, die wirklich sympathisch wirkt und super zu Jona passt.
Die verschiedenen anderen Personen z.B die Gastfamilie oder der Rektor der Universität sind auch völlig authentisch gezeichnet. Alle ein wenig mysteriös, wobei erst am Schluss gelüftet wird, wieso.

Meine Meinung:

Wer mich kennt oder meine Rezensionen liest, weiß, dass ich ein großer Fan von Ursula Poznanski bin. Nicht nur weil ,,Saeculum" mich damals zum Lesen und zur Buchsucht gebracht hat, sondern auch, weil ihre Jugendbücher einfach großartig geschrieben sind! (Ihre normalen Thriller auch, wobei ich ihre Jugendbücher noch ein bisschen besser finde.)

,,Siebzehn und hochbegabt, dass es kaum noch auszuhalten ist. Vollstipendium, persönliche Einladung des Rektors und des Beirats der Schule, die wahrscheinlich hofft, sich einen zukünftigen Nobelpreisträger unter die Absolventen zu holen." S. 19

Der Schreibstil ist wie gewohnt flüssig und sehr gut zu lesen. Fantastisch finde ich bei der Autorin immer, dass sie es schafft, sofort ab Seite 1 ein kontinuierliches, lebhaftes Kopfkino zu erzeugen. Der Leser ist direkt drin im Geschehen und fühlt sofort mit den Personen mit - oder fühlt auch erst mal Abneigung gegen ihn, da Jonas soziale Inkompetenz gleich auf den ersten Seiten gezeigt wird. Nun ja, wie dem auch sei, Spannung ist auf jeden Fall früh vorhanden.

,,Elanus sieht messerscharf, ist schnell und wendig, und bleibt an seinem Opfer dran bis zum Schluss ..." S.90

Das Thema rund um Drohnen ist sehr aktuell, auch der Aspekt mit der Spionage. Das verbunden finde ich gelungen. Jonas Drohne hat einige Besonderheiten, so infiziert er seine ,,Spionage-Opfer" mit einer SMS durch eine Spyware, sodass die Drohne autonom den jeweiligen Menschen verfolgt und auch autonom, ohne zu lenken, wieder zu seinem Besitzer zurückkommt. Das finde ich schon sehr erstaunlich. Frau Poznanski geht auf die technische Umsetzung nicht sehr drauf ein, vielmehr wird es auf die Hochbegabung des Protagonisten geschoben, sich damit exzellent auszukennen.

,,Du denkst, keiner weiß, was du tust.
Aber da irrst du dich.
Es kann dich kein Vorhang schützen, und sei er noch so rot. Ich kenne dein Geheimnis.
Vielleicht hast du ja Glück und ich bewahre es." S.91


Eigentlich verstrickt sich Jona ganz ,,dumm" in diese Geschichte. So will er mit einer kleinen Rache jemanden bestrafen, doch diese läuft völlig aus dem Ruder. Fortan fürchtet Jona sogar um sein Leben, bis er erkennt, das noch viel, viel mehr dahintersteckt ...

,,Es war ein wunderschöner Flug, es waren herrliche Bilder von Wald und Herbstlaub und Sonnenschein auf Wiesen, die noch ein paar Tage lang grün sein würden. Jona genoss jede Minute.
Er fing Elanus aus der Luft, hielt ihn auf der flachen Hand, bis die Rotoren zum Stillstand kamen. Strich mit der Hand über die glatte, leicht gewölbte Oberfläche." S. 413


Fazit:
Ursula Poznanski ist für ihre exzellenten Jugendbücher bekannt. Thema, Story und Charaktere stimmen auch hier wieder - letztendlich ein wahnsinnig spannendes Jugendbuch, das mir noch besser gefiel als das zuletzt erschienene ,,Layers".
Ich bin mir auch bewusst, dass ich das Buch gerade furchtbar in den Himmel lobe - aber das hat es auch verdient. Traurig beurteile ich nur die Tatsache, dass sich die Jugendbuchleser wohl wieder ein Jahr auf ihr nächstes Buch gedulden müssen.
Aber immerhin toll, dass im September ein weiterer Thriller von Poznanski und Strobel erscheint!


☆☆☆☆☆

Donnerstag, 11. August 2016

Rezension zu ,,Bösartig" von Greg F. Gifune


,,Bösartig" ist mit 228 Seiten am 23. Februar 2016 im Voodoo Press Verlag erschienen.

Inhalt:

Cameron Horne hat alles: eine intelligente, schöne Frau, die ihn liebt, ein großartiges Zuhause sowie eine erfolgreiche und einflussreiche Karriere. Sein Leben ist der wahrgewordene amerikanische Traum. Bis die Dinge anfangen, sich zu verändern. Ohne Vorwarnung stellt er ein seltsames Verhalten zur Schau, das er anscheinend nicht kontrollieren kann, erleidet Blackouts und Erinnerungsverluste, hat entsetzliche Albträume und entdeckt Blut an seinen Händen, das sein eigenes sein könnte … oder auch nicht. Als ein mysteriöser junger Mann, der die Zukunft zu kennen scheint, damit beginnt, in Camerons Garten aufzutauchen, verschlimmert sich die Lage weiter. Und als ihn dann auch noch Stimmen und Visionen heimsuchen und schattenhafte Figuren jede seiner Bewegungen beobachten, erwacht etwas tief in ihm und manifestiert sich in Handlungen extremer Wut und Gewalt. Verliert er seinen Verstand oder ist etwas Bösartiges hinter ihm her, das von ihm Besitz ergreift und ihn, der einst sanftmütig war, in jemand anderen ... etwas anderes verwandelt? Die Wahrheit wird Cameron Horne einholen, und es wird eine Hölle geben, die ihn dafür bezahlen lässt. (Klappentext)

Cover:

Ein gruselig aussehender Mann, sein Gesicht zu einem Schrei verzogen... Es gibt sicher viele Menschen, die dieses Cover gerne mögen - ich gehöre aber nicht dazu.
Ich finde, bei Horrorbüchern muss der Inhalt Horror sein, das Cover aber nicht, es ist mir zu viel des guten, zu ,,bösartig". Gleichzeitig aber auch passend zum Inhalt, auch wenn ich ein schlichteres Cover möglicherweise mit irgendwelchen Andeutungen besser gefunden hätte.

Charaktere:

Kommen wir bei dieser Rubrik direkt zur schwierigsten. Wie beschreibe ich den Hauptcharakter am besten, wenn er doch selbst nicht weiß was - oder wer - er ist?
Nunja, Cameron Horne ist also unsere Hauptperson. Er führt ein bislang tolles Leben mit einer tollen Frau, einem schönen Haus und einem Beruf, der ein gutes Einkommen mit sich bringt. Fast schon ein wenig zu perfekt, und so bemerkt er eines Tages, dass er sich verändert bzw. er ein anderer wird. Schlimme Visionen, Geräusche, die es nicht gibt und Erlebtes, was völlig unreal erscheint, begleiten ihn. Da das Buch in der ,,Ich-Perspektive" erzählt wird, fühlt der Leser mit Cameron stark mit und kann seine Verzweiflung verstehen.

Die vielen anderen Charaktere überzeugen ebenso.

Meine Meinung:

Dies war mein erstes Buch, was ich von Gifune lesen durfte. Das Büchlein mit einem Seitenumfang von nur 225 Seiten erweckt am Anfang nicht den Anschein, dass es sich um ein dichtes Werk handeln könnte, eher um eine Kurzgeschichte. Doch man irrt sich und die geringe Seitenanzahl halte ich bei diesem Werk letztendlich für passend.

,,Ein Mann - oder etwas, das aussieht wie ein Mann - bewegt sich schnell durch den Flur, seine Gliedmaßen klicken und klappern, während er auf allen vieren mit kahlem, bleichem und teigigem Kopf, der auf unmögliche Art nach hinten verdreht ist, auf mich zugekrabbelt kommt; hervortretende dämonische Augen blicken mich an." S.52

Gifunes Schreibstil ist definitiv sehr gut, er erzeugt durch seine bestimmte Wortwahl eine sehr melancholische Grundstimmung, stellenweise auch große Spannung. Dabei liest sich das Buch leicht, die Dialoge passen und auch die Beschreibungen halte ich für sehr gut - kurz und knapp, dabei aber zugleich detailliert.

,,Die Realität ist das, wovon wir denken, dass es echt ist, das woran wir glauben, und das, wovon uns gesagt wird, dass es real ist.
 Ja, denke ich. Bis es das eben nicht ist." S.105


Das Buch ist bösartig, nicht nur Cover, sondern auch der Inhalt. Die extreme Wut und Gewalt, wie es auf dem Cover steht, ist natürlich vorhanden, aber nicht in störender Weise. Für jeden Thriller- oder Horrorleser lesbar, anderen würde ich es jedoch nicht empfehlen. Teilweise sind die Visionen schon echt krass.

,,Dann dreht sie sich um und ist verschwunden, eine weitere verlorene Seele im Wind und im Regen, ein weiteres Schaf mit gesenktem Kopf und geschlossenen Augen, das still zur Schlachtbank trottet." S. 146

Es ist schon eine beängstigende Vorstellung, dass man irgendwann merkt, dass nichts mehr so ist wie es eigentlich war. Dass das eigene Leben möglicherweise bis zu einem gewissen Punkt nicht existiert hat, dass man sich verändert, schreckliche Visionen und Halluzinationen erfährt. Stellenweise ist das Buch auch mal sehr verwirrend, der Leser lebt eben das mit, was die Hauptperson auch erlebt und nunja - das ist eben stellenweise verwirrend, da man nicht weiß, was Traum, Realität oder einfach nur Unreal ist.

,,Jeder Vogel verlässt das Nest, doch am Ende findet er wieder nach Hause, Zeke. Wir sind gekommen, um dich zurückzuholen ... dahin zurück, wo du hingehörst, wo du geboren wurdest und wo dein wirkliches Leben wartet ... deine richtige Familie." S. 218

Stellenweise habe ich mich wirklich gefragt, wie Gifune das nur auflösen möchte. Als das Ende dann eintrat, war ich erst einmal verwirrt. Hä, mein erster Gedanke. An sich aber ein gutes, relativ schlüssiges, zugleich aber auch verwirrendes Ende mit gewissem Interpretationsraum, was ich aber auch ganz gerne mag. Nur hoffe ich, dass ich es auch richtig verstanden habe, aber da freue ich mich auf Diskussionen mit anderen Lesern, die dieses Buch auch gelesen haben oder noch lesen werden.

Fazit:

Gifune überzeugt durch eine melancholische Grundstimmung, einem puren Horrorszenario und bösartigen Handlungen. Ein paar verwirrende Stellen gibt es, alles in allem aber ein passendes Lesevergnügen, das sich kein Horrorfan entgehen lassen sollte. Auch wenn ich das Cover für grässlich halte - der Inhalt muss ja überzeugen, und das hat er, definitiv.
Das war definitiv nicht mein letztes Buch von Greg F. Gifune!

☆☆☆☆

Samstag, 6. August 2016

Rezension zu ,,Das Seelenleben der Tiere" von Peter Wohlleben

,,Das Seelenleben der Tiere" ist mit 224 Seiten am 13. Juni 2016 im Ludwig Verlag erschienen.



Inhalt:

Fürsorgliche Eichhörnchen, treu liebende Kolkraben, mitfühlende Waldmäuse und trauernde Hirschkühe – sind das nicht Gefühle, die allein dem Menschen vorbehalten sind? Der passionierte Förster und Bestsellerautor Peter Wohlleben lehrt uns das Staunen über die ungeahnte Gefühlswelt der Tiere. Anhand neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse und anschaulicher Geschichten nimmt er uns mit in eine kaum ergründete Welt: die komplexen Verhaltensweisen der Tiere im Wald und auf dem Hof, ihr emotionales und bewusstes Leben. Und wir begreifen: Tiere sind uns näher, als wir je gedacht hätten. Faszinierend, erhellend, bisweilen unglaublich!  (Klappentext)

Cover:

Das Cover finde ich sehr schön. Ein neugierig guckendes Reh umgeben von schöner Natur. Zugleich passend zum Thema.

Meine Meinung:

Nachdem mich ,,Das geheime Leben der Bäume" schon so wahnsinnig überzeugt hatte und ich es letztendlich damals auch mit der vollen Punktzahl bewertete, stand für mich schon fest, dass ich auch in das Seelenleben der Tiere abtauchen möchte. Erwartet habe ich viele interessante und neue Fakten, die mich wieder zum Staunen bringen. Bekommen habe ich dies oft, aber manche Punkte kannte ich bereits.

Vorweg möchte ich einmal wieder den tollen Schreibstil des Autors bewerten. Wieder erzählt er wahnsinnig motiviert und mit so einer großen Liebe zur Natur davon, sodass sich das Buch sehr flüssig lesen lässt. Nichts ist nämlich schlimmer als ein Sachbuch, dass sich trocken und öde lesen lässt.

,,Die Erde wird durch uns Menschen täglich weiter umgestaltet und entfernt sich dabei immer mehr von der ursprünglichen Natur. Unglaubliche 75 Prozent der festen Erdoberfläche haben wir bereits gerodet, zugebaut oder umgegraben. Die Sinne der Tiere sind jedoch nicht auf Beton und Asphalt, sondern auf Wälder, Moore oder intakte Wasserlandschaften ausgerichtet." S. 206

Natürlich, manche Fakten kennt man bereits. Dass Tiere beispielsweise Schmerz oder Liebe im Sinne vom Fortpflanzungstrieb fühlen, weiß man vielleicht. Peter Wohlleben enthüllt aber durch Studienergebnissen und eigens beobachteten Geschehen noch so einiges, das man sicher nicht wusste. Besonders, wenn er ein solches Ergebnis durch seine eigenen Erfahrungen mit seinen Tieren bzw. Anekdoten erklärt, finde ich das immer besonders interessant.

In diesem Buch lernt man also nicht nur etwas über Hähne, die ihre Hennen Belügen, Hirschkühe, die trauern oder Pferde, die sich schämen. Man lernt als Leser auch Peter Wohllebens Liebe zur Natur kennen und seinen Appell, der Natur mehr Respekt entgegenzubringen - zumindest ein wenig.

☆☆☆☆