Samstag, 17. Dezember 2016

Rezension zu ,,Das Ufer" von Richard Laymon

,,Das Ufer" ist am 12. September 2016 mit 576 Seiten im Heyne Hardcore Verlag erschienen.

Inhalt:

Der dunkle See … Das einsame Haus am Ufer … Zwei junge Menschen, die dort eine Liebesnacht verbringen wollen … Doch einer von ihnen wird den nächsten Morgen nicht mehr erleben … 18 Jahre später wird die Kleinstadt Tiburon von einem Serienkiller heimgesucht. Angst und Wahnsinn greifen um sich, und das Haus am Ufer wird wieder zum Ort unvorstellbaren Grauens!  (Klappentext)

Cover:

Das Cover finde ich, wie eigentlich alle Laymon-Cover, passend und gut. Ich mag es, wenn Bücher eines Autors eine gleiche Aufmachung besitzen.

Meine Meinung:

Ich gebe zu, ich bin ein Fan von Laymon. Er schreibt schaurigen, verrückten Horror, der mir gefällt. Ein Buch von Laymon zu lesen geht immer, nicht groß anspruchsvoll, dafür unterhaltend. Wunderbar passend, wenn man z.B gerade anspruchsvolle Lektüre oder ein trockenes Sachbuch gelesen hat.
Ich persönlich freue mich, dass posthum noch viele Bücher in Deutschland erscheinen, so war es auch bei ,,Das Ufer".

Die Grundstory finde ich interessant, die Charaktere ebenso. Eine Mutter und eine Tochter, die beide ihren Freund schrecklicherweise verloren haben. Ein Mörder, der es auf eine ganz bestimmte Person abgesehen hat und ganz vernarrt ist, sie zu töten. Und letztlich noch Charaktere, die Laymon-typisch verstörend, gruselig, verrückt und komisch sind.

In der Mitte des Buches habe ich mich kurz gewundert, wieso das Buch nicht schon zu Ende ist. Es plätscherte leider ein wenig weiter und es kam auf, dass eine Person noch eine gewisse, nähere Verbindung zu Mutter und Tochter hat. Das hat das ganze dann wieder spannender gemacht. Richtiger Horror blieb leider lange aus.
Für mich gab es an manchen Stellen auch einfach viel zu viele Zufälle. Klar, dass Horrorbücher - in den meisten Fällen - realitätsfern sind, aber wenn zu viele Zufälle existieren, ist es ein wenig komisch.

In manchen Stellen finde ich die Geschichten/Bücher von Laymon nicht gruselig, sondern schon fast witzig. Ich meine, es ist so typisch für diesen Autor, eine Person mit einem Hackebeil einer anderen hinterherjagen zu lassen, dass es mich einfach nur noch amüsiert. Der Unterhaltungseffekt ist bei seinen Büchern, wie ich finde, immer groß.

"Er war groß und klapperdürr, und seine Arme wirkten unnatürlich lang. Er hetzte ihr hinterher und schwang dabei sein Fleischerbeil. Er war ganz in Weiß gekleidet und trug dabei eine Kochmütze auf dem Kopf, die bei jedem Schritt hin und her wackelte." S.53

Fazit:
Alles in allem ein unterhaltendes Buch, welches mir von der Seitenanzahl für diese Geschichte zu lang war. Auch die vielen Liebesgeschichten störten mich.
Ein Buch voller abstrusen Geschehnissen und Perversionen, dabei noch ein bisschen Horror. Für mich zu wenig Horror.

☆ ☆

Sonntag, 27. November 2016

Rezension zu ,,Anonym" von Ursula Poznanski und Arno Strobel

,,Anonym" wurde von dem Autorenduo Poznanski und Strobel geschrieben und ist mit 384 Seiten am 21.09 2016 im Rowohlt Wunderlich Verlag erschienen.

Inhalt:

Du verabscheust deinen Nachbarn? Du hast eine offene Rechnung mit deiner Ex-Frau? Du wünschst deinem Chef den Tod? Dann setze ihn auf unsere Liste und warte, ob die anderen User für ihn voten. Aber überlege es dir gut, denn manchmal werden Wünsche wahr...

Es ist der erste gemeinsame Fall von Kommissar Daniel Buchholz und seiner Kollegin Nina Salomon, und er führt sie auf die Spur des geheimnisvollen Internetforums "Morituri". Dort können die Mitglieder Kandidaten aufstellen und dann für sie abstimmen. Dem Gewinner winkt der Tod. Aber das Internet ist unendlich, die Nutzer schwer zu fassen. Nur der Tod ist ausgesprochen real, und er ist näher, als Buchholz und Salomon glauben... (Klappentext)

Cover:

Das Cover finde ich sehr gelungen. Es besitzt eine interessante Haptik und zeigt Hamburgs Hafen. Die silberne Farbwahl finde ich sehr interessant. Auch besitzt das Buch ohne das Cover einen schönen rötlichen Ton. Ich persönlich finde es ja immer super, wenn ein Buch auch ohne Cover schön aussieht, da ich es zum Lesen immer abmache.

Charaktere:

Hauptpersonen sind die beiden Polizisten Nina Salomon und Daniel Buchholz. Nina wurde aus Bremen versetzt und führt ihre Karriere in Hamburg weiter fort, dabei steht ihr Daniel als Partner bereit.

Beide verstehen sich von Anfang an erstmal nicht. Die penible, sauberkeitsliebende Art von Daniel findet Nina seltsam und Daniel macht Nina's unüberlegte Art und ihre Alleingänge zu schaffen. Beides sind keine einfachen Menschen und vielfach fand ich sie im Buch ein wenig nervig.
Aber, und das ist vielleicht ein klitzekleiner Hoffnungsschimmer, verstehen sie sich zum Schluss ein wenig besser. Ich bin gespannt, ob dies eine Reihe wird oder ein abgeschlossener Band bleibt.
Ich finde, sie ergänzen sich trotz großer Differenzen gut.

Meine Meinung:

Ursula Poznanski und Arno Strobel - eine großartige Kombination, wie ich schon in dem Buch ,,fremd" erfahren durfte. Ich finde dieses Konzept sehr interessant, sodass ich natürlich auch ,,anonym" lesen musste.

Wir landen also in der schönen Stadt Hamburg, die neuerdings von kranken Morden erschüttert wird. Ein Mörder, durch das Darknet getarnt, führt eine Todesliste im Internet, bei der jeder Mensch abstimmen darf, wer als nächstes stirbt. Ganz einfach, von Zuhause aus. Auf der Liste stehen Leute wie ,,Der Mann, der seinen Hund in den Nachbargarten machen lässt" oder ,,Der Busfahrer, der heranlaufenden Fahrgästen jedes Mal im letzten Moment die Tür vor der Nase schließt."
Eine interessante Idee, das Darknet in einen Thriller zu verpacken. Ich hätte so eine Umsetzung nicht erwartet. Ich finde das Thema Darknet bleibt auch, mehr oder weniger, eher im Hintergrund. Nur die Seite existiert ebenda.
Das Darknet, oder auch Deepweb genannt, hat ja schon einen gewissen Kultstatus unter Cyberkriminellen, wobei es in manchen Ländern der einzige Schlüssel ist, überhaupt das Internet nutzen zu können.

,,Wenn das Mädchen gewinnt, wird das Mädchen sterben. Ob er es schon in seiner Gewalt hat? Oder eben dabei ist, es zu entführen? Die meisten Elfjährigen sind jetzt in der Schule, sind sie dort sicher? Und später, auf dem Weg nach Hause ... " S.166

Bei der Charakterbesprechung habe ich Nina und Daniel schon vorgestellt. Für mich ein Kritikpunkt. Mich haben die Alleingänge, die emotionalen, ausufernden Aktionen von Nina ein wenig gestört. Natürlich hatte sie auch öfters den richtigen Riecher. Das ist mir ein wenig zu fiktiv.

Als passionierter Thrillerleser verdächtigt man ja meist alles und jeden. Nicht selten ist der Täter gerade der, von dem man es am wenigsten vermutet. Ich hatte eine Vermutung, aber ohne Erklärung, die sich später bestätigte. Die Auflösung fand ich dennoch sehr interessant, die wiederum gar nicht so war, wie ich dachte. Ich hatte auch eher gedacht, dass der Täter ein Mittäter ist und nicht der Strippenzieher. So blieb die Spannung für mich bis zum Ende hin vorhanden.

,,An jeder dunklen Ecke, an der Sie vorbeikommen, werden Sie damit rechnen müssen, dass jemand herausspringt. Sie werden nirgendwo mehr sicher sein. Und wenn Sie das Gefühl haben, nun sei es endlich vorbei, wird jemand da sein, der Ihnen das Gegenteil beweist." S. 226

Fazit:
Ein gelungener Thriller, mit einer interessanten Thematik, die ein wenig mehr hätte thematisiert werden können. Gespickt wird das Buch mit zwei Ermittlern, die anders sind. Anders gefällt mir meistens sehr gut, hierbei habe ich besonders die Ermittlerin Nina aber ein wenig nervig wahrgenommen.
Nichtsdestotrotz spannend - ich freue mich auf das nächste Buch von Poznanski und Strobel.

☆ ☆ ☆ ☆

Sonntag, 23. Oktober 2016

Rezension zu ,,Prey - Deine Tage sind gezählt" von James Carol

,,Prey" ist das dritte Buch der Reihe um den Privatermittler Jefferson Winter. Es ist mit 368 Seiten am 22.07 2016 im dtv Verlag erschienen.

Inhalt:

Wenn du mir folgst, werde ich dich töten»Wir lügen alle. Und am meisten belügen wir uns selbst.« Jefferson Winter, der Profiler mit dem unheimlichen Gespür dafür, wie Serienkiller ticken, hat gerade einen Job in New York zu Ende gebracht. Vor der Abreise nach Paris zu seinem nächsten Fall geht er in einem Diner etwas essen. Es ist zwei Uhr nachts, der einzige andere Gast ist eine platinblonde Frau mit Lederjacke. Als Winters Essen serviert wird, steht sie auf - und ersticht vor seinen Augen den Koch. Dann geht sie seelenruhig davon ... Eine Provokation, die Winter nicht ignorieren kann: Paris muss warten. Das Spiel ist eröffnet.

Cover:

An dem Cover habe ich nichts auszusetzen. Wie auch bei den ersten beiden Büchern ist auf dem Cover die Mordwaffe abgebildet. Schön passend zu den ersten beiden Bänden.

Charaktere:

Hauptperson ist natürlich wieder Jefferson Winter, ein geborener Psychopath, der seine Instinkte nutzt um Schwerverbrecher aufzutreiben. Er ist Sohn eines Serienmörders.
Seine intelligente Art fesselt den Leser, ist dennoch aber manchmal ein wenig zu vorausschauend.
Winter arbeitet in diesem Fall mit der FBI-Agentin Mendoza zusammen, die er schon aus einem früheren Fall kennt.

Die Mörderin hat mehr mit Winter gemeinsam, als am Anfang vermutet wird. Sie ist auch eine Psychopathin, hatte eine schlimme Kindheit und lebt nun ihre mörderischen Phantasien aus.

Meine Meinung:

Sehr gefreut habe ich mich, als dieser Band erschienen ist. Die ersten beiden Bände haben mir schon so gut gefallen, dass ich große Erwartungen auch an den dritten Band hatte.

James Carol hat einen gut zu lesenden Schreibstil, der den Leser fesselt. Der Plot des Buches ist auch interessant, wenn auch nicht unbedingt innovativ. Bücher, in denen Mörder einen Bezug zum Ermittler haben, existieren schon. Die Umsetzung ist aber auch ganz gut gelungen.

Auch auf Jefferson Winter habe ich mich wieder gefreut. Diese intuitive, intelligente Art, mit der er die Fälle löst, gefällt mir. Trotzdem ist seit Band eins ein kleiner Abwärtstrend zu beobachten. Während Band eins mich begeisterte und Band zwei mich auch sehr gut unterhielt, muss ich sagen, dass dieser Band zwar auch wieder sehr gut gelungen ist, aber an manchen Stellen langatmig war.

Fazit:
Wieder ein spannender Thriller von James Carol, der zwar nicht so gut ist wie die ersten beiden Bände, aber dennoch gut unterhält. Ich hoffe, dass der nächste Band mich wieder mehr überzeugt und vielleicht etwas ,,Neues" drankommt.
Ein Fan dieser Reihe bin ich trotzdem allemal.

☆☆☆

Mittwoch, 28. September 2016

Rezension zu ,,Nach der Bombe" von Philip K. Dick

,,Nach der Bombe" ist am 27 April 2016 mit 272 Seiten im Fischer Klassiker Verlag erschienen.

Inhalt:

Die Welt nach dem Atomkrieg: Auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges entwirft Philip K. Dick in seinem 1965 entstandenen Roman das Bild einer zerstörten Gesellschaft, in der die Überlebenden darum kämpfen, Menschlichkeit und Normalität wiederzuerlangen. ›Nach der Bombe‹ bietet auch 50 Jahre nach seinem Erscheinen hellsichtige Antworten auf die immer wieder aktuelle Frage »Was wäre wenn …«. »Es sind Dicks innere Widersprüche, die seine Genialität ausmachen, und diese Neigung zu      Paradoxien durchzieht den gesamten Roman.« Aus dem Nachwort von Jonathan Lethem.

Cover:

Das Cover finde ich interessant, auch wenn es auf den ersten Blick eher weniger mit dem Inhalt zu tun hat. Passt gut zu den anderen Büchern von Philip K. Dick aus dem Fischer Klassiker Verlag.

Charaktere:

Interessante Charaktere durchziehen den gesamten Roman. Da gibt es einmal den schwarzen Fernsehverkäufer Stuart McConchie, der die Hauptperson sein soll. (Wie sich im Nachwort herausstellt: Interessanterweise kann der Autor sich besonders mit dieser Person identifizieren)

,,Ich bin Stuart McConchie, wenn Sie so wollen, und ich habe einmal in einem Laden in Berkeley Fernsehapparate verkauft. Genau wie Stuart habe ich am frühen Morgen vor dem Geschäft mit einem Besen den Bürgersteig gekehrt und dabei den hübeschen Mädchen nachgeschaut." Aus dem Nachwort von Philip K. Dick, Seite 264

Aber natürlich wäre es zu normal für den Autor nur typische Menschen zu erschaffen. Vielmehr gibt es einen Phokomelus, der Roboterarme besitzt und in einem Wagen rumfährt und zugleich auch telekinetische Fähigkeiten besitzt. Dadurch hat er ein hohes Ansehen, giert aber immer mehr nach Macht und wird zur Gefahr.

,,Nein, wirklich, er ist umgekippt, weil er ... ein Bier getrunken hat. Und dann hat er ins Jenseits geblickt. Er hat gesehen, wie ich eine tote Ratte esse. Roh. Hat er zumindest gesagt." S.41


Interessant ist auch der Physiker Bruno Bluthgeld, der durch eine Fehlberechnung seines Experiments einen verheerenden radioaktiven Niederschlag auslöste. Auch er versucht nach dem Atomkrieg weiterzuleben, mit psychischen Problemen und unter einer anderen Identität. Hier zeigt sich ganz interessant ein Paradoxon. Am Anfang löste er durch eine Fehlberechnung eine Katastrophe aus, später kann er durch Gedankenkraft Explosionen erschaffen.

Abstrus ist auch der im Weltraum festsitzende Walt Dangerfield, der um die zerstörte Erde kreist, dort seine Frau verlor und vermutlich auch dort sterben wird.
Und besonders orginiell finde ich Edie Keller, ein siebenjähriges Mädchen, das ihren Bruder in sich trägt. Das mag erstmal total bescheuert und seltsam klingen - das ist es auch. Aber ihr Bruder besitzt eine Fähigkeit, die später noch bedeutend wichtig ist.

,,Der arme Mann dort oben, dazu verdammt die Erde zu umkreisen - so lange, bis ihm, wie den Russen, Nahrung oder Sauerstoff ausging. Bis zum bitteren Ende." S.108

Meine Meinung:

Nachdem mich Philip K. Dick mit seinem Werk ,,Der dunkle Schirm" schlichtweg begeisterte, war ich sehr gespannt auf ,,Nach der Bombe".

,,Die Katzen waren eine Gefahr. Ebenso die Ratten und Hunde. Sie fraßen kleine Kinder - zumindest wurde das berichtet. Im Gegensatz wurden sie natürlich ihrerseits von den Menschen gefangen und verspeist. Vor allem mit Reis gefüllter Hund galt als echte Delikatesse." S.114

Der Start viel relativ leicht, man ist direkt im Geschehen drin, der Schreibstil ist wie gewohnt von dem Autor gut, jedoch konnte mich das Buch am Anfang nicht ganz fesseln. Das verflog aber zum Glück in der Mitte des Buches. Erst da erkannte ich was für ein Potenzial die Geschichte überhaupt enthält.

,,Womöglich wären wir besser dran, wenn wir damals bei der Katastrophe alle gestorben wären. Dann hätten wir die Missgeburten und Krüppel, die Bombenbimbos und intelligenten Tiere nie zu Gesicht gekriegt. Die Leute, die den Krieg angezettelt haben, waren einfach nicht gründlich genug ... Ich bin erschöpft. Ich möchte das alles hinter mir lassen und mich einfach irgendwo hinlegen, wo es dunkel ist und niemand redet. Für immer. " S.194

Ich finde es interessant wie der Autor sich die Welt nach der Bombe vorstellt. Menschen mit besonderen Fähigkeiten, Tiere, die hochintelligent und teils gefährlich sind leben in einer zerstörten Welt, in der Fähigkeiten anstelle von Geldscheinen zählen. Auch die Welt ist natürlich nicht mehr so industrialisiert, sondern wird wieder mehr landschaftlich. Teilweise halte ich seine ,,Visionen" für realistisch - andere sind wiederum so abstrus und paradox.
Eigentlich ist das ganze Szenario bitterböse und grotesk - und doch versucht er eine positive Zukunft für die Personen zu schaffen.

,,Oh, das Wetter wird einfach wunderbar. Ihr könnt unbesorgt raus aufs Meer fahren mit euren kleinen Schiffchen und verstrahlte Fische fangen. Kein Problem." S.105

Den unterschwelligen Humor finde ich auch gelungen, so verdeckt aber doch vorhanden. Ich finde diese Mischung von allem einfach gelungen, das macht das Buch lesenswert.
Ich finde, man muss den Autor einfach ausprobieren. Ein Autor zum lieben oder hassen. Auch wenn mich dieses Buch überzeugt hat, noch mehr umgehauen hat mich ,,Der dunkle Schirm". Bin auf jeden Fall gespannt auf seine anderen Bücher.

,,Ich mag mich also, als ich 1964 ,Nach der Bombe schrieb' in mancherlei Hinsicht geirrt haben, doch als ich den Roman kürzlich wiederlas, habe ich darin eine grundlegende Wahrheit gespürt - eine Wahrheit bezüglich der Menschen und ihrer Fähigkeit zum Überleben. Nicht zum Überleben als Bestien, sondern als wirkliche Menschen, die wirklich menschliche Dinge tun." Nachwort, S. 264

Fazit:
Das Buch ist seltsam. Voll von Paradoxien, Widersprüchen und Genialität. Zugleich ist es so tiefgreifend und interessant.
Ein Buch, dessen Tragweite einem erst bewusst wird, wenn man über das Geschriebene nachdenkt - gefällt mir.

☆ ☆ ☆ ☆

Sonntag, 11. September 2016

Rezension zu ,,Still" von Zoran Drvenkar

,,Still" ist als Taschenbuchausgabe mit 416 Seiten am 08.03 2016 im Heyne Verlag erschienen.

Inhalt:

Wenn es Winter wird und Schnee und Eis alle Spuren verwischen, erwacht in den einsamen Wäldern Brandenburgs das Böse. Über Nacht verschwinden auf mysteriöse Weise Jungen und Mädchen. Kein Kind wurde je wiedergesehen. Nur ein Mädchen taucht unerwartet und verstört wieder auf, ihre Lippen sind seitdem verschlossen. Erst als ein verzweifelter Vater auf eigene Faust zu ermitteln beginnt, bricht sie ihr Schweigen. Doch damit dreht sich die Spirale des Bösen nur noch schneller. (Klappentext)

Cover:

Das Cover verzichtet auf große Farben oder Motive und ist für einen Thriller passend schlicht. Die Winterlandschaft mit der Hütte im Hintergrund passt ebenso zum Inhalt des Buches.

Charaktere:

Das Buch dreht sich um einen verzweifelten Vater Mika Stellar, dessen Kind vor Jahren entführt wurde. Als Mika ein Muster von verschiedenen Entführungen erkennt, wird er trotz dessen von der Polizei abgewiesen, sodass er beginnt auf eigene Faust zu ermitteln. Die Hauptperson handelt intelligent, auch wenn sein Vorgehen am Anfang echt verwirrend und undurchsichtig ist.

,,Ich bin nicht der, der ich sein wollte. Ich wurde zu dem, der ich bin, weil der Wind sich gedreht hat, weil ein Stern verlöscht ist oder irgendwo in Afrika ein Blatt vom Baum fiel. Ich weiß, es wird nicht ewig so weitergehen. Ich arbeite dran." S. 22

Eine wichtige Person ist Lucia, die vor vielen Jahren entführt wurde und es schaffte, auszubrechen. Seitdem lebt sie in einem Heim für Kranke, denn ihre  Lippen sind verschlossen. Bis Mika es schafft, sie zum Reden zu bringen um so mehr über die Entführer zu erfahren.

,,Und wann immer Schnee fällt, stirbst du ein bisschen mehr.
  Du bist eine Tote, die atmet. Du bist eine Tote, die wartet." S.17


Die Jäger, die Antagonisten der Geschichte, und ihre Handlungen sind erschreckend zu lesen. Sie jagen stets bei Winter ... und nicht Kaninchen oder Wild... Kranke Persönlichkeiten, mit der gleichen widerlichen Vorliebe.

Meine Meinung:

,,Sechs Jahre später sitzt du auf einem Stuhl und dein Bruder und deine Eltern sind nicht mehr. Ihre Namen, ihre Worte, ihre Gedanken. Die Erinnerung an sie befindet sich an einem verschlossenen Zimmer, vom dem niemand weiß, dass es existiert. Deine Erinnerung ruht dort und auch du ruhst. Ohne Bewusstsein, ohne Gedanken. Du kannst dieses Zimmer nicht betreten, denn du bist in dir selbst gefangen. Dein Bewusstsein ist ein zerbombtes Dorf, aus dem alle Bewohner geflohen sind." S.17

Das Buch ist nicht wie jedes Buch - das sieht man schon an der vom Autor gewünschten altdeutschen Rechtschreibung, den Gedankenstrichen anstatt Gänsefüßchen und der Schreibweise des Autors. Das Buch wird aus drei verschiedenen Sichten oder eher Erzählperspektiven erzählt. Das Geschehen von Mika wird in der Ich-Perspektive, das Geschehen rund um Lucia in der Du-Perspektive und das Geschehen der Jäger in der Sie-Perspektive geschrieben. Das wirkt erfrischend und die kurzen Kapitel machen das Lesen noch angenehmer. Ich bin persönlich ja immer ein Fan kurzer Kapitel.

,,Treten sie einen Schritt zurück und lassen Sie die Polizei ihre Arbeit machen. Auch wenn wir nicht immer sofort ein Ergebnis erzielen, wissen wir, was wir tun. Sie können da in etwas hineingeraten, das Sie nicht mehr kontrollieren können. Überlassen Sie uns die Suche. Ich garantiere Ihnen, keiner von uns wird Ihre Tochter vergessen.

-Danke, sagte ich, Das ist beruhigend." S.145


Dies ist nicht mein erstes Buch von Zoran Drvenkar, das war ,,Sag mir, was du siehst" und so kannte ich den leicht abgedrehten aber zugleich völlig literarischen Stil von dem Autor schon. Viele Metaphern nutzt er und zugleich wirken manche Sätze schon poetisch. Total interessant in Kombination mit der beklemmenden Story.

,,Der Winter ist die beste Zeit für die Jagd. Im Winter ist der Mensch in Not, denn die Kälte ist gnadenlos, es gibt nur Schnee und das Eis, und jeden Tag wird ums Überleben gekämpft. Der Winter war schon immer die Zeit des Jägers. " S.219
Wie man den anderen Rezensionen und dem Klappentext schon vielleicht entnehmen kann, geht es hier um Kindesentführung und Pädophile. Das an sich schockiert und ist vielleicht für manche ,,zu viel" in einem Thriller. Auch geht es um Gewalt von Kindern untereinander, die gegenseitig kämpfen und dabei über Leichen gehen müssen. Das Thema ist auf jeden Fall ganz schön erschreckend, allein schon die Schilderung, wie die Jäger die Kinder Nachts im Winter, wenn die Eltern weg sind, kidnappen und keine Spuren hinterlassen.
Ich muss auch sagen, dass mir diese Rezension nicht einfach fällt. Ich denke, den Autor muss man einfach ausprobieren. Wenn es einem gefällt, hat man definitiv bei allen seiner Bücher einen großen Thriller-Lesespaß.

,,Die Soldaten ritten in den Wald und dachten, sie würden ein leichtes Spiel haben. Sie konnten nicht wissen, dass die elf Kinder das Sterben ihres Dorfes aus dem Schutz der Bäume heraus beobachtet hatten. Sie konnten auch nicht wissen, dass diese Kinder von klein auf darauf vorbereitet wurden, jedem Feind zu trotzen. Ob Wildschwein oder Wolf, ob Bär oder Mensch." S.306

Fazit:
Dieser Thriller haut einen um.
Erschreckende Story, hochwertiger Schreibstil, kein 08/15 Kram und viel Spannung - für mich ein Highlight in Sachen Thriller.
,,Sag mir, was du siehst" kann ich ebenfalls weiterempfehlen auch wenn ich ,,Still" noch mal weit aus besser fand.

☆ ☆ ☆ ☆ ☆

Samstag, 3. September 2016

Rezension zu ,,Codex Alera 1 - Die Elementare von Calderon" von Jim Butcher

,,Die Elementare von Calderon" ist der Auftakt zur Buchserie ,,Codex Alera", die aus insgesamt 6 Bänden besteht. Der erste Band ist erstmals mit 608 Seiten am 08.06 2009 im Blanvalet Verlag erschienen.

Inhalt:

Alle Einwohner Aleras können Magie wirken und die mächtigen Geister der sechs Elemente zu Hilfe rufen – nur der junge Tavi nicht. Doch als Intrigen und Bügerkrieg das Reich zerreißen und die bösartigen, nichtmenschlichen Marat die Grenzen von Alera überschreiten, ruhen alle Hoffnungen auf Tavis Schultern. Denn nur wenn der junge Mann nicht seinen Mut und seine Entschlossenheit verliert, haben seine Familie und alle, die Tavi liebt, eine Chance zu überleben … (Klappentext)

Cover:

Das Cover finde ich sehr interessant und gelungen. Es zeigt einen tierartigen Baum, der wahrscheinlich das Element des Waldes symbolisieren soll. Auch sehr passend zu den folgenden Bänden.

Charaktere:

Mit Tavi haben wir einen wirklichen Sympathieträger als Protagonisten. Anders als alle anderen, kann Tavi nämlich kein Element beschwören und seine Zukunft als Hirtenjunge ist am Anfang noch vorbestimmt.
Doch Tavi verstrickt sich im Laufe der Geschichte in eine brenzlige Situation. Fortan hat er mehr am Hut, als nur seine Herdentiere und plötzlich ist er auch noch derjenige, der Alera retten soll.
Ein toller Protagonist, mit dem man gerne mitfühlt, eben weil er anders ist.

Auch seine Gefährten sind soweit sympathisch und besonders. Schön finde ich auch, dass bezüglich der Charakterentwicklung viel Platz für die nachfolgenden Bände geschaffen ist.

Meine Meinung:

Jim Butcher habe ich als großen Fantasy-Autor schon länger auf der Wunschliste stehen und nun endlich geschafft mit diesem High-Fantasy Epos anzufangen! Groß war meine Vorfreude, in einem dichten Fantasy-Werk abzutauchen - mindestens genauso groß wie meine Erwartungen.

,,Wenn man aus der Geschichte etwas lernen kann, dann die eine Lektion: dass allzu oft die Existenz von Armeen, Städten und ganzen Reichen von den Handlungen einer einzigen Person abhängt. In Zeiten der Ungewissheit kann diese Person mit einer Entscheidung - sei sie nun gut oder schlecht, richtig oder falsch, groß oder klein - unwissentlich den Lauf der Geschichte beeinflussen.
Aber die Geschichte macht es uns nicht leicht. Denn man weiß nie, wer diese Person ist, wo sie sich aufhält und welche Entscheidung sie wohl treffen wird." S.7


Was ich bei Fantasy-Werken am wichtigsten finde ist der Schreibstil, der zugleich spannend, mitreißend und detailliert sein sollte - und den besitzt Jim Butcher. Auch wenn man sich am Anfang bei dieser Komplexität der Fantasy-Welt erst einmal zurechtfinden muss, man taucht sofort ins Geschehen ein.

,,Die Elementare von Erde und Luft und Wald wispern, dass Gefahr in Verzug ist und dass der Friede, den unser Land während der vergangenen fünfzehn Jahre genießen durfte, zu Ende geht. Metallelementare schärfen Schwerter und treiben die Schmiede am Amboss zur Arbeit an. Die Flüsse und der Regen warten auf den Augenblick, an dem sie sich rot färben werden. Und Feuer brennt grün und blau, aber nicht rot und golden, wie es sein sollte. Der Wandel hat begonnen." S.95


Besonders finde ich die Idee von den verschiedenen Elementaren wie z.B Luft, Feuer, Wasser, Erde, Metall etc. Zum Beispiel kann Luft den Beschwörer von einem Ort zum anderen bringen, Feuer Lichter und Kerzen anmachen, Wasser Gefühle der anderen spüren, Erde denjenigen tarnen und befördern und Metall kann denjenigen zu einem großartigen Schwertkämpfer und Schmied werden lassen - und das sind nur wenige Fähigkeiten der verschiedenen Elementare. Es gibt viele mehr und ich war jedes mal wieder erstaunt, was jedes Element doch so kann.

,,Überall lagen Leichen. Tavi bemühte sich, nicht hinzusehen, aber es schien, dass an jeder Stelle, auf die sein Blick fiel, jemand gestorben war. Es war grausig, was Lebewesen einander antaten. Die Körper wirkten ungestalt und irgendwie fehl am Platz, als hätte ein Kind seine Holzsoldaten sorglos weggeworfen, nachdem es sie zerbrochen hatte. All das Blut ließ seinen Magen rebellieren, und darüber hinaus erfüllte ihn der Anblick dieser misshandelten Leiber mit unerträglicher Traurigkeit.
Es war so sinnlos." S.542


Wie man vielleicht in anderen Rezensionen schon gelesen hat, soll Codex Alera ein wenig an Pokémon erinnern. Am Anfang war ich auch recht skeptisch und muss dennoch sagen, dass es stimmt. Ein wenig erinnert die Elementarbeschwörung tatsächlich an das Aufrufen eines Pokémon - das wars dann aber auch mit Assoziationsmöglichkeiten dazu.

Auch die Epoche finde ich gelungen gewählt. So spielt Codex Alera typisch für viele High-Fantasy-Werke eher zu Zeiten des Mittelalters. Mittelalter mit Magie zu verknüpfen finde ich sowieso immer wieder gelungen.

,,Tavi schluckte. 'Ich wollte bloß meine Schafe nach Hause holen,        Herr. Mehr wollte ich gar nicht, eigentlich. Da sind die Dinge ein wenig ...'
'Kompliziert geworden?', schlug Gaius vor.
Tavi errötete und nickte. 'Genau.'" S.594


Fazit:
Ach, es gibt einfach so vieles was dieses Buch beherbergt. Intrigen, Freundschaft, Krieg, Magie, Liebe, Feindschaft ...
Ein Epos, und glücklicherweise erst der erste von 6 Bänden aus der Welt von Alera.

Das ist für mich High-Fantasy vom feinsten.

☆ ☆ ☆ ☆ ☆

Sonntag, 21. August 2016

Rezension zu ,,Elanus" von Ursula Poznanski

Ursula Poznanskis neuestes Jugendbuch Elanus ist mit 416 Seiten am 22. August 2016 im Loewe Verlag erschienen.

Inhalt:

Es ist klein. Es ist leise. Es sieht alles. Jona ist siebzehn und seinen Altersgenossen ein ganzes Stück voraus, was Intelligenz und Auffassungsgabe betrifft. Allerdings ist er auch sehr talentiert darin, sich bei anderen unbeliebt zu machen und anzuecken. Auf die hervorgerufene Ablehnung reagiert Jonas auf ganz eigene Weise: Er lässt sein privates Forschungsobjekt auf seine Neider los: eine Drohne. Klein, leise, mit einer hervorragenden Kamera ausgestattet und imstande, jede Person aufzuspüren, über deren Handynummer Jona verfügt. Mit dem, was er auf diese Weise zu sehen bekommt, kann er sich zur Wehr setzen gegen Spott und Häme. Doch dann erfährt er etwas, das besser unentdeckt geblieben wäre, und plötzlich schwebt er in tödlicher Gefahr. Drohnen, Überwachung, Manipulation, dunkle Geheimnisse – gekonnt webt Ursula Poznanski hochaktuelle Themen in ihren neuen Thriller.  (Inhalt)

Cover:

Das Cover finde ich gleichermaßen interessant und gut. Es sieht super im Regal aus und passt auch sehr gut zu ,,Layers".

Charaktere:

Unser Protagonist Jona ist 17 Jahre alt, hochbegabt, intelligent und im Besitz eines Vollstipendiums für den Studiengang Technomathemaik an der Victor-Fanz-Hess Universität. Durch seine geringe Sozialkompetenz und dem eher launigen Verhalten fällt er jedoch nicht immer nur positiv auf. Er wird dem Leser aber immer sympathischer, da er im späteren Verlauf auch ein wenig normaler und sozialer wird.

Im Laufe des Buches lernt Jona noch Marlene und Pascal kennen. Pascal ist der Nachbar seiner Gastfamilie und ein witziger und guter Kumpel für Jona. Marlene wiederum ist eine nette, zuerst unscheinbare Person, die wirklich sympathisch wirkt und super zu Jona passt.
Die verschiedenen anderen Personen z.B die Gastfamilie oder der Rektor der Universität sind auch völlig authentisch gezeichnet. Alle ein wenig mysteriös, wobei erst am Schluss gelüftet wird, wieso.

Meine Meinung:

Wer mich kennt oder meine Rezensionen liest, weiß, dass ich ein großer Fan von Ursula Poznanski bin. Nicht nur weil ,,Saeculum" mich damals zum Lesen und zur Buchsucht gebracht hat, sondern auch, weil ihre Jugendbücher einfach großartig geschrieben sind! (Ihre normalen Thriller auch, wobei ich ihre Jugendbücher noch ein bisschen besser finde.)

,,Siebzehn und hochbegabt, dass es kaum noch auszuhalten ist. Vollstipendium, persönliche Einladung des Rektors und des Beirats der Schule, die wahrscheinlich hofft, sich einen zukünftigen Nobelpreisträger unter die Absolventen zu holen." S. 19

Der Schreibstil ist wie gewohnt flüssig und sehr gut zu lesen. Fantastisch finde ich bei der Autorin immer, dass sie es schafft, sofort ab Seite 1 ein kontinuierliches, lebhaftes Kopfkino zu erzeugen. Der Leser ist direkt drin im Geschehen und fühlt sofort mit den Personen mit - oder fühlt auch erst mal Abneigung gegen ihn, da Jonas soziale Inkompetenz gleich auf den ersten Seiten gezeigt wird. Nun ja, wie dem auch sei, Spannung ist auf jeden Fall früh vorhanden.

,,Elanus sieht messerscharf, ist schnell und wendig, und bleibt an seinem Opfer dran bis zum Schluss ..." S.90

Das Thema rund um Drohnen ist sehr aktuell, auch der Aspekt mit der Spionage. Das verbunden finde ich gelungen. Jonas Drohne hat einige Besonderheiten, so infiziert er seine ,,Spionage-Opfer" mit einer SMS durch eine Spyware, sodass die Drohne autonom den jeweiligen Menschen verfolgt und auch autonom, ohne zu lenken, wieder zu seinem Besitzer zurückkommt. Das finde ich schon sehr erstaunlich. Frau Poznanski geht auf die technische Umsetzung nicht sehr drauf ein, vielmehr wird es auf die Hochbegabung des Protagonisten geschoben, sich damit exzellent auszukennen.

,,Du denkst, keiner weiß, was du tust.
Aber da irrst du dich.
Es kann dich kein Vorhang schützen, und sei er noch so rot. Ich kenne dein Geheimnis.
Vielleicht hast du ja Glück und ich bewahre es." S.91


Eigentlich verstrickt sich Jona ganz ,,dumm" in diese Geschichte. So will er mit einer kleinen Rache jemanden bestrafen, doch diese läuft völlig aus dem Ruder. Fortan fürchtet Jona sogar um sein Leben, bis er erkennt, das noch viel, viel mehr dahintersteckt ...

,,Es war ein wunderschöner Flug, es waren herrliche Bilder von Wald und Herbstlaub und Sonnenschein auf Wiesen, die noch ein paar Tage lang grün sein würden. Jona genoss jede Minute.
Er fing Elanus aus der Luft, hielt ihn auf der flachen Hand, bis die Rotoren zum Stillstand kamen. Strich mit der Hand über die glatte, leicht gewölbte Oberfläche." S. 413


Fazit:
Ursula Poznanski ist für ihre exzellenten Jugendbücher bekannt. Thema, Story und Charaktere stimmen auch hier wieder - letztendlich ein wahnsinnig spannendes Jugendbuch, das mir noch besser gefiel als das zuletzt erschienene ,,Layers".
Ich bin mir auch bewusst, dass ich das Buch gerade furchtbar in den Himmel lobe - aber das hat es auch verdient. Traurig beurteile ich nur die Tatsache, dass sich die Jugendbuchleser wohl wieder ein Jahr auf ihr nächstes Buch gedulden müssen.
Aber immerhin toll, dass im September ein weiterer Thriller von Poznanski und Strobel erscheint!


☆☆☆☆☆

Donnerstag, 11. August 2016

Rezension zu ,,Bösartig" von Greg F. Gifune


,,Bösartig" ist mit 228 Seiten am 23. Februar 2016 im Voodoo Press Verlag erschienen.

Inhalt:

Cameron Horne hat alles: eine intelligente, schöne Frau, die ihn liebt, ein großartiges Zuhause sowie eine erfolgreiche und einflussreiche Karriere. Sein Leben ist der wahrgewordene amerikanische Traum. Bis die Dinge anfangen, sich zu verändern. Ohne Vorwarnung stellt er ein seltsames Verhalten zur Schau, das er anscheinend nicht kontrollieren kann, erleidet Blackouts und Erinnerungsverluste, hat entsetzliche Albträume und entdeckt Blut an seinen Händen, das sein eigenes sein könnte … oder auch nicht. Als ein mysteriöser junger Mann, der die Zukunft zu kennen scheint, damit beginnt, in Camerons Garten aufzutauchen, verschlimmert sich die Lage weiter. Und als ihn dann auch noch Stimmen und Visionen heimsuchen und schattenhafte Figuren jede seiner Bewegungen beobachten, erwacht etwas tief in ihm und manifestiert sich in Handlungen extremer Wut und Gewalt. Verliert er seinen Verstand oder ist etwas Bösartiges hinter ihm her, das von ihm Besitz ergreift und ihn, der einst sanftmütig war, in jemand anderen ... etwas anderes verwandelt? Die Wahrheit wird Cameron Horne einholen, und es wird eine Hölle geben, die ihn dafür bezahlen lässt. (Klappentext)

Cover:

Ein gruselig aussehender Mann, sein Gesicht zu einem Schrei verzogen... Es gibt sicher viele Menschen, die dieses Cover gerne mögen - ich gehöre aber nicht dazu.
Ich finde, bei Horrorbüchern muss der Inhalt Horror sein, das Cover aber nicht, es ist mir zu viel des guten, zu ,,bösartig". Gleichzeitig aber auch passend zum Inhalt, auch wenn ich ein schlichteres Cover möglicherweise mit irgendwelchen Andeutungen besser gefunden hätte.

Charaktere:

Kommen wir bei dieser Rubrik direkt zur schwierigsten. Wie beschreibe ich den Hauptcharakter am besten, wenn er doch selbst nicht weiß was - oder wer - er ist?
Nunja, Cameron Horne ist also unsere Hauptperson. Er führt ein bislang tolles Leben mit einer tollen Frau, einem schönen Haus und einem Beruf, der ein gutes Einkommen mit sich bringt. Fast schon ein wenig zu perfekt, und so bemerkt er eines Tages, dass er sich verändert bzw. er ein anderer wird. Schlimme Visionen, Geräusche, die es nicht gibt und Erlebtes, was völlig unreal erscheint, begleiten ihn. Da das Buch in der ,,Ich-Perspektive" erzählt wird, fühlt der Leser mit Cameron stark mit und kann seine Verzweiflung verstehen.

Die vielen anderen Charaktere überzeugen ebenso.

Meine Meinung:

Dies war mein erstes Buch, was ich von Gifune lesen durfte. Das Büchlein mit einem Seitenumfang von nur 225 Seiten erweckt am Anfang nicht den Anschein, dass es sich um ein dichtes Werk handeln könnte, eher um eine Kurzgeschichte. Doch man irrt sich und die geringe Seitenanzahl halte ich bei diesem Werk letztendlich für passend.

,,Ein Mann - oder etwas, das aussieht wie ein Mann - bewegt sich schnell durch den Flur, seine Gliedmaßen klicken und klappern, während er auf allen vieren mit kahlem, bleichem und teigigem Kopf, der auf unmögliche Art nach hinten verdreht ist, auf mich zugekrabbelt kommt; hervortretende dämonische Augen blicken mich an." S.52

Gifunes Schreibstil ist definitiv sehr gut, er erzeugt durch seine bestimmte Wortwahl eine sehr melancholische Grundstimmung, stellenweise auch große Spannung. Dabei liest sich das Buch leicht, die Dialoge passen und auch die Beschreibungen halte ich für sehr gut - kurz und knapp, dabei aber zugleich detailliert.

,,Die Realität ist das, wovon wir denken, dass es echt ist, das woran wir glauben, und das, wovon uns gesagt wird, dass es real ist.
 Ja, denke ich. Bis es das eben nicht ist." S.105


Das Buch ist bösartig, nicht nur Cover, sondern auch der Inhalt. Die extreme Wut und Gewalt, wie es auf dem Cover steht, ist natürlich vorhanden, aber nicht in störender Weise. Für jeden Thriller- oder Horrorleser lesbar, anderen würde ich es jedoch nicht empfehlen. Teilweise sind die Visionen schon echt krass.

,,Dann dreht sie sich um und ist verschwunden, eine weitere verlorene Seele im Wind und im Regen, ein weiteres Schaf mit gesenktem Kopf und geschlossenen Augen, das still zur Schlachtbank trottet." S. 146

Es ist schon eine beängstigende Vorstellung, dass man irgendwann merkt, dass nichts mehr so ist wie es eigentlich war. Dass das eigene Leben möglicherweise bis zu einem gewissen Punkt nicht existiert hat, dass man sich verändert, schreckliche Visionen und Halluzinationen erfährt. Stellenweise ist das Buch auch mal sehr verwirrend, der Leser lebt eben das mit, was die Hauptperson auch erlebt und nunja - das ist eben stellenweise verwirrend, da man nicht weiß, was Traum, Realität oder einfach nur Unreal ist.

,,Jeder Vogel verlässt das Nest, doch am Ende findet er wieder nach Hause, Zeke. Wir sind gekommen, um dich zurückzuholen ... dahin zurück, wo du hingehörst, wo du geboren wurdest und wo dein wirkliches Leben wartet ... deine richtige Familie." S. 218

Stellenweise habe ich mich wirklich gefragt, wie Gifune das nur auflösen möchte. Als das Ende dann eintrat, war ich erst einmal verwirrt. Hä, mein erster Gedanke. An sich aber ein gutes, relativ schlüssiges, zugleich aber auch verwirrendes Ende mit gewissem Interpretationsraum, was ich aber auch ganz gerne mag. Nur hoffe ich, dass ich es auch richtig verstanden habe, aber da freue ich mich auf Diskussionen mit anderen Lesern, die dieses Buch auch gelesen haben oder noch lesen werden.

Fazit:

Gifune überzeugt durch eine melancholische Grundstimmung, einem puren Horrorszenario und bösartigen Handlungen. Ein paar verwirrende Stellen gibt es, alles in allem aber ein passendes Lesevergnügen, das sich kein Horrorfan entgehen lassen sollte. Auch wenn ich das Cover für grässlich halte - der Inhalt muss ja überzeugen, und das hat er, definitiv.
Das war definitiv nicht mein letztes Buch von Greg F. Gifune!

☆☆☆☆

Samstag, 6. August 2016

Rezension zu ,,Das Seelenleben der Tiere" von Peter Wohlleben

,,Das Seelenleben der Tiere" ist mit 224 Seiten am 13. Juni 2016 im Ludwig Verlag erschienen.



Inhalt:

Fürsorgliche Eichhörnchen, treu liebende Kolkraben, mitfühlende Waldmäuse und trauernde Hirschkühe – sind das nicht Gefühle, die allein dem Menschen vorbehalten sind? Der passionierte Förster und Bestsellerautor Peter Wohlleben lehrt uns das Staunen über die ungeahnte Gefühlswelt der Tiere. Anhand neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse und anschaulicher Geschichten nimmt er uns mit in eine kaum ergründete Welt: die komplexen Verhaltensweisen der Tiere im Wald und auf dem Hof, ihr emotionales und bewusstes Leben. Und wir begreifen: Tiere sind uns näher, als wir je gedacht hätten. Faszinierend, erhellend, bisweilen unglaublich!  (Klappentext)

Cover:

Das Cover finde ich sehr schön. Ein neugierig guckendes Reh umgeben von schöner Natur. Zugleich passend zum Thema.

Meine Meinung:

Nachdem mich ,,Das geheime Leben der Bäume" schon so wahnsinnig überzeugt hatte und ich es letztendlich damals auch mit der vollen Punktzahl bewertete, stand für mich schon fest, dass ich auch in das Seelenleben der Tiere abtauchen möchte. Erwartet habe ich viele interessante und neue Fakten, die mich wieder zum Staunen bringen. Bekommen habe ich dies oft, aber manche Punkte kannte ich bereits.

Vorweg möchte ich einmal wieder den tollen Schreibstil des Autors bewerten. Wieder erzählt er wahnsinnig motiviert und mit so einer großen Liebe zur Natur davon, sodass sich das Buch sehr flüssig lesen lässt. Nichts ist nämlich schlimmer als ein Sachbuch, dass sich trocken und öde lesen lässt.

,,Die Erde wird durch uns Menschen täglich weiter umgestaltet und entfernt sich dabei immer mehr von der ursprünglichen Natur. Unglaubliche 75 Prozent der festen Erdoberfläche haben wir bereits gerodet, zugebaut oder umgegraben. Die Sinne der Tiere sind jedoch nicht auf Beton und Asphalt, sondern auf Wälder, Moore oder intakte Wasserlandschaften ausgerichtet." S. 206

Natürlich, manche Fakten kennt man bereits. Dass Tiere beispielsweise Schmerz oder Liebe im Sinne vom Fortpflanzungstrieb fühlen, weiß man vielleicht. Peter Wohlleben enthüllt aber durch Studienergebnissen und eigens beobachteten Geschehen noch so einiges, das man sicher nicht wusste. Besonders, wenn er ein solches Ergebnis durch seine eigenen Erfahrungen mit seinen Tieren bzw. Anekdoten erklärt, finde ich das immer besonders interessant.

In diesem Buch lernt man also nicht nur etwas über Hähne, die ihre Hennen Belügen, Hirschkühe, die trauern oder Pferde, die sich schämen. Man lernt als Leser auch Peter Wohllebens Liebe zur Natur kennen und seinen Appell, der Natur mehr Respekt entgegenzubringen - zumindest ein wenig.

☆☆☆☆

Donnerstag, 14. Juli 2016

Rezension zu ,,Der Zeitsprung" von Robert A. Heinlein

Diese Ausgabe des Buches ist mit 350 Seiten am 14. Dezember 2015 im Heyne Verlag erschienen. Die Originalverfassung erschien erstmals 1964.

Inhalt:

Während eines Atomangriffs flüchtet Hugh Farnham mit seiner Familie in einen eigens für solche Zwecke konstruierten Atombunker. Als die Farnhams sich jedoch nach einiger Zeit wieder nach draußen wagen, finden sie sich nicht – wie erwartet – inmitten rauchender Trümmer wieder, sondern in einem subtropischen Paradies: Der Atomschlag hat sie zweitausend Jahre in die Zukunft katapultiert. Doch das scheinbare Idyll trügt, denn die Zukunft hält einige unangenehme Überraschungen für die Farnhams bereit ...

Cover:

Das Cover finde ich sehr klasse. Passend zum Science-Fiction Genre und durch die Farben ein Blickfänger im Regal.

Meine Meinung:

Als ich das erste mal den Klappentext und das Cover gesehen habe, war ich begeistert. Ein interessanter Plot, der auch noch zu Zeiten des kalten Krieges und in der Zukunft spielt. Ich versprach mir eben deswegen relativ viel von diesem Buch, zumal es auf der Rückseite auch als eines der berühmtesten Science-Fiction Bücher gelobt wird.

Auffällig an Heinleins Schreibstil ist, dass dieser durch Dialogen dominiert wird, zumindest als die Gruppe am Anfang noch zusammen ist. Das Buch lässt sich zwar dadurch gut und schnell lesen, es entstehen dadurch aber auch viele flache und teils sogar unnötige Dialoge, die man sich hätte sparen können, indem der Autor einfach schreibt was Sache ist, ohne dass die Personen etwas sagen müssen.

Auch die Personen finde ich ein wenig ,,crazy". Eine drogensüchtige Mutter. Ein Sohn, der sich gerne mal ein wenig aufständisch verhält und sich auch mal mit seinem Vater prügelt. Ein Vater, der zeitweise mit der Waffe auf seinen Sohn zielt und zuletzt eine Tochter, die dem Vater anbietet ,,dass er sie haben kann, wenn er will". Nunja...
Die ganze Familie spielt zudem leidenschaftlich gerne Bridge, Kenntnisse sind durchaus als Leser praktisch...

Die Welt in der Zukunft finde ich an sich interessant, hätte aber auch hier irgendwie mehr erwartet. Die Rassenproblematik in der Welt, dass die ,,Weißen" über den ,,Farbigen" stehen, wird hier gewendet, sodass die ,,Farbigen" in der neuen Welt eine besondere Funktion besitzen und als hochwertiger gelten. Ein interessanter Aspekt, wie ich finde, dennoch hätte man das mehr ausbauen können.

Fazit:
An sich habe ich das Buch mit viel Interesse und gern gelesen. Durch die vielen Dialoge und den Eigenarten in der Geschichte und den Personen hat es mich aber nicht begeistern können. Ein lesenswerter Science Fiction Klassiker, den ich Sci-Fi Fans empfehlen würde.
Seine anderen Bücher klingen auch ziemlich interessant, sodass ich es vielleicht in naher Zukunft noch mal mit Heinlein probieren werde.

☆☆☆

Sonntag, 3. Juli 2016

Rezension zu ,,Jagdtrip" von Jack Ketchum

,,Jagdtrip" ist mit 304 Seiten am 13. Juni 2016 im Heyne Hardcore Verlag erschienen.

Inhalt:

Lee ist lebend aus dem Krieg zurückgekehrt, doch er ist ein anderer Mensch geworden. Die Erinnerung verfolgt ihn in seinen Träumen. Er lebt zurückgezogen tief in einem Wald und meidet den Kontakt zu Menschen. Aber heute ist er nicht allein. Eine Gruppe Camper ist in seine zerbrechliche Welt eingedrungen. Er hört ihre Stimmen, beobachtet ihr Lager. Mit einem Mal ist der Krieg zurück. Und Lees Besucher müssen um ihr Leben kämpfen ... (Klappentext)

Cover:

Das schwarz-weiße Cover mit den Ästen finde ich passend zum Handlungsort und zugleich auch gut mit der roten Schrift.

Charaktere:

Die Geschichte hat zwei Handlungsstränge, die später aufeinandertreffen. Einmal handelt sie von Lee, einem Kriegsveteran, der im Vietnamkrieg diente. Er wird geplagt von schrecklichen und schmerzvollen Erinnerungen an die Zeit und lebt deswegen nur mit seinem Hund im Wald, damit er sein Umfeld nicht in Gefahr bringt. Sein Geld verdient er nebenbei mit Marihuana-Anbau.

Der andere Handlungsstrang handelt von Kelsey, ein Schriftsteller, der sich mit ein paar Freunden Erholung und eine Auszeit im Wald erhofft. Außerdem lebt Kelsey in einer Art Polygamie, er hat eine Frau und eine Geliebte, die sich komischerweise beide gegenseitig dulden. Das fand ich seltsam, aber wie es dazu kommt wird noch erklärt.

Lee hat mir besonders gefallen, nicht wegen seiner Taten, sondern da Ketchum ein desaströses Bild von Kriegs-Veteranen zeichnet. Die Erinnerungen an den Krieg werden schrecklich geschildert, vielmals auch sehr brutal. Für seine Recherche interviewte er Zeitzeugen und Veteranen, was Lee als Person authentischer erscheinen lässt.

Meine Meinung:

Erwartet habe ich von Jack Ketchum ein verstörendes und recht brutales Buch, da man dergleichen öfters von seinen Büchern hört. Bekommen hat man das als Leser nur teilweise...

Sehr gut finde ich seinen Schreibstil, der ähnlich wie denen von Laymon, King und Co. ist. Flüssig, packend, stellenweise detailliert erzählt Ketchum das Geschehen.  Bei vereinzelt schrecklichen Szenen nimmt er auch kein Blatt vor den Mund, sodass ich verstehen kann, wie manche ihn als brutalen Autor bezeichnen.

,,Hunde,, dachte er, sind der Inbegriff von Unschuld. Die Vietcong hatten gewusst, dass die Soldaten alle ganz verrückt nach ihnen waren, also nähten sie in die Pleiku Hunden Sprengstoffsäckchen in die Bäuche. Und wenn man sich hinunterbeugte, um sie zu tätscheln, betätigten sie den Zünder." S. 69

Das Thema Vietnam-Krieg ist natürlich düster und erschreckend, zugleich war es aber auch interessant davon zu lesen. Besonders am Anfang ist es die Thematik, die den Leser weiterlesen lässt. Vielmals geht es am Anfang auch um die Dreiecksbeziehung von Kelsey, was manchmal ein wenig dröge daherkam.
Ab Seite 200, wo Lee und die Camper aufeinandertreffen, wird es richtig spannend, sodass man gar nicht aufhören möchte zu lesen. Auch hier sind die Schilderungen von den Fallen, die Lee baut, schrecklich. Diese Grausamkeit des Vietnamkriegs beider Seiten wird authentisch aufgezeigt.

"[...] Schließlich war er gerade mitten in der Bewegung, und fühlte, wie er gegen irgendetwas trat, ein Stück Holz. Und dann riss es ihm plötzlich die Beine weg, und er hing mit dem Kopf nach unten und schwang weit fort von der Kiefer, die Jetzt nicht mehr geknickt war, sondern in einer aufrechten Position zurückschnellte. Und er dachte: eine Hasenfalle. Ich kann gar nicht glauben, dass ich auf diesen Scheiß reingefallen bin.." S.282

Fazit:
Letztendlich hat mir Jagdtrip gut gefallen, besonderes die Thematik ist interessant und fesselnd. Bis Seite 200 ist es stellenweise geschrieben wie ein Drama, dann aber wird es umso mehr spannender. Überaus brutal war dies nicht, was ich aber auch gut finde. Als nächstes werde ich mir wohl mal ,,Evil" von Ketchum vornehmen. Habe aber doch ein wenig ,,Respekt" davor...

☆☆☆☆

Montag, 27. Juni 2016

Rezension zu ,,Der dunkle Schirm" von Philip K. Dick

Der dunkle Schirm ist mit 336 Seiten am 25. September 2014 im Fischer Klassik Verlag erschienen.

Inhalt:

Substanz T oder ›langsamer Tod‹ heißt eine neue Droge, die ins Orange County eingeschleust wird. Bob Arctor – alias Fred – ist Junkie und Geheimagent der Drogenfahndung, und damit er nicht auffliegt, beginnt er, auch mit Substanz T zu experimentieren, bis er merkt, dass seine beiden Identitäten gegeneinander agieren...
Viele schätzen ›Der dunkle Schirm‹ (1977) als den stärksten Roman Philip K. Dicks. Autobiographische Details zeichnen ein nur allzu realistisches Bild der Drogenkultur Kaliforniens in den 70ern, die in die Zukunft projiziert wird. 2006 wurde das Buch von Richard Linklater mit Keanu Reeves und Winona Ryder verfilmt. (Klappentext)

Cover:

Das Cover finde ich sehr abstrakt, aber gut und passend. Die roten Linien im Hintergrund passen zum Verlust der Identität.

Charaktere:                                       

Die wichtigste Person in diesem Buch ist Fred, der als Geheimagent der Drogenfahndung ins Drogenmilieu eingeschleust wird. Dort beginnt er als Bob Arctor aber selbst zu konsumieren, unter anderem auch Substanz T, und kann irgendwann seine Identität als Fred nicht mehr Aufrecht erhalten. Er ist später Dealer, Konsument, Verdächtiger und Ermittler zugleich. An sich ein sehr interessanter Charakter, der als Beispiel agiert, wie Drogen und gesellschaftliche Überwachung den Menschen zerfressen.

Stark sind auch die anderen Charaktere, Arctors Mitbewohner, die das Verhalten als Drogensüchtige auch gut wiedergeben.

Meine Meinung:

Eigentlich ist genau das eingetroffen, was ich bei Philip K. Dick als Autor erwartet habe. Er schreibt grandios, literarisch und verpackt Themen zugleich so intelligent, dass man als Leser weiter lesen möchte und immer wieder auf verschiedene, interessante und kranke Wendungen trifft.

,,Arctor dachte: Wie viele Bob Arctors gibt es wohl? Ein abartiger, völlig verwirrender Gedanke. Zwei fallen mir jedenfalls ein. Der eine wird Fred genannt und beobachtet den zweiten, der Bob genannt wird. Beides dieselbe Person. Oder? Ist Fred tatsächlich dieselbe Person wie Bob? Weiß das überhaupt jemand? Ich müsste es wissen, eher als jeder andere, weil ich der einzige Mensch auf der ganzen Welt bin, der weiß, dass Fred Bob Arctor ist. Also wer bin ich? Welcher der beiden ist ich?" S.117

Dabei ist Dick als Autor für das Thema Drogenkonsum und Verlust der Identität wie geschaffen, denn er nahm selber zahlreiche Drogen und sein Haus diente zeitweise - ähnlich wie das Haus von Arctor -, als Drogentreffpunkt. Er geht sogar im Nachwort auf Seite 318 darauf ein und behauptet, dass nicht er eine Person im Buch darstellt, sondern er der Roman sei.

,,Er spürte das unwiderstehliche Bedürfnis, zu seinem Wagen zu gehen, die Pistole aus dem Handschuhfach zu holen und ihr das Gesicht wegzuschießen, ihren Schädel und ihre Augen in kleine Stückchen zerplatzen zu lassen. Und dann verging das alles wieder - der Hasch-Hass, die Hasch-Wut. 'Ach scheiße', murmelte er niedergeschlagen." S. 184

Irgendwann kommt es so weit, dass die Hauptperson nicht mehr unterscheiden kann, wer sie ist und völlig Wahrnehmung, Realität und Identität verliert. Fred alias Bob Arctor wird alias Bruce in eine Nervenheilanstalt eingewiesen, als menschliches Elend, und erkennt erst da inwiefern Substanz T und die Klinik zusammen hängen. Für mich war dies eine überraschende und verstörende Wendung.

,,'Kannst du dir vorstellen, deinen Enkeln zu erzählen: Ich habe mit meinen eigenen Augen gesehen, wie der zwei Meter große Haschklumpen aus dem Nebel auftauchte und vorüberschritt, ungefähr in die Richtung da vorne, und er war zwei Milliarden Dollar wert und sagte immer nur: 'Nein nichts.' Deine Enkel würden dich ins Irrenhaus stecken.'" S.231

In diesem Buch spielt Science-Fiction keine große Rolle. Nur Substanz T als zerstörerische Droge und der Jeder-Mann-Anzug, der den Träger verschleiert, sind erfunden. Das hat mir aber sehr gut gefallen, sodass ich dieses Buch definitiv nicht nur Science-Fiction Leser empfehle.

,,Die beiden Mitarbeiter des Neuen Pfades standen da und musterten das Ding, das vor ihnen auf dem Fußboden lag, das sich erbrach und zitterte, die Arme um sich gelegt, als könnte es auf diese Weise die Kälte fernhalten. ,Was ist das?', fragte einer von ihnen. ,Ein Mensch', erwiderte Donna." S.277

Fazit:
Ein grandioses, wichtiges Buch über die völlige Verschleierung der eigenen Identität durch Drogen und Überwachung. Eigentlich, wenn man genauer darüber nachdenkt, ziemlich erschreckend.

Die Nachworte von Dick und Christian Gasser, der auf wichtige Szenen noch mal eingeht, runden für mich das Buch perfekt ab. Ich freue mich auf seine anderen Bücher.

☆☆☆☆☆


Donnerstag, 23. Juni 2016

Rezension zu ,,Larry" von Adam Millard


Dieser Kurzroman ist mit 168 Seiten am 23. März 2016 im Voodoo Press Verlag erschienen.

Inhalt:

In den Jahren zwischen 1975 und 1978 terrorisierte Larry »Schweinegesicht« Travers das Camp Diamond Creek, wo er mehr als 100 notgeile, zugekiffte Teenager mit seiner Axt (die Machete hatte sich bereits ein Typ aus New Jersey gekrallt) zerstückelte und sich einen gewissen Ruf erarbeitete. Das Leben konnte für einen Psycho-Schlächter wie ihn nicht besser laufen. 1978 wurde er dann allerdings vom letzten weiblichen Opfer seiner jährlichen Tour reingelegt, gefangen genommen … und ein wenig in Brand gesetzt. Man hielt ihn für tot, Larry Travers verschwand, doch seine Legende lebte weiter. 2014: Larry lebt in den Wäldern bei seiner herrischen und etwas altmodischen Mutter. Er hat nun ein Alter erreicht, in dem er in Ruhe Bingo spielen oder Puzzles lösen könnte, ohne sich dafür schämen zu müssen. Doch der Drang zu töten kehrt zurück, und Larry glaubt, er hätte noch immer das Zeug zu einem gemeingefährlichen Psychopathen. Schweinegesicht ist zurück. Nur um einiges älter … (Klappentext)

Cover:

Das Cover finde ich gelungen und zeigt definitiv den Horror-Aspekt. Für mich könnte es ein wenig ,,lächerlicher" sein, damit auch der Aspekt der Komödie auf dem ersten Blick besser zur Geltung kommt.

Charaktere:

Hauptperson ist natürlich der psychopathische Killer Larry ,,Schweinegesicht" Travers, der mit seiner steinalten Mutter und einem Schwein in einer Hütte im Wald lebt.
In seiner Vergangenheit hat er ,,Berühmtheit" durch mehrere blutige Abschlachtungen erlangt und auch jetzt in seinem hohen Alter spürt er den Drang zum töten wieder. So macht er sich auf mit seiner Schweinemaske, (die öfters mit ihm einen Dialog in Gedanken führt), zum Camp Diamond Creek, zu mehreren Jugendlichen, die dort Urlaub machen ...

...Die Jugendlichen entsprechen mehreren Klischees, einmal ein völliger Geek, eine Verrückte und mehrere, kiffende und trinkende Jugendliche sind hier vorzufinden. Aber natürlich sehr passend zum Genre.

Meine Meinung:

Ehrlich gesagt war ich am Anfang verwirrt. Der Klappentext erschien so ganz normal Horrormäßig, nur das Zitat gab einen Hinweis auf den Humor in der Geschichte. Eine Horrokomödie also, eine verrückte Mischung, die mir bis dato erst durch Filme geläufig war. Mischungen wie Fantasy-Humor à la Robert Asprin gefielen mir schon sehr gut, sodass ich mich auch hier auf das Buch freute.

Wer auf die Seitenzahl guckt, wird entdecken, dass das Buch nur ein Büchlein ist. Dadurch ist der Tiefgang natürlich nicht so stark. Personen werden nur soweit beschrieben, als das es für die Geschichte notwendig ist. Auf Tapetenfarbe oder ähnliches wird also nicht genauer drauf eingegangen, was ich in den meisten Fällen gut, in manchen Fällen bezüglich der Personenbeschreibung weniger gut fand. Sehr tiefsinnig ist die Geschichte also nicht, was aber nicht weiter störte.

,,Ich werde niemals das erste Mal vergessen, als ich das Gesicht eines Teenagers zerhackt habe. Das war 1977. Es war ein hässlicher Scheißkerl, also habe ich ihm einen Gefallen getan, aber klar, die Polizei sah das anders ..." S. 100

Am Anfang habe ich mir gedacht, dass der Horror wohl überwiegt, da die Handlung auch nicht übertrieben lustig anfing. Schnell wurde ich aber eines Besseren belehrt und habe mich auf diesen zynischen, ironischen und oft pubertären Humor eingelassen. Hier kann ich mir auch vorstellen, dass ältere Menschen diesen weniger, Jugendliche dafür mehr mögen könnten. (Nur Mutmaßungen) Ein Geschenk für die 90-Jährige Oma ist das also nicht. (Was für eine Ironie dies auch wäre...)

Fazit:
Alles in Allem ein sehr gutes, witziges Horrorbuch, was mich oftmals zum Schmunzeln gebracht hat, dafür mit weniger Tiefgang.
Adam Millard zeigt, dass sich Horror und Humor sehr gut verbinden lassen. Für mich eine großartige Kombination, eine neue Erfahrung und letztendlich habe ich nur noch eins zu sagen - mehr davon!

☆☆☆☆



Dienstag, 14. Juni 2016

Rezension zu ,,Der Höllenexpress" von Christopher Fowler

,,Der Höllenexpress" ist mit 350 Seiten am 15 September 2014 im Luzifer-Verlag erschienen.

Inhalt:

Stell dir einen klassischen Horrorfilm vor, den Hammer Films nie gemacht hat. Ein grandioses Epos aus den Hochzeiten des Studios, eine Mischung aus den alten Dracula und Frankenstein Filmen und Die Todeskarten des Dr. Schreck ... Vier Passagiere treffen sich auf einer Zugfahrt durch Osteuropa während des Ersten Weltkrieges; konfrontiert mit einem Mysterium, das gelöst werden muss, wenn sie überleben wollen. Als der Ärzengel über das vom Krieg zerrüttete Land kommt, müssen sie herausfinden: Was ist in dem Sarg, vor dem jeder so viel Angst hat? Was ist das tragische Geheimnis der verschleierten Roten Gräfin, die mit ihnen reist? Warum wird ihr Mitreisender, der Brigadegeneral, von seinen eigenen Leuten so gefürchtet? Und was genau ist das Geheimnis des teuflischen Ärzengels selbst? Bizarre Kreaturen, satanische Riten, verängstigt Passagiere und die Romantik einer Bahnreise ... im Stile eines klassischen Horror-Romans. (Klappentext)

Cover:

Das Cover finde ich sehr interessant und gelungen. Es zeigt eine alte Lokomotive, die wahrlich in die Hölle zu fahren scheint.

Charaktere:

Da es in dem Buch um einen Horrorfilm geht, der geschrieben wird, gibt es zwei Hauptpersonen, die mehr oder weniger in Beziehung zueinander stehen.
Einmal Shane, der für Hammer Films das Drehbuch schreibt, von dem wir aber weniger viel erfahren und Nicholas, ein englischer Reisender, der sich auf seiner Reise in Isabella verliebt, mit der er auch fortan reisen wird. Beide, und auch die anderen Reisenden, besitzen sympathische aber auch teils schlechte Eigenschaften und bilden so authentische Personen.
Außerdem gibt es noch verschiedene weitere Personen, die mal ein mehr und mal ein weniger großes Geheimnis verbergen.
Besonders die ,,bösen" Personen des Zuges sind gut beschrieben und vor allem schaurig.

Meine Meinung:

Von Christopher Fowler habe ich bereits eine Kurzgeschichte gelesen, die mich gleich durch einen sehr guten Schreibstil, Wortwitz und eine interessant, gruselige Geschichte überzeugen konnte.

,,Als der Teufel auf die Erde gerufen wurde, schuf er einen Zug, um die Verdammten in die Hölle zu bringen" S.29

Die Idee dieses Romans ist auch hier wiedermal interessant. Er verpackt den Protagonisten als Drehbuchautor, der dann wiederum Drehbücher schreibt. Dadurch entsteht aber eine gewisse Distanz, sodass man mit den handelnden Personen im Film nicht so mitfiebert, da man ja weiß, es ist nur ein Film.
Trotzdem finde ich es interessant und etwas dergleichen, vor allem den Zug als Horrorobjekt zu benutzen, habe ich noch nicht vorher gelesen.

,,Aber ganz bestimmt, antwortete der Zugführer. Unsere Wege durch das Leben sind so fest gesetzt wie Eisenbahnschienen, aber wir alleine schalten die Weichen, über die unser Leben führen wird." S. 115

Leider muss man sagen, dass das Buch ein wenig schleppend in Fahrt kam. Der Anfang war interessant und dann kam auch ein nettes Drama um Nicholas und Isabella, aber leider nichts großartig spannendes oder gruseliges. Interessiert war man aber trotzdem und die mysteriöse Atmosphäre wurde auch gut umgesetzt.

,,Der Beißer kroch langsam näher, wie ein Schakal, der den Tod riechen konnte. Er hatte sich neben sie gestreckt und öffnete sein Maul Zentimeter um Zentimeter in Vorbereitung eines neuen Angriffs. Er wollte vorsichtig - fast zärtlich - in ihre Schuler beißen, an genau derselben Stelle wie zuvor." S.161

Super fand ich, dass es zum Schluss noch mal richtig spannend und gruselig wurde. Es wäre super, wäre dies auch am Anfang und im Mittelteil des Buches so gewesen.

Fazit:
Ein solider Horror-Thriller, der am Anfang ein wenig schleppend vorangeht und dann mit der Kraft einer Lokomotive zum Ende hin immer rasanter und spannender wird.
Wegen des guten Schreibstils drücke ich ein Auge zu und vergebe gut gemeinte 4 Sterne.

☆☆☆☆

Montag, 13. Juni 2016

Willkommen!

Willkommen auf meinem neuen Blog!
Hier rezensiere ich Bücher aus verschiedenen Genres.

Nach und nach werden auch meine älteren, schon geschriebenen Rezensionen erscheinen, aber das kann ein wenig dauern, bis ich mich hier hundertprozentig zurecht finde.

Meine gesamten Rezensionen finden Sie hier: http://www.lovelybooks.de/mitglied/Meteorit/

Mittwoch, 8. Juni 2016

Rezension zu ,,In den finsteren Wäldern" von Richard Laymon

 Das Buch ist mit 256 Seiten am 12. 10. 2011 im Festa Verlag erschienen.


Inhalt:

Wie böse Deine Fantasie auch sein mag – die von Richard Laymon ist schlimmer! Neala und ihre Freundin Sherri nutzen ihre Ferien, um durch die Berge Kaliforniens zu wandern. Sie ahnen nicht, dass man in dem Städtchen Barlow schon auf sie lauert.Die Bewohner verschleppen die Frauen in den Wald und fesseln sie an Bäume – dann laufen sie davon und lassen die beiden zurück.Die Gefangenen können nur warten. Auf die Dunkelheit … den       Wahnsinn … die Schmerzen … die hungrigen Krulls. (Klappentext)

Cover:

Das Cover finde ich sehr gruselig und gelungen, es vermittelt schon eine gruselige Grundatmosphäre.

Meine Meinung:

Laymon ist ja immer bekannt für seinen Schreibstil. Plumpe Gewalt, Schwarzer Humor, Sex und böse Phantasien dominieren seine Bücher.
So auch in diesem Buch, doch hat er sich diesmal einem klassischen Genre des Horrors bedient, dem Backwood-Horror, bei dem normale Menschen aus einer normalen Zivilisation sozusagen eine Hölle betreten, in der es keine Regeln oder Gesetze gibt. Einzig und allein das Recht des Stärkeren gewinnt.
Ich finde Backwood-Horror ja immer klasse, da normale, alltägliche Menschen in ihnen sich verändern und teilweise buchstäblich zu Monstern werden, um das Überleben zu sichern.

,,Gesetze, Regeln. Sie sind uns verhasst, so wie sie unserem Gründervater verhasst waren. Er flüchtete in diese Region der Wälder, um den Gesetzen der Zivilisation zu entkommen. Das war vor langer Zeit - 100 Jahre vor der Geburt deines Lande. Wilde bevölkerten diese Wälder, er aber war wilder als sie. Er metzelte sie hin und aß ihr Fleisch als Zeichen seiner Macht. Allein die Frauen verschonte er. In sein Bett holter er sie uns sie schenkten ihm Abkömmlinge." S.184

Gleich auf den ersten Seiten wird es spannend. Neala und Sherri brechen zum Wandern auf, begeben sich aber auf der Strecke noch in eine Raststelle, wo sie auf leckeres Essen hoffen. Doch als sie heraus wollen stellen sie fest, dass die Tür schon abgeschlossen ist, gefangen und umgeben von Menschen, die alle eingeweiht sind. Sie sollen als Beute für die hungrigen Krulls dienen und werden tief in die finsteren Wäldern gebracht...
Was für eine wahnsinnige Idee, die Laymon sich da ausgedacht hat. Leider bleibt vieles recht oberflächlich und die Geschichte eher primitiv als mit viel Tiefgang.


 ,,Kinder, Nachkommen, Junge. Sie wuchsen heran und wurden so wild wie ihr Vater. Sie töteten ihre Feinde und aßen nach seinem Vorbild." S.184

Fazit:
Auch mit diesem Buch hat Laymon mich wieder gekriegt. Ein spannendes, gruseliges Szenario, das knapp an den 5 Sternen vorbeischrammt.
Für mich bis jetzt der beste Laymon, wenn auch nicht das beste Buch an sich.


☆☆☆☆

Sonntag, 5. Juni 2016

Rezension zu ,,Wohllebens Waldführer" von Peter Wohlleben

Dieser Waldführer ist mit 256 Seiten am 14.04 2016 im Ulmer Verlag erschienen.


Inhalt:

Der bekannte Förster Peter Wohlleben stellt Ihnen in seiner erfrischend unkonventionellen Art über 250 Tiere und Pflanzen des Waldes vor. Er beleuchtet die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Waldbewohnern und den Funktionen des Waldes sowie die Einflüsse von Förstern und Jägern. Begegnen Sie bekannten, aber auch unbekannten Arten mit neuem Blick: Warum hilft der Wolf den Bäumen? Was richtet der Feldhase im Wald an? Was bedeutet es, wenn der Dachs da ist? Was stimmt nicht, wenn sich kein Weidenröschen einfindet? Was erzählt uns die Bartflechte über den Wald? Peter Wohlleben beantwortet Fragen zum Ökosystem Wald, betrachtet dabei kritisch die gängige Waldnutzung und zeigt Alternativen auf. (Klappentext)

Cover:

Das Cover finde ich passend und zugleich sehr schön. Es zeigt einen schön grünen Wald, der Entspannung verspricht.

Meine Meinung:

Seit ,,das geheime Leben der Bäume" bin ich ein bekennender, riesiger Fan von dem Förster Peter Wohlleben. So konnte ich mir auch seinen neuen Waldführer nicht entgehen lassen, von dem ich mir viele neu Informationen und schöne Bilder versprochen habe.

Die ganze Aufmachung und Haptik des Buches ist hochwertig. Nicht nur das schöne Cover, sondern auch der Inhalt wird sehenswert präsentiert mit vielen hochauflösenden Bildern zu jedem Lebewesen.
Hier habe ich aber auch einen Kritikpunkt, denn meist gibt es nur ein Bild pro Lebewesen, jedoch finde ich gerade, dass die Unterschiede von Männchen und Weibchen bei den Vögeln doch ausgeprägt sind. Ich hätte eine Darstellung von beiden Geschlechtern und vielleicht sogar zusätzlich ein Bild des Jungvogels besser gewunden.

Jedes Lebewesen wird von Wohlleben beschrieben und zusätzlich werden noch interessante Informationen und wichtige Merkmale genannt. Auch hat er noch ähnliche Lebewesen als Bild hinzugefügt z.B um Pilze nicht zu verwechseln.
Interessant finde ich es auch, dass er am Ende des Buches noch mal auf den Wald an sich eingeht und verschiedene Abläufe erklärt.

Fazit:
Alles in allem ein lesenswerter Waldführer, der eben auch sehr persönlich ist, da Wohlleben von vielen wichtigen Lebewesen eine Auswahl trifft, manche dann aber grundlegend fehlen wie z.B der Grünspecht.

☆☆☆☆

Samstag, 28. Mai 2016

Rezension zu ,,Leichenfresser" von Brian Keene

Leichenfresser ist mit 400 Seiten am 01. Juli 2013 im Festa Verlag erschienen.


Inhalt:

Etwas lebt auf dem Friedhof und kriecht nachts aus der Erde. Etwas, das nach Leichen sucht und sie frisst. Sommer 1984. Timmy und seine Freunde freuen sich auf die Schulferien. Aber statt Sonne und Comics erwartet sie der tödliche Kampf mit einer grauenhaften Kreatur. Der Ghoul hat ihr Blut gerochen und ist auf der Jagd nach den Kindern. Und niemand hilft ihnen, weil niemand glauben kann, dass ein solches Wesen überhaupt existiert. Der preisgekrönte Horrormeister Brian Keene erzählt eine furchterregende Geschichte von Ungeheuern, Mördern und dem Verlust der kindlichen Unschuld. (Klappentext)

Cover:

Es zeigt drei Kinder, die auf dem Friedhof spielen, über ihnen zieht eine dunkle Wolke auf. Das rötliche, düstere Cover finde ich sehr gelungen und ist passend zum Inhalt.

Charaktere:

Hauptpersonen sind die drei zwölfjährigen Freunde Timmy, Barry und Doug. Dabei ist Timmy eher der Anführer der Gruppe, der die anderen überzeugt und mitreißt, Barry der stärkere, von der vielen Arbeit auf dem Feld und Doug der ängstlichere. Doch sie bilden ein gutes Team und helfen sich, auch wenn es nicht immer einfach ist, denn alle drei haben Probleme in der Familie. Der Thriller thematisiert familiäre Missstände in den Familien, z.B Gewalt, Alkoholkonsum, Missbrauch oder Misshandlungen.
Ich finde die drei soweit sympathisch, auch wenn ich es schade finde, wie der eine sich zum Schluss wandelt.

Auch die anderen, teilweise kümmerlichen, bösen Charaktere finde ich gelungen. So zeichnet Brian Keene ein niederschmetterndes Bild von einem gewaltbereiten Vater, der seine Familie schlägt und einer alkoholkranken, alleinstehenden Mutter, die ihren Sohn zu wenig beachtet und manchmal im missbräuchlichen Sinne zu viel.

Meine Meinung:

Vor ,,Leichenfresser" hatte ich noch kein Buch von Brian Keene gelesen. Ich hörte nur, dass er ein sehr guter Horror-Autor im Sinne von Stephen King sein soll...

Keene katapultiert uns zurück ins Jahr 1984, was ich auch sehr gelungen finde. Komisch fand ich erst mal, dass wir es mit 12 Jährigen zu tun haben, was aber keineswegs ein Kritikpunkt ist. Manchmal könnte man jedoch kritisieren, dass die Gedanken und Handlungen nicht denen von zwölf Jahre alten Kindern entspricht, sondern eher von 14, 15 oder 16 Jährigen.

Die Geschichte um den leichenfressenden Ghoul finde ich gelungen, auch wenn ich Horror mit nur realen Wesen besser finde, da es mich mehr gruselt.
Brian Keene legt hier mehr den Schwerpunkt auf den sozialen Horror, was mir persönlich sehr gut gefällt.. Der Leser hatte also nicht immer nur ein Monster, den Ghoul, im Blick, sondern auch die Erwachsenen, die in diesem Thriller nun wirklich mit Monstern verglichen werden können.

Stellenweise fand ich es einfach schön, Timmy, Barry und Doug bei ihren kindlichen Abenteuern wie z.B dem Bau eines ,,Bunkers" zu begleiten. Es erinnerte mich an meine Kindheit, zugleich aber auch an Abenteuerromanen für Kinder, gebe es da nicht den Ghoul, Gewalt- und Ekelszenen.

,,Der vom Körper abgetrennte Kopf seines besten Freundes schwang wie ein Pendel hin und her, baumelte von der linken Hand des Leichenfressers. Lange, gekrümmte Krallen hielten Dougs Haare fest. Die Kreatur stand am Eingang der Kammer und versperrte ihnen den Fluchtweg..." S. 368

Letztendlich kann ich sagen, dass ich zwischen 4 und 5 Sternen schwanke, denn einerseits ist es ein wunderbares, gruseliges Buch über Jugendliche, die ihre Unschuld verlieren und mit dem alltäglichen Horror konfrontiert werden. Andererseits hat es mich auch nicht übermäßig geschockt oder gegruselt. Ich bin der Meinung, dass man den Ghoul für dieses Buch gar nicht gebraucht hätte, auch wenn sich das komisch anhört, denn es ist nun mal der zentrale Konflikt. Ich fand dennoch eher die zwischenmenschlichen Beziehungen und Abgründe erschreckend und lesenswert.
Das Ende, und es ist wahrlich kein Happy End, schockt den Leser nicht nur mit dem Verlust einer Person, sondern auch damit, dass misshandelte Kinder nicht selten zu Vätern werden, die das gleiche mit ihren Kindern anstellen.

Fazit:
Alles in allem ein tolles Horrorbuch, welches ich gerne Anhängern und Fans dieses Genre empfehlen kann. Brian Keene ist für mich definitiv ein nennenswerter, amerikanischer Horrorautor.
Ich freue mich schon jetzt auf seine weiteren Bücher.

☆☆☆☆

Sonntag, 22. Mai 2016

Rezension zu ,,Steelheart" von Brandon Sanderson

Steelheart ist der erste Band der Reihe ,,Die Rächer". Die Taschenbuchausgabe ist mit 448 Seiten am 08. Februar 2016 im Heyne Verlag erschienen.


Inhalt:

Eine düstere Zukunft ist angebrochen. Die Welt wird beherrscht von den sogenannten Epics – Menschen mit Superkräften, die sich über jedes Gesetz stellen. Nichts kann sie aufhalten, und niemand kann ihrer Terrorherrschaft widerstehen. In Chicago hat ein besonders mächtiger Epic namens Steelheart die ganze Stadt in einen stählernen Albtraum verwandelt. Er glaubt sich unbesiegbar – doch er hat nicht mit David gerechnet. Dessen Plan: Rache an Steelheart und Freiheit für Chicago! Ein Plan, der ihm alles abverlangen wird.  (Klappentext)

Cover:

Das Cover finde ich sehr interessant und vor allem passend zum Kontext. Das Cover bereitet einen schon auf große Science-Fiction vor.

Charaktere:

In diesem Buch gibt es wirklich eine Vielzahl von interessanten Charakteren.
Hauptcharakter und Mittelpunkt des Romans ist der 18 jährige David, der in seiner Kindheit miterleben musste, wie sein Vater von Steelheart getötet wurde. Doch der Vater schaffte es, diesem High-Epic eine Wunde zuzufügen und David wittert seine Chance, sich irgendwann zu rächen.
David ist wirklich ein toller Charakter. Wissbegierig, intelligent und besitzt ein großes Herz.

Sein späteres Team bestehend aus Megan, dem Prof, Cody und Abraham ist auch nennenswert und vielschichtig.
Megan, die sehr abweisend auf David reagiert und etwas großes verbirgt. Cody, der viele Witze und Anekdoten reißt. Abraham, der schlau und intelligent an die Sache ran geht und zuletzt der Prof, der ein begnadeter Erfinder ist und auch mehr verbirgt als anfangs gedacht.

Meine Meinung:

Wow, ich bin jetzt fertig mit dem Buch und kann eigentlich noch gar nicht richtig fassen, was alles passiert ist.
Am Anfang ging ich eigentlich mit nicht so hohen Erwartungen an das Buch. Science-Fiction ist mir eher fremd und der Name des Autors sagte mir auch nicht viel...

...ich wurde aber überzeugt von einem detailliert, bildhaften Schreibstil, der spannend und unsagbar fesselnd ist. Man taucht ein in eine Zukunftswelt, die nicht mehr so ist, wie die Erde einmal war.
Epics, also Menschen mit Superkräften beherrschen die Welt und stellen sich über das Wohl der normalen Menschen. Dabei gibt es verschiedene Epics. Illusionisten, Unsterbliche, Tarnende, Starke, Heilende ... und viele mehr. Gerade diese Vielzahl der unterschiedlichen Fähigkeiten fand ich bei den Epics interessant. Genauso wie auch jeder Epic einen Schwachpunkt besitzt.

,,Auf der anderen Seite konnte ich den pechschwarzen Himmel erkennen. Irgendwann will ich mal wieder Sonne sehen, dachte ich. Da oben war nur Schwärze. Schwärze und Calamity, die hoch über uns schwebte wie ein grässliches rotes Auge." S.389

Die Rächer, ein Verbund aus mehreren Einheiten und Teams, haben es sich zur Lebensaufgabe gemacht, Epics zu jagen und zu töten, für eine baldige freiere Welt, wo die Menschen nicht unterdrückt werden.
Als David dazustößt, begeistert er die anderen von dem Plan, einen High-Epic, also Steelheart, zu töten, weil der seinen Vater getötet hat. Er hat auch schon einen Plan, doch wie er Steelheart töten und vor allem seine Schwäche herausfinden will, ist lange Zeit ungewiss..

Wir verfolgen als Leser also die Räche, erleben viel Action, aber auch das Zwischenmenschliche kommt nicht zu kurz. Denn David hat sich seit Anfang an in Megan verguckt, die aber abweisend reagiert.
So lockern auch viele Gespräche die Geschichte zusätzlich auf.

Irgendwann kam dann ein Punkt, da passiert etwas (ich möchte ja nicht spoilern), was ich erst total traurig fand. Ich hätte das Buch am liebsten in die Ecke geschmissen, weil ich die Wendung bzw. den Abgang beknackt fand. So las ich also weiter, liebte und hasste das Buch aufgrund der Wendung zugleich und fieberte dem Ende entgegen, wo diese Wendung teilweise erklärt und - mehr oder weniger- auch aufgehoben wird. Mit besonders diesen zwei Wendungen im Bezug auf eine Person hätte ich nie gerechnet.
Einfach großartig, was das Buch beim Lesen für Emotionen hervorruft.

Fazit:
Ich denke es ist alles gesagt und man versteht meine Begeisterung für das Buch. Diese fesselnde Spannung, die verschiedenen Emotionen, die beim Lesen hervorgerufen werden und vor allem die Charaktere und die grandiose Idee der Epics machen dieses Buch zu einem Lese-Highlight.
Der Autor hat mich mehr als überzeugt und es würde mich nicht wundern, wenn er bald einer meiner Lieblingsautoren wird.
Wow!

☆☆☆☆☆

Freitag, 13. Mai 2016

Rezension zu ,,Das Haus" von Richard Laymon

Die deutsche Erstausgabe ist am 08. März 2016 im Heyne Hardcore Verlag erschienen. Es stellt das 25. Buch von Laymon in diesem Verlag dar.


Inhalt:

Halloween. In der amerikanischen Kleinstadt Ashburg gibt es dieses Jahr eine große Party. Geladen wird ins Sherwood- Haus. Ein ganz besonderes Haus. Vor vielen Jahren ist dort eine Familie bestialisch ermordet worden. Seitdem wird es gemieden. Doch trotz dieser finsteren Vorboten öffnen sich am Abend die Tore. Das blutige Spiel beginnt ... (Klappentext)

Cover:

Das Cover finde ich gut und wieder hervorragend passend zu den anderen Laymon Büchern.

Charaktere:

Nun ja. Wie das eben bei Laymon so ist, finden wir auch hier wieder völlig verschiedene und zugleich abgedrehte und wahnsinnige Personen.

Hauptperson ist Eric Prince, der im sozialen Leben eher ein Außenseiter ist. In der Schule gemobbt und Zuhause ohne Vater hat er es nicht leicht. Seine Mutter hingegen hat schon mehrere Lebensgefährten gehabt, die sie immer verlassen haben. Gerne hätte Eric sich gewünscht, dass seine Mutter seinen Vater geheiratet hätte. Doch gegen sein Wunsch steht, dass er bei einer brutalen Vergewaltigung gezeugt wurde, was er aber nicht weiß... Sein Unmut gegen neue Lebenspartner seiner Mutter ist ein wenig verständlich, er fängt sogar an, sie zu schikanieren...

Wie das eben in einer Kleinstadt so ist, kennt jeder jeden und jeder hat in dieser Geschichte so seine Macke. Ein widerwärtiger Pädophiler, ein Mörder mit kranker Phantasie, ein Vizedirektor in der Schule, der Kinder schikaniert und zuletzt ein pubertierender Jugendlicher, der es nur auf ,,Scheiße bauen" abgesehen hat krönen die Personenkonstellation im Buch.

Meine Meinung:

Bei Laymon kann man eigentlich stereotypisch immer das gleiche sagen, denn wer Spannendes, Perverses, Widerwärtiges, Brutales und Gruseliges nicht scheut, der ist mit Laymon sicherlich sehr gut bedient.
Da ich finde, dass Laymon einen wunderbaren, exakten Schreibstil - teilweise ähnlich wie King - besitzt, lese ich seine Bücher immer gerne und lasse mich von seiner abstrusen Phantasie mitreißen.

,,Sie - meine Cousine - ist in das Loch eines Erdhörnchens getreten. Sie hat in das Loch geschaut und gar nicht mehr aufgehört, da hineinzustarren. Ich sagte: 'He, was machst du da?' Und die kleine Hexe hat gesagt: 'Da unten ist irgendjemand und zwinkert mir zu...'" S. 163

Da der Seitenumfang von diesem Buch mit 272 Seiten wirklich nicht lang ist, lässt es sich auch wieder sehr schnell lesen. Außerdem fand ich dieses Buch ein wenig ,,anders". Im Sinne davon, dass er bei den anderen beiden Büchern, die ich gelesen habe, schneller zur Sache kommt und auch schneller und mehr gruselt. Er schreibt also ein wenig ,,ruhiger", was aber nicht bedeutet, dass es schlecht ist. Wer aber auf den vollen Schocker hofft, ist bei diesem Laymon nicht gut aufgehoben.

"Möchtest du, dass sie reden? Willst du ins Gefängnis gehen? Ich war im Gefängnis, vierzehn Jahre lang - beinahe so lange, wie du lebst. Und weißt du, wieso ich im Gefängnis war? Eine hat geredet. In Kalifornien. Ich habe sie genauso aufgeschlitzt wie die anderen, aber sie ist nicht gestorben. Und sie hat geredet. Du darfst sie nicht reden lassen. Du musst sie in Stücke hacken." S. 262


Teilweise sind seine Storys wirklich pervers und vor allem primitiv. Was am Anfang interessant scheint, kann auf Dauer auch mal nervig, abstoßend sein.
Die Personenkonstellation ist auch eher fern ab der Realität. Sie sind - naja - alle völlig verrückt und abgedreht ...
... was aber auch irgendwie interessant an seinen Büchern ist.

Fazit:
Letztendlich fand ich auch dieses Buch von Richard Laymon wieder gut und lesenswert. Sein flüssiger, exakter Schreibstil reißt mit, sodass man immer weiter lesen möchte.
Ich freue mich schon auf seine weiteren Bücher, ich habe zum Glück noch viele vor mir.

☆☆☆☆

Dienstag, 10. Mai 2016

Rezension zu ,,900 Minuten" von S. Johnathan Davis

900 Minuten ist der zweite Band der Reihe Zombie-Thriller. Das Buch ist mit 315 Seiten am 01. Juni 2015 im Luzifer-Verlag erschienen.


Inhalt:

John ist Vater. Das war er nicht immer. Vor der Apokalypse hatte er einen anderen Job. Sieben Monate nach den Ereignissen von 900 MEILEN treffen wir wieder auf Kyle und John, die sich nach Avalon zurückgezogen haben. Sie müssen die schützenden Mauern verlassen und sich in die Welt wagen, die von den Toten beherrscht wird. Sie müssen plündern. Eigentlich sollte es ein Routineeinsatz sein, jedoch merken sie schnell, dass Kräfte im Spiel sind, die diese Reise alles andere als … Die Rückkehr nach Avalon wird zu einem tödlichen Wettlauf gegen die Zeit - durch eine Welt voller Verrückter, die versessen darauf sind, ihnen das Letzte zu nehmen, was ihnen noch geblieben ist: das nackte Leben. Letztlich muss John herausfinden, ob er nach den Regeln dieser neuen Welt spielen will. Einer Welt, in der die meisten Menschen bereit sind, für das eigene Überleben zu morden. Einer Welt, in der die Menschheit die eigentliche Plage ist. Wie weit würde ein Vater gehen, um seinen Sohn zu retten? Macht euch bereit und springt wieder mit Kyle und John in den Hummer - in diesem tempogeladenen Thriller, einer Mischung aus Zombie-Horror und mittelalterlicher Belagerungsschlacht! (Klappentext)

Cover:

Das Cover finde ich wieder gelungen, ein Zombie ziert den oberen Bereich. Dieses Buch sowie auch der Vorgänger sind im gleichen Stil gehalten und somit schön und passend.  Die glatte Haptik finde ich auch nennenswert, die der Verlag wohl bei allen Büchern verwendet.

Charaktere:

Auch hier ist die Hauptperson wieder John, der mittlerweile einen kleinen Sohn hat. Kyle ist auch wieder mit von der Partie - sie bilden ein wunderbares Team.
Beide überzeugen durch ein sympathisches, menschliches Auftreten. Für zynische und ironische Bemerkungen sind sie auch bestens ausgestattet, was das Lesen und vor allem die Lesestimmung in einem solchen Thriller aufheitert.

Gordon stellt den Gegenpol dar, der durch seine fiesen, bösen und hinterhältigen Taten auffällt. Er versucht Avalon zurückzuerobern..

Meine Meinung:

Der erste Teil dieser Zombie-Apokalypse konnte mich ja schon begeistern, da lag es nahe, dass ich auch den zweiten Band lesen musste.

Auch dieses Mal wurde ich nicht enttäuscht. Wie gewohnt flüssig und locker beschreibt der Autor das Geschehen und verpasst seiner ganzen Story wieder geballte Action!
Die Ich-Perspektive finde ich auch hier wieder sehr angebracht und passend. Es bringt die ganze Dramatik, auch um seinen Sohn, einfach näher.

,,'Tu es. Mach dem ein Ende, John.'
  Ich hatte einmal gehört, dass Menschen sich nie änderten. Man setzte sie unter Druck und fand heraus, wer sie wirklich waren.
Ich wusste nicht, wer ich war, bis ich dort auf diesem Dach stand.
Ich war ein Killer.." S.315


Der Plot ist auch wieder interessant aufgebaut. Als es am Anfang noch darum ging, die lebensnotwendigen Medikamente für Johns Sohn zu besorgen, verstricken sich John und Kyle bei der Suche in einem Netz voller Gefahren. Denn sie treffen auf den altbekannten Gordon, der die beiden sicherlich nicht auf einen Tee einladen möchte.. Er will Avalon zurück. John, Kyle und Jarvis versuchen fortan das zu verhindern..
Sie rechneten weder mit einer solch großen Armee, noch mit einem Verräter in den eigenen Reihen..
Die Geschichte verspricht also definitiv wieder sehr viel Spannung!

Mein einziger Kritikpunkt ist, dass das Buch am Anfang bzw. im Mittelteil kleine Längen aufweist, ein bisschen Geschwafel eben, was aber zum Glück nur von kurzer Dauer ist. Der Rest der Geschichte ist vollgepackt von interessanten Gesprächen und lehrreichen Anekdoten.

Fazit:
Und auch der zweite Band konnte mich wieder überzeugen. Zombie-Action ist sonst nicht so mein Ding, der Autor schafft es aber nochmals, mich für dieses Genre zu begeistern.
Ich würde mich freuen, wenn es einen dritten Band geben würde, ich denke jedoch, dass die Reihe mit diesem zweiten Teil abgeschlossen sein wird.

☆☆☆☆

Dienstag, 3. Mai 2016

Rezension zu ,,Aus dunklen Federn 2" von Sonja Rüther

Aus dunklen Federn 2 ist der zweite Band der Reihe und vereint wieder Horrorstorys von verschiedenen, schon teils aus dem ersten Band bekannten, Autoren. Herausgegeben ist das Buch mit 400 Seiten am 29. März 2016 von Sonja Rüther im Briefgestöber Verlag.


Inhalt:

Gänsehaut und Horrorfreuden: Erleben Sie zum zweiten Mal Schauergeschichten, feinsinnigen Splatter und finstere Fantasien Aus dunklen Federn. Ein Forschungstrupp kommt vom Wege ab. Ein Mann fährt zum Klassentreffen, doch sucht er dort keine alten Freunde. Ein freundliches Ehepaar will nicht länger die Schikanen ihres sadistischen Nachbarn hinnehmen. Sie alle ahnen nicht, welch grausame Folgen dies haben wird. Die Bestsellerautoren Markus Heitz und Kai Meyer, Thomas Finn, Boris Koch und viele andere öffnen die Türen der Realität und entfesseln in ihren Horrorgeschichten die ungeahnten Schrecken, die in der Dunkelheit lauern. Ein faszinierendes, abgründiges Lesevergnügen für alle, denen Rabenschwarz lieber ist als Feenrosa. Untermalt werden die Geschichten von den Titelbildern, die von den Autoren individuell selbst gestaltet wurden. (Inhaltsangabe)

Cover:

Das Cover gefällt mir hier auch wieder gut. Passend zum ersten Band, diesmal jedoch mit zwei blutigen Händen und mit grünem Hintergrund.

Meine Meinung:

Die erste Horroranthologie habe ich ja bereits gelesen und sie konnte mich direkt begeistern. So viele interessante Autoren, die das Genre Horror alle anders interpretieren, habe ich dort kennengelernt. Kurzgeschichten sind sowieso für dieses Genre sehr passend, somit musste ich auch die zweite Anthologie lesen ...

Auch in diesem Band lernt der Leser wieder neue, vielleicht bis dato noch nicht bekannte Autoren kennen. Außerdem enthält die Anthologie wieder ein Debüt, was ich sehr interessant finde.
Individuell finde ich auch die von den Autoren gestalteten Titelbilder zu jeder Kurzgeschichte.

Ich werde die Kurzgeschichten im Folgenden wieder einzeln mit Sternchen bewerten. Von ★=lesenswert bis ★★★=sehr gut.

Hanka Jobke - Maschas Schuhe:
Eine Kurzgeschichte, die mich das Grauen leider nicht lehren konnte, da sie für mich viel zu kurz war.

Christian von Aster - Der Groll:
Ein mir bis dato unbekannter Autor überzeugt mit einer gruseligen Geschichte über einen seltsamen, bösen alten Mann in der Nachbarschaft...★★

Nicole Zöllner Photosynthese:
Eine interessante, lesenswerte Geschichte über einen seltsamen Lehrer, der scheinbar eher Pflanze als Mensch ist. Debüt der Autorin.★

Thomas Finn - Meister Calamitas' erstaunliche Kuriositäten:

Eine sehr lesenswerte, toll geschriebene Geschichte, wo mir der Horror-Aspekt jedoch sehr gefehlt hat. Dennoch mit so einer Sprachgewalt geschrieben, dass ich sie richtig gut fand.★★

Vincent Voss - Der flüssige Bob:
Dieser Autor konnte mich schon in der vorherigen Anthologie begeistern. Ein Horrorautor, der wohl noch eine große Rolle in diesem Genre in Deutschland spielen wird. Eine Interessante Geschichte über einen Ausflug, der nicht so läuft wie geplant.★★

Markus Heitz - Gesprächsfetzen:
Eine lesenswerte Geschichte des Bestsellerautors, die mich aber leider nicht vom Hocker reißen konnte. Dennoch interessant geschrieben.★

Boris Koch - Im Haus des toten Clowns:
Eine sehr gelungene Geschichte, die mich teilweise richtig gruseln konnte. Clowns haben ja eh immer schon etwas gruseliges an sich..★★

Stefan Cernohuby - Mein anderes Ich:

Eine gelungene Geschichte über das andere Ich, die sehr interessant konzipiert ist.★

Sonja Rüther - Elefantenfriedhof:

Mal etwas ganz anderes. Die letzte Reise geht ins Wattenmeer.★

Thomas Lisowsky - Chupa:
Auch ein total toller bildlicher Schreibstil, der fesseln kann. Kein große Schocker, dafür subtiles Gruseln.★★

Kai Meyer - Schau hin!:
Diese Kurzgeschichte des Bestsellerautors konnte mich leider gar nicht begeistern oder gar gruseln. Fand ich relativ schwach.

Hanka Jobke - Die Welt am Abend:
Eine Geschichte mit interessantem Ansatz in ferner Zukunft. Stimmt nachdenklich!★

Thomas Finn - Der Schrei:

Wieder wahnsinnig gut geschrieben, jedoch kaum fesselnd noch gruselig.

Boris Koch - Die Hexe und der Folterknecht:
Ironisch und zynisch geschriebene Geschichte über einen Folterknecht, der sich mit seinem Opfer unterhält.

Vincent Voss - Frühlingserwachen:
Eine Geschichte, die versucht mit Spinnen zu gruseln. Sehr gut geschrieben, aber nicht sehr gruselnd.★

Sona Rüther - Peter:
Wieder eine interessante Geschichte der Autorin über einen Protagonisten, der immer mehr Körperteile verliert.★

Fazit:
Wieder eine gelungene Horroranthologie. Ich bin definitiv Fan dieser Reihe!
Hier fand ich jedoch leider keinen richtigen Schocker, sondern oftmals nur Fantasy, was ich leider ein wenig schade fand. Aber jeder interpretiert Horror anders. Für den einen ist es das subtile Gruseln, für den anderen vielleicht in phantastischen Welten gegen das Böse kämpfen.
Besonders begeistern konnten mich Thomas Finn und Vincent Voss, von denen ich nach dieser Sammlung gerne mehr lesen möchte!
Ich freue mich, wenn auch eine dritte Anthologie dieser Reihe erscheinen wird!

☆☆☆☆