Freitag, 22. April 2016

Rezension zu ,,Germany" von Don Winslow

Der neue Roman des Bestsellerautors Don Winslow heißt Germany und ist mit 400 Seiten am 01. März 2016 im Droemer Knaur Verlag erschienen. Es ist der zweite Band der Serie rund um den Ermittler Frank Decker.


Inhalt:

Wer ist Frank Decker? Der Ex-Cop und Ermittler ist Detektiv alter Schule, Einzelgänger, unnachgiebig, unbestechlich und mitfühlend. Und immer noch in seine Frau verliebt. Seine Jobbeschreibung: Frank Deckers Job ist es, Verschwundene aufzuspüren und zurückzuholen. Sein Auftrag: Ein komplexer Fall um eine verschwundene, wunderschöne Frau. Kein leichter Fall. Noch weniger einfach wird es für ihn, dass ihn die Spur von dem sonnenverwöhnten Florida nach cold and rainy Deutschland führt. Die Schauplätze: Dieser Fall führt Frank Decker nach Berlin, München und Köln, dann in die Clubs von Hamburg und schließlich in ein kleines Nest im Osten Deutschlands. 

Cover:

Es zeigt eine Landebahn mit dem Schriftzug Germany drauf. Finde ich eigentlich recht gelungen, der rote Schriftzug passt auch dazu.

Charaktere:

Hauptperson ist Frank Decker, ein Ex-Marine und Polizist, heute ein Privatermittler. Wir haben hier einen relativ typischen hardboiled Detective, der sich gerne mal über die Regeln hebt und den Widerstand gegen die Polizei nicht scheut. Frank ist ein wahrer Sympathieträger. Sympathisch und intelligent, aber auch mit einem großen Herz versucht er Kim aufzuspüren.

Sympathisch fand ich auch die kubanische FBI-Agentin Delgado, die Decker bei den Ermittlungen hilft. Die beiden passen super zusammen und nähern sich bis zum Ende noch an.

Die anderen Charaktere finde ich auch sehr gelungen. Ganz besonders Kim und Charlie, die vielleicht am Anfang ganz durchsichtig erscheinen, jedoch letztendlich  viel zu verbergen haben. Besonders eine Person überrascht am Ende.

Meine Meinung:

Germany ist mein erster Thriller von Don Winslow. Viel hatte ich gehört, Bücher wie ,,Tage der Toten" oder das Kartell sollen wunderbar sein und musste somit irgendwann mal ein Buch von Winslow zumindest testen! Dass mich das Buch so begeistert hätte ich nicht gedacht ...

Don Winslow hat einen total lockeren, leichten Schreibstil, der den Leser in seinen Bann zieht und nicht mehr loslässt. Dabei braucht ernicht viele Seiten um die Atmosphäre zu beschreiben sondern bringt es gleich auf den Punkt.
Gelungen finde ich auch, dass es so viele Kapitel mit unterschiedlicher Länge gibt. Und ganz klasse, dass - meist- der letzte Satz noch mal schockt bzw. beeindruckt, dass man gar nicht aufhören möchte! Ein wahrlicher Pageturner also.

,,Ich rannte weiter, ein Stück die Straße entlang, dann im Schutz einiger Bäume und auf verschlungenen kleinen Straßen weiter in nördlicher Richtung in einem großen Bogen, bis ich schließlich den Bahnhof erreichte.
Ich stieg in Willis Mercedes.
Und spürte, wie sich mir der Lauf einer Pistole in den Hinterkopf bohrte." S.307


Die Story an sich hat mir auch gefallen. Ich mag Detektive wie Decker, die intelligent agieren und sich auch mal gegen die Polizei wenden. Decker gibt alles um die Frau seines Kumpels zu finden, denn Charlie hat ihm damals im Krieg das Leben gerettet.
Ein bisschen schockt es mich dennoch, wie Kim und Charlie wirklich sind, aber da möchte ich natürlich nicht spoilern.
Natürlich ist manches vielleicht ein wenig übertrieben. Mit einer Gehirnerschütterung und mehreren Verletzungen ermittelt es sich eigentlich nicht so leicht, wie hier aufgeführt. Vielleicht ein wenig realitätsfern, aber das wäre auch schon der einzige Kritikpunkt.

Das Buch beginnt noch in den USA, in Miami und Florida zum Beispiel und führt zum Schluss bis nach Deutschland. In Städten wie München, Berlin, Hamburg und Erfurt ermittelt Decker im Rotlichtviertel nach Kim. Der große Showdown findet auch hierzulande statt.
Besonders das Ende kann man noch mal gut und gerne hervorheben, denn es offenbart eine unglaubliche Wendung, ein genialer Plot Twist, mit dem ich niemals gerechnet hätte!

Fazit:
Hat mir super gefallen.
Gut geschrieben, spannender Plot, gigantischer Plot Twist.
Konnte mich begeistern. In nicht ferner Zeit werde ich mich seinen anderen Büchern widmen!

☆☆☆☆☆

Dienstag, 19. April 2016

Rezension zu ,,Never Say Anything" von Michael Lüders

Never Say Anything ist ein Thriller des Journalisten Michael Lüders, der selbst schon mehrere Bücher über Konflikt im Orient bzw. über die westliche Politik geschrieben. Das Buch ist mit 368 Seiten am 17. März 2016 im C.H. Beck Verlag erschienen.


Inhalt:

Die Journalistin Sophie Schelling hatte sich auf eine ganz normale Dienstreise eingestellt. Doch manchmal ist man zur falschen Zeit am falschen Ort: Sophie sieht etwas, das sie nie hätte sehen dürfen. In seinem packenden Polit-Thriller führt Michael Lüders auf die dunkle Seite des amerikanischen Drohnenkriegs und stellt seine Heldin vor eine Gewissensfrage: Wie weit bist du bereit zu gehen, um die Wahrheit herauszufinden? Würdest du dafür deine Zukunft aufs Spiel setzen? Oder vergisst du lieber, was du erlebt und erfahren hast? Immer tiefer verstrickt sich Sophie in das Netz eines übermächtigen Gegners, bis aus ihrer Suche ein blutiger Kampf ums Überleben wird. Dieser Thriller ist eine höchst aktuelle Auseinandersetzung mit den Geheimdiensten und einer entfesselten Moral. Erzählt aus der Sicht einer mutigen Frau, die ihren Beruf als Journalistin ernster nimmt als ihr guttut. Der Inhalt ist fiktiv, doch Ähnlichkeiten mit der Wirklichkeit waren unvermeidbar! (Klappentext)

Cover:

Das Cover finde ich gelungen. Die Verbindung mit dem Titel ,,Never Say Anything" und der Abkürzung NSA passt gut.

Charaktere:

Hauptperson ist Sophie Schelling, eine Journalistin, die auf ihrer Dienstreise ein Angriff auf ein Dorf miterlebt. Dabei macht sie zwiespältige Entdeckungen, die sie unbedingt veröffentlichen möchte.
Sophie ist eine sympathische, intelligente Person, die in etwas viel zu Großes rein gerät. Der Konflikt Sophie gegen eine ganze Behörde bzw. ein ganzes Land gestaltet sich schwierig, denn sie wird nicht nur verfolgt, sondern auch manipuliert.

Die verschiedenen anderen Charaktere sind auch realistisch und passen somit ins Bild dieses Thrillers.

Meine Meinung:

Never Say Anything ist das erste Buch, das ich von Michael Lüders kennenlernen durfte. Die anderen Bücher, vor allem seine Sachbücher zum Thema Orient (z.B ,,Wer den Wind säht") klingen sehr interessant, sodass ich es einfach mal mit diesem Buch probieren musste.

,,Zunächst dachten wir, die Amerikaner wären die Freunde der Afghanen, aber jetzt halten wir sie für Terroristen. Die Amerikaner sind unsere Feinde. Sie haben unsere Familie zerstört, uns ihre Spezialkräfte auf den Hals gehetzt, die entsetzliche Verbrechen begangen haben. Wir akzeptieren ihre Entschuldigungen nicht.
Uns liegt nichts mehr am Leben. Einige von uns werden Selbstmordanschläge verüben, und das ganze Land wird auf ihrer Seite sein." S.106


Lüders Schreibstil gefiel mir ganz gut. Mit einfachen Sätzen erklärt er das Geschehen. Detailliert genug, um es sich vorzustellen. Leider kam an manchen Stellen kaum Spannung auf, was ich leider ein wenig schade fand, das Potential dieser Enthüllungsgeschichte wird nicht völlig ausgeschöpft.

,,Sie setzten sich in Ihren Wagen, der vollgestopft ist mit Elektronik. Sie schnallen sich an und fahren los. Auf einmal merken Sie, wie das Auto schneller und schneller wird, und Sie können nichts dagegen tun." S.153

Die ganze Geschichte erinnert ein wenig an den Fall Edward Snowden. Sie findet etwas heraus, was sie nicht herausfinden sollte und versucht fortan, das Gesehene an die Öffentlichkeit zu bringen, worauf hin sie von Geheimdiensten verfolgt wird.
Diese Szenerie ist wirklich nichts neues und oftmals sollte man Altes nicht immer wieder aufgreifen, dennoch hat mich dieses Buch sehr oft zum Nachdenken angeregt.

,,Sophie, ich ... ich kann dir das nicht sagen. Ich an deiner Stelle würde wahrscheinlich die Notbremse ziehen. Aussteigen aus der Geschichte. Was nützt dir die Wahrheit, wenn sie dich am Ende umbringt. Du kannst gegen diese Leute nicht gewinnen. Sende ihnen ein Zeichen, dass du verstanden hast, und sie werden dich in Ruhe lassen." S. 251

Viele Geschehnisse werden auch nicht eindeutig aufgeklärt. Dubiose Geldzahlungen auf ihr Konto, die Szene mit dem Auto. Der Leser bleibt am Ende mit mehreren Fragen zur Geschichte sitzen.
Das Ende hat mir dann leider auch nicht ganz so gut gefallen. Der erhoffte Überraschungsmoment kam nicht auf.

Fazit:
Alles in allem ein solider Thriller über ein Thema, das zum Nachdenken anregt. Ich könnte mir vorstellen, dass Lüders Sachbücher noch viel besser sind.
Bis dahin gebe ich gut gemeinte 3 Sterne und freue mich auf seine  Sachbücher.


☆☆☆