Mittwoch, 10. Mai 2017

Rezension zu "Trouble" von Lee Child

Trouble ist das 11te Buch aus der Reihe um Jack Reacher. Es ist mit 460 Seiten am 15.11.2011 im Blanvalet Verlag erschienen.

Inhalt:

Eines Tages liegen auf Jack Reachers Konto 1030 Dollar. Der Mann ohne Telefon und festen Wohnsitz weiß sofort: Seine Vergangenheit hat ihn wieder. Er spürt die Frau auf, die ihm den Notrufcode zugespielt hat: seine Expartnerin aus Army-Zeiten, Frances Neagley. Sie hat schlechte Nachrichten. Calvin Franz, ein Mitglied der einstigen Neunergruppe, wurde grausam ermordet. Und es scheint, als sei Franz nicht der Einzige aus Reachers altem Team, der einem gefährlichen Gegner zum Opfer gefallen ist … (Klappentext)

Cover:

Wie jedes andere Buch von Lee Child: Gewohnt interessantes Cover, zwar nicht wirklich vielsagend, aber im Schrank zusammen mit den anderen Büchern passend und gut aussehend.

Meine Meinung:

Trouble ist mein zweites Buch, dass ich von Lee Child lesen darf. Davor las ich ,,Wespennest" und das hatte mich damals voll überzeugt. So mussten natürlich weitere Bücher folgen.

"Bleib weg, Dave. Lass ihn verbluten. Hat keinen Zweck, sich die Schuhe zu ruinieren." S.242


Jack Reacher, Hauptperson in dem Buch ist ein typischer Held. Er ist sympathisch, genial und schlau, kann zudem noch mit Waffen umgehen und mit der menschlichen Psyche spielen und ist zudem ein Ex - Armysoldat. So kommt er auch aus jeder brenzligen Situation mehr oder weniger heil heraus. Entweder mit irgendwelchen Tricks oder mit seiner nonverbalen Problemlösung, die scheinbar ganz gut funktioniert.

"Er schrie kurz auf, dann machte er instinktiv einen weiteren Schritt, auf seinem gebrochenen linken Bein. Er sackte, wild mit den Armen rudern, nach vorn, und das Übergewicht seines schweren Oberkörpers ließ ihn über die Drehachse der steifen Hüften kippen und beförderte ihn durch die offene Tür hinaus: In die von Lärm erfüllte Dunkelheit, in den Sturmstärke erreichenden Rotorabwind, in die Nacht.
Tausend Meter über der Wüste." S.10


Diesmal wird in diesem Buch mehr seine Vergangenheit aufgegriffen, vor allem im Bezug zu seinen alten Freunden von der Militärpolizei, die er, teilweise auch lebend, wieder trifft. Das fand ich interessant, vor allem auch der Aspekt, dass Reacher wirklich der Einzige ist, der nach der Militärpolizei keinen festen Fuß fassen konnte.

Der Schreibstil des Autors überzeugt wieder auf ganzer Ebene. Locker ist er und sehr gut zu lesen. Reacher war zwar nicht in Höchstform, aber trotzdem unterhaltend. Ein bisschen schade, dass das Buch in der Mitte gefühlt einen kleinen Hänger hatte, wodurch die Spannung ein wenig abfiel. Man hätte das Buch auch in 100 Seiten weniger verpacken können.

Fazit:
Gutes Buch, gutes Cover, überzeugt. Teilweise blieb die große Spannung aus, sodass ich gerade noch so 4 Sterne geben kann.

Sonntag, 26. März 2017

Rezension zu ,,Das Gesicht meines Mörders" von Sophie Kendrick

Der Debüt-Thriller von Sophie Kendrick ,,Das Gesicht meines Mörders" ist mit 320 Seiten am 16. Dezember 2016 im Rowohlt Verlag erschienen.

Inhalt:

Sie muss sich erinnern, um zu überleben. Als Clara aus dem Koma erwacht, ist ihr bisheriges Leben wie ausgelöscht. Sie erinnert sich weder ihren eigenen Namen noch an ihren Ehemann, den Schriftsteller Roland Winter. Auch nicht an den Einbrecher, der sie niedergeschlagen haben soll. Freunde scheint sie keine zu haben – Roland ist ihre einzige Verbindung zur Vergangenheit. Mit seiner Hilfe wagt Clara einen Neuanfang. Bis jemand versucht, sie umzubringen. Und die junge Frau begreift, dass sie sich erinnern muss, um zu überleben. Schritt für Schritt rekonstruiert Clara ihr Leben und stößt auf eine geheimnisvolle Frau, mit der sie am Tag des Unglücks verabredet war. Und die seither spurlos verschwunden ist. (Klappentext)

Cover:

Das Cover mit den abgebildeten Dornen und Wassertropfen finde ich gelungen. Besonders die Haptik ist überzeugend. Passt zu einem Thriller.

Charaktere:

Hauptperson ist Clara Winter, die nach einem Überfall ihr gesamtes Gedächtnis verloren hat. Sie weiß nicht wer sie ist, wie sie heißt, was sie macht, oder wer der geheimnisvolle Mann ist, der im Krankenhaus neben ihr sitzt und sich als ihr Ehemann Roland ausgibt.
Clara ist dem Leser sympathisch, besonders, da die ganze Geschichte aus ihrer Perspektive erzählt wird. Man fiebert und forscht mit Clara und entwickelt beim Lesen nebenbei so seine Theorien, die sich zumindest bei mir am Ende als falsch herausstellten.

Dann ist da natürlich noch Roland, der geheimnisvolle Roland, der sie umsorgt als wäre sie seine Ehefrau, sie beschattet, als wäre sie sein Opfer und sie von der wahren Geschichte fernhält, als würde er etwas verbergen ...

Meine Meinung:

Eigentlich wollte ich das Buch abends nur mal kurz ,,anlesen", ehe ich mich versah waren auch schon paar Minuten, Stunden vergangen. Sophie Kendrick versteht es den Leser zu fesseln, Details zu geben, die den Leser argwöhnisch machen.
Der Schreibstil ist zudem flüssig, sehr gut zu lesen, die Seiten fliegen nur so dahin.

,,Aus den Augenwinkeln sehe ich einen Lkw heranfahren, instinktiv will ich zurücktreten, als mir jemand einen Stoß in den Rücken versetzt. Ich stolpere nach vorn. Ich kann mich nicht fangen, stürze auf die Fahrbahn. Bremsen quietschen, jemand schreit. Ich schließe die Augen, mache mich auf den Aufprall gefasst." S.51

Retrograde Amnesie ist das Stichwort, um das sich quasi das ganze Buch dreht. Clara versucht sich zu erinnern, doch sie kann es nicht. So begleitet man sie auf ihrer Suche nach der Vergangenheit und trifft auf viele Ungereimtheiten. Warum hat sie keine Verwandtschaft mehr außer ihrer Schwester, die zudem auch verschwunden ist? Wer war ihr Vater und warum wuchs die Familie nicht zusammen auf und vor allem, wer ist der Mann wirklich, der sich als ihr Ehemann ausgibt?
Fragen, die fesseln und Sophie Kendrick versteht ihr Handwerk, indem sie dem Buch nicht selten eine Wendung gibt, die man nicht erwartet hätte.

,,Bitte nehmen sie mir meine Worte nicht übel, Frau Winter. Ich bin mir sicher, dass in diesem Fall etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Und solange ich nicht weiß, was es ist, muss ich auf den einen oder anderen Busch klopfen, um zu sehen, was herausspringt." S. 209

Wenn man ehrlich ist, dann ist das Thema Amnesie keine Neuerfindung des Genres. Viele Top-Autoren bedienten dieses Thema, auch das ständige Misstrauen gegenüber anderer Personen.
Dennoch habe ich mich unterhalten gefühlt und hatte nie das Gefühl, dass sich irgendwas wiederholt oder ich eine Stelle langweilig fand. Das intelligente Nachwort bezüglich der Entstehung und ihrer Idee rundete für mich das Gesamtbild ab.

,,Wir sind unsere Erinnerungen. Ohne sie verlieren wir unsere Identität, die Gewissheit, wer wir eigentlich sind. Je mehr ich über das Gedächtnis recherchierte, desto klarer wurde mir, wie viel wir einbüßen, wenn wir nicht mehr auf unsere Erinnerungen zurückgreifen können. Und wie schrecklich sich das Anfühlen muss." Nachwort, S. 315

Fazit:
Eine atmosphärisch dichte Story mit vielen spannenden Psycho-Elementen, die den Leser fesseln und überlegen lassen, wem Clara trauen kann und ob denn wirklich alles so ist, wie es ist.
Für mich war das Ende nicht vorherzusehen, auch wenn solch eine Auflösung nicht ganz neu ist. Aber man muss das Rad ja nicht neu erfinden, somit gebe ich sehr gute 4-Sterne.

☆ ☆ ☆ ☆

Samstag, 25. März 2017

Rezension zu ,,Christmasland" von Joe Hill

Der Fantasy-Thriller ,,Christmasland" ist mit 800 Seiten am 08. Dezember 2014 im Heyne Verlag erschienen.

Inhalt:

Charlie Manx ist ein sehr, sehr böser Mann mit einem sehr, sehr bösen Auto. Er entführt Kinder nach »Christmasland«, wo ewige Weihnacht herrschen soll. Die Kinder erwartet dort jedoch etwas Schreckliches, und es gibt keinen Weg zurück. Mit seinem Meisterwerk moderner Fantastik entführt uns der mehrfach preisgekrönte Bestsellerautor Joe Hill auf einen unvergesslichen Horrortrip. (Klappentext)

Cover:

Die Rolls-Royce Statue auf der Motorhaube eines Wraith ziert das Cover zusammen mit einem roten Nebel.  Für mich ein gelungenes Cover und sehr passend zur Geschichte.

Charaktere:

Hauptperson ist Vic McQueen, die seit frühester Kindheit eine magische Gabe besitzt, die nicht jeder Mensch hat: Wenn sie mit ihrem Raleigh losfährt  und in Gedanken bei einem Gegenstand oder Menschen ist, öffnet sich ihr eine Brücke, ihre sogenannte Shorter-Way-Brdige, über die sie fahren kann und dann am Zielort des jeweiligen Gegenstands ankommt.

Doch Vic ist nicht die einzige, die eine solche Eigenschaft hat.
Charlie Manx, ein böser Mann, besitzt die Gabe, in seinem Rolls-Royce Wraith ins Christmasland fahren zu können, wo er den Kindern für immer Weihnachten verspricht: Ohne Entkommen. Auch Vic kam in seine Fänge, doch befreite sich und nun ist sie erwachsen und besitzt einen Sohn, und Manx wartet nur darauf sich zu rächen...

Meine Meinung:

Was für eine interessante Idee! Und auch noch so passend zur Weihnachtszeit, sodass ich mit diesem Buch doch gleich an Weihnachten anfing. Zugleich war ich neugierig: Schafft der Sohn, was der Vater kann? Nämlich: Großartige Bücher zu schreiben?

Ein Auto als Horrorelement zu benutzen ist nichts neues, in diesem Falle aber doch wieder etwas besonderes. Die Beschreibungen des Wraith sind gruselig, umso mehr noch, da sich das Auto auch gerne immer wieder verselbstständigt und kleine Kinder einsperrt.

,,Nathan schlug mit den Händen gegen die Windschutzscheibe und hinterließ dabei rostrote Abdrücke auf dem Glas.
'Hilfe!', schrie er, während warmes Blut über sein Gesicht lief. 'HILFE, HILFE, BITTE HELFT MIR!'
Seltsamerweise grinsten die Kinder zurück, als würde er Faxen machen, und winkten eifrig zurück. Er begann zu schreien wie eine Kuh auf dem Schlachthof, die auf dem dampfenden Blut ihrer Artgenossen ausrutschte, bevor es ihr selbst an den Kragen ging."
S. 276


Die Geschichte um Vic, wie sie groß wird und weitere Personen kennenlernt, die auch solche Gaben haben, fand ich interessant. Ein bisschen zu viel wurde es mir dennoch, da der Autor jeden Grashalm aus ihrer Vergangenheit erwähnen musste und die Geschichte damit unnötig streckte. Das hat den Spannungs-Effekt leider gedämpft.

Interessant finde ich auch die Bezeichnung eines Thrillers, denn für mich glich das Buch eher einem Fantasy-Roman. Besonders diese Fantasy-Inhalte gefielen mir aber gut und Joe Hill hat diese auch gut und oft schaurig erzählt.

Gruselig fand ich auch immer die Beschreibungen von Charlie Manx oder des Gasmaskenmannes. Gerade mehr solcher Horror-Elemente hätten dem Buch auch gut getan.

,,'Tief einatmen', sagte der Gasmaskenmann. 'Dann fühlst du dich besser. Entspann dich einfach. Die Sonne ist untergegangen, die Nacht hat angefangen. Gott ist tot, der Himmel rot.'" S.568

Fazit:
Im Endeffekt hat mich das Christmasland überzeugt. So lange wie ich dort bleiben musste, würde ich zwar nicht noch mal hin wollen, aber es war sicher eine tolle Reise mit Vic und ihrem Relaigh.
Ich bin gespannt, wie die anderen Bücher von Joe Hill so sind. Für dieses Buch gebe ich gerne 3 Sterne, für 4 war es mir dann doch ein wenig zu langatmig.

,,Die Fantasie war immer nur eine Realität, die darauf wartete, aktiviert zu werden" S.710

☆☆☆

Samstag, 17. Dezember 2016

Rezension zu ,,Das Ufer" von Richard Laymon

,,Das Ufer" ist am 12. September 2016 mit 576 Seiten im Heyne Hardcore Verlag erschienen.

Inhalt:

Der dunkle See … Das einsame Haus am Ufer … Zwei junge Menschen, die dort eine Liebesnacht verbringen wollen … Doch einer von ihnen wird den nächsten Morgen nicht mehr erleben … 18 Jahre später wird die Kleinstadt Tiburon von einem Serienkiller heimgesucht. Angst und Wahnsinn greifen um sich, und das Haus am Ufer wird wieder zum Ort unvorstellbaren Grauens!  (Klappentext)

Cover:

Das Cover finde ich, wie eigentlich alle Laymon-Cover, passend und gut. Ich mag es, wenn Bücher eines Autors eine gleiche Aufmachung besitzen.

Meine Meinung:

Ich gebe zu, ich bin ein Fan von Laymon. Er schreibt schaurigen, verrückten Horror, der mir gefällt. Ein Buch von Laymon zu lesen geht immer, nicht groß anspruchsvoll, dafür unterhaltend. Wunderbar passend, wenn man z.B gerade anspruchsvolle Lektüre oder ein trockenes Sachbuch gelesen hat.
Ich persönlich freue mich, dass posthum noch viele Bücher in Deutschland erscheinen, so war es auch bei ,,Das Ufer".

Die Grundstory finde ich interessant, die Charaktere ebenso. Eine Mutter und eine Tochter, die beide ihren Freund schrecklicherweise verloren haben. Ein Mörder, der es auf eine ganz bestimmte Person abgesehen hat und ganz vernarrt ist, sie zu töten. Und letztlich noch Charaktere, die Laymon-typisch verstörend, gruselig, verrückt und komisch sind.

In der Mitte des Buches habe ich mich kurz gewundert, wieso das Buch nicht schon zu Ende ist. Es plätscherte leider ein wenig weiter und es kam auf, dass eine Person noch eine gewisse, nähere Verbindung zu Mutter und Tochter hat. Das hat das ganze dann wieder spannender gemacht. Richtiger Horror blieb leider lange aus.
Für mich gab es an manchen Stellen auch einfach viel zu viele Zufälle. Klar, dass Horrorbücher - in den meisten Fällen - realitätsfern sind, aber wenn zu viele Zufälle existieren, ist es ein wenig komisch.

In manchen Stellen finde ich die Geschichten/Bücher von Laymon nicht gruselig, sondern schon fast witzig. Ich meine, es ist so typisch für diesen Autor, eine Person mit einem Hackebeil einer anderen hinterherjagen zu lassen, dass es mich einfach nur noch amüsiert. Der Unterhaltungseffekt ist bei seinen Büchern, wie ich finde, immer groß.

"Er war groß und klapperdürr, und seine Arme wirkten unnatürlich lang. Er hetzte ihr hinterher und schwang dabei sein Fleischerbeil. Er war ganz in Weiß gekleidet und trug dabei eine Kochmütze auf dem Kopf, die bei jedem Schritt hin und her wackelte." S.53

Fazit:
Alles in allem ein unterhaltendes Buch, welches mir von der Seitenanzahl für diese Geschichte zu lang war. Auch die vielen Liebesgeschichten störten mich.
Ein Buch voller abstrusen Geschehnissen und Perversionen, dabei noch ein bisschen Horror. Für mich zu wenig Horror.

☆ ☆

Sonntag, 27. November 2016

Rezension zu ,,Anonym" von Ursula Poznanski und Arno Strobel

,,Anonym" wurde von dem Autorenduo Poznanski und Strobel geschrieben und ist mit 384 Seiten am 21.09 2016 im Rowohlt Wunderlich Verlag erschienen.

Inhalt:

Du verabscheust deinen Nachbarn? Du hast eine offene Rechnung mit deiner Ex-Frau? Du wünschst deinem Chef den Tod? Dann setze ihn auf unsere Liste und warte, ob die anderen User für ihn voten. Aber überlege es dir gut, denn manchmal werden Wünsche wahr...

Es ist der erste gemeinsame Fall von Kommissar Daniel Buchholz und seiner Kollegin Nina Salomon, und er führt sie auf die Spur des geheimnisvollen Internetforums "Morituri". Dort können die Mitglieder Kandidaten aufstellen und dann für sie abstimmen. Dem Gewinner winkt der Tod. Aber das Internet ist unendlich, die Nutzer schwer zu fassen. Nur der Tod ist ausgesprochen real, und er ist näher, als Buchholz und Salomon glauben... (Klappentext)

Cover:

Das Cover finde ich sehr gelungen. Es besitzt eine interessante Haptik und zeigt Hamburgs Hafen. Die silberne Farbwahl finde ich sehr interessant. Auch besitzt das Buch ohne das Cover einen schönen rötlichen Ton. Ich persönlich finde es ja immer super, wenn ein Buch auch ohne Cover schön aussieht, da ich es zum Lesen immer abmache.

Charaktere:

Hauptpersonen sind die beiden Polizisten Nina Salomon und Daniel Buchholz. Nina wurde aus Bremen versetzt und führt ihre Karriere in Hamburg weiter fort, dabei steht ihr Daniel als Partner bereit.

Beide verstehen sich von Anfang an erstmal nicht. Die penible, sauberkeitsliebende Art von Daniel findet Nina seltsam und Daniel macht Nina's unüberlegte Art und ihre Alleingänge zu schaffen. Beides sind keine einfachen Menschen und vielfach fand ich sie im Buch ein wenig nervig.
Aber, und das ist vielleicht ein klitzekleiner Hoffnungsschimmer, verstehen sie sich zum Schluss ein wenig besser. Ich bin gespannt, ob dies eine Reihe wird oder ein abgeschlossener Band bleibt.
Ich finde, sie ergänzen sich trotz großer Differenzen gut.

Meine Meinung:

Ursula Poznanski und Arno Strobel - eine großartige Kombination, wie ich schon in dem Buch ,,fremd" erfahren durfte. Ich finde dieses Konzept sehr interessant, sodass ich natürlich auch ,,anonym" lesen musste.

Wir landen also in der schönen Stadt Hamburg, die neuerdings von kranken Morden erschüttert wird. Ein Mörder, durch das Darknet getarnt, führt eine Todesliste im Internet, bei der jeder Mensch abstimmen darf, wer als nächstes stirbt. Ganz einfach, von Zuhause aus. Auf der Liste stehen Leute wie ,,Der Mann, der seinen Hund in den Nachbargarten machen lässt" oder ,,Der Busfahrer, der heranlaufenden Fahrgästen jedes Mal im letzten Moment die Tür vor der Nase schließt."
Eine interessante Idee, das Darknet in einen Thriller zu verpacken. Ich hätte so eine Umsetzung nicht erwartet. Ich finde das Thema Darknet bleibt auch, mehr oder weniger, eher im Hintergrund. Nur die Seite existiert ebenda.
Das Darknet, oder auch Deepweb genannt, hat ja schon einen gewissen Kultstatus unter Cyberkriminellen, wobei es in manchen Ländern der einzige Schlüssel ist, überhaupt das Internet nutzen zu können.

,,Wenn das Mädchen gewinnt, wird das Mädchen sterben. Ob er es schon in seiner Gewalt hat? Oder eben dabei ist, es zu entführen? Die meisten Elfjährigen sind jetzt in der Schule, sind sie dort sicher? Und später, auf dem Weg nach Hause ... " S.166

Bei der Charakterbesprechung habe ich Nina und Daniel schon vorgestellt. Für mich ein Kritikpunkt. Mich haben die Alleingänge, die emotionalen, ausufernden Aktionen von Nina ein wenig gestört. Natürlich hatte sie auch öfters den richtigen Riecher. Das ist mir ein wenig zu fiktiv.

Als passionierter Thrillerleser verdächtigt man ja meist alles und jeden. Nicht selten ist der Täter gerade der, von dem man es am wenigsten vermutet. Ich hatte eine Vermutung, aber ohne Erklärung, die sich später bestätigte. Die Auflösung fand ich dennoch sehr interessant, die wiederum gar nicht so war, wie ich dachte. Ich hatte auch eher gedacht, dass der Täter ein Mittäter ist und nicht der Strippenzieher. So blieb die Spannung für mich bis zum Ende hin vorhanden.

,,An jeder dunklen Ecke, an der Sie vorbeikommen, werden Sie damit rechnen müssen, dass jemand herausspringt. Sie werden nirgendwo mehr sicher sein. Und wenn Sie das Gefühl haben, nun sei es endlich vorbei, wird jemand da sein, der Ihnen das Gegenteil beweist." S. 226

Fazit:
Ein gelungener Thriller, mit einer interessanten Thematik, die ein wenig mehr hätte thematisiert werden können. Gespickt wird das Buch mit zwei Ermittlern, die anders sind. Anders gefällt mir meistens sehr gut, hierbei habe ich besonders die Ermittlerin Nina aber ein wenig nervig wahrgenommen.
Nichtsdestotrotz spannend - ich freue mich auf das nächste Buch von Poznanski und Strobel.

☆ ☆ ☆ ☆

Sonntag, 23. Oktober 2016

Rezension zu ,,Prey - Deine Tage sind gezählt" von James Carol

,,Prey" ist das dritte Buch der Reihe um den Privatermittler Jefferson Winter. Es ist mit 368 Seiten am 22.07 2016 im dtv Verlag erschienen.

Inhalt:

Wenn du mir folgst, werde ich dich töten»Wir lügen alle. Und am meisten belügen wir uns selbst.« Jefferson Winter, der Profiler mit dem unheimlichen Gespür dafür, wie Serienkiller ticken, hat gerade einen Job in New York zu Ende gebracht. Vor der Abreise nach Paris zu seinem nächsten Fall geht er in einem Diner etwas essen. Es ist zwei Uhr nachts, der einzige andere Gast ist eine platinblonde Frau mit Lederjacke. Als Winters Essen serviert wird, steht sie auf - und ersticht vor seinen Augen den Koch. Dann geht sie seelenruhig davon ... Eine Provokation, die Winter nicht ignorieren kann: Paris muss warten. Das Spiel ist eröffnet.

Cover:

An dem Cover habe ich nichts auszusetzen. Wie auch bei den ersten beiden Büchern ist auf dem Cover die Mordwaffe abgebildet. Schön passend zu den ersten beiden Bänden.

Charaktere:

Hauptperson ist natürlich wieder Jefferson Winter, ein geborener Psychopath, der seine Instinkte nutzt um Schwerverbrecher aufzutreiben. Er ist Sohn eines Serienmörders.
Seine intelligente Art fesselt den Leser, ist dennoch aber manchmal ein wenig zu vorausschauend.
Winter arbeitet in diesem Fall mit der FBI-Agentin Mendoza zusammen, die er schon aus einem früheren Fall kennt.

Die Mörderin hat mehr mit Winter gemeinsam, als am Anfang vermutet wird. Sie ist auch eine Psychopathin, hatte eine schlimme Kindheit und lebt nun ihre mörderischen Phantasien aus.

Meine Meinung:

Sehr gefreut habe ich mich, als dieser Band erschienen ist. Die ersten beiden Bände haben mir schon so gut gefallen, dass ich große Erwartungen auch an den dritten Band hatte.

James Carol hat einen gut zu lesenden Schreibstil, der den Leser fesselt. Der Plot des Buches ist auch interessant, wenn auch nicht unbedingt innovativ. Bücher, in denen Mörder einen Bezug zum Ermittler haben, existieren schon. Die Umsetzung ist aber auch ganz gut gelungen.

Auch auf Jefferson Winter habe ich mich wieder gefreut. Diese intuitive, intelligente Art, mit der er die Fälle löst, gefällt mir. Trotzdem ist seit Band eins ein kleiner Abwärtstrend zu beobachten. Während Band eins mich begeisterte und Band zwei mich auch sehr gut unterhielt, muss ich sagen, dass dieser Band zwar auch wieder sehr gut gelungen ist, aber an manchen Stellen langatmig war.

Fazit:
Wieder ein spannender Thriller von James Carol, der zwar nicht so gut ist wie die ersten beiden Bände, aber dennoch gut unterhält. Ich hoffe, dass der nächste Band mich wieder mehr überzeugt und vielleicht etwas ,,Neues" drankommt.
Ein Fan dieser Reihe bin ich trotzdem allemal.

☆☆☆

Mittwoch, 28. September 2016

Rezension zu ,,Nach der Bombe" von Philip K. Dick

,,Nach der Bombe" ist am 27 April 2016 mit 272 Seiten im Fischer Klassiker Verlag erschienen.

Inhalt:

Die Welt nach dem Atomkrieg: Auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges entwirft Philip K. Dick in seinem 1965 entstandenen Roman das Bild einer zerstörten Gesellschaft, in der die Überlebenden darum kämpfen, Menschlichkeit und Normalität wiederzuerlangen. ›Nach der Bombe‹ bietet auch 50 Jahre nach seinem Erscheinen hellsichtige Antworten auf die immer wieder aktuelle Frage »Was wäre wenn …«. »Es sind Dicks innere Widersprüche, die seine Genialität ausmachen, und diese Neigung zu      Paradoxien durchzieht den gesamten Roman.« Aus dem Nachwort von Jonathan Lethem.

Cover:

Das Cover finde ich interessant, auch wenn es auf den ersten Blick eher weniger mit dem Inhalt zu tun hat. Passt gut zu den anderen Büchern von Philip K. Dick aus dem Fischer Klassiker Verlag.

Charaktere:

Interessante Charaktere durchziehen den gesamten Roman. Da gibt es einmal den schwarzen Fernsehverkäufer Stuart McConchie, der die Hauptperson sein soll. (Wie sich im Nachwort herausstellt: Interessanterweise kann der Autor sich besonders mit dieser Person identifizieren)

,,Ich bin Stuart McConchie, wenn Sie so wollen, und ich habe einmal in einem Laden in Berkeley Fernsehapparate verkauft. Genau wie Stuart habe ich am frühen Morgen vor dem Geschäft mit einem Besen den Bürgersteig gekehrt und dabei den hübeschen Mädchen nachgeschaut." Aus dem Nachwort von Philip K. Dick, Seite 264

Aber natürlich wäre es zu normal für den Autor nur typische Menschen zu erschaffen. Vielmehr gibt es einen Phokomelus, der Roboterarme besitzt und in einem Wagen rumfährt und zugleich auch telekinetische Fähigkeiten besitzt. Dadurch hat er ein hohes Ansehen, giert aber immer mehr nach Macht und wird zur Gefahr.

,,Nein, wirklich, er ist umgekippt, weil er ... ein Bier getrunken hat. Und dann hat er ins Jenseits geblickt. Er hat gesehen, wie ich eine tote Ratte esse. Roh. Hat er zumindest gesagt." S.41


Interessant ist auch der Physiker Bruno Bluthgeld, der durch eine Fehlberechnung seines Experiments einen verheerenden radioaktiven Niederschlag auslöste. Auch er versucht nach dem Atomkrieg weiterzuleben, mit psychischen Problemen und unter einer anderen Identität. Hier zeigt sich ganz interessant ein Paradoxon. Am Anfang löste er durch eine Fehlberechnung eine Katastrophe aus, später kann er durch Gedankenkraft Explosionen erschaffen.

Abstrus ist auch der im Weltraum festsitzende Walt Dangerfield, der um die zerstörte Erde kreist, dort seine Frau verlor und vermutlich auch dort sterben wird.
Und besonders orginiell finde ich Edie Keller, ein siebenjähriges Mädchen, das ihren Bruder in sich trägt. Das mag erstmal total bescheuert und seltsam klingen - das ist es auch. Aber ihr Bruder besitzt eine Fähigkeit, die später noch bedeutend wichtig ist.

,,Der arme Mann dort oben, dazu verdammt die Erde zu umkreisen - so lange, bis ihm, wie den Russen, Nahrung oder Sauerstoff ausging. Bis zum bitteren Ende." S.108

Meine Meinung:

Nachdem mich Philip K. Dick mit seinem Werk ,,Der dunkle Schirm" schlichtweg begeisterte, war ich sehr gespannt auf ,,Nach der Bombe".

,,Die Katzen waren eine Gefahr. Ebenso die Ratten und Hunde. Sie fraßen kleine Kinder - zumindest wurde das berichtet. Im Gegensatz wurden sie natürlich ihrerseits von den Menschen gefangen und verspeist. Vor allem mit Reis gefüllter Hund galt als echte Delikatesse." S.114

Der Start viel relativ leicht, man ist direkt im Geschehen drin, der Schreibstil ist wie gewohnt von dem Autor gut, jedoch konnte mich das Buch am Anfang nicht ganz fesseln. Das verflog aber zum Glück in der Mitte des Buches. Erst da erkannte ich was für ein Potenzial die Geschichte überhaupt enthält.

,,Womöglich wären wir besser dran, wenn wir damals bei der Katastrophe alle gestorben wären. Dann hätten wir die Missgeburten und Krüppel, die Bombenbimbos und intelligenten Tiere nie zu Gesicht gekriegt. Die Leute, die den Krieg angezettelt haben, waren einfach nicht gründlich genug ... Ich bin erschöpft. Ich möchte das alles hinter mir lassen und mich einfach irgendwo hinlegen, wo es dunkel ist und niemand redet. Für immer. " S.194

Ich finde es interessant wie der Autor sich die Welt nach der Bombe vorstellt. Menschen mit besonderen Fähigkeiten, Tiere, die hochintelligent und teils gefährlich sind leben in einer zerstörten Welt, in der Fähigkeiten anstelle von Geldscheinen zählen. Auch die Welt ist natürlich nicht mehr so industrialisiert, sondern wird wieder mehr landschaftlich. Teilweise halte ich seine ,,Visionen" für realistisch - andere sind wiederum so abstrus und paradox.
Eigentlich ist das ganze Szenario bitterböse und grotesk - und doch versucht er eine positive Zukunft für die Personen zu schaffen.

,,Oh, das Wetter wird einfach wunderbar. Ihr könnt unbesorgt raus aufs Meer fahren mit euren kleinen Schiffchen und verstrahlte Fische fangen. Kein Problem." S.105

Den unterschwelligen Humor finde ich auch gelungen, so verdeckt aber doch vorhanden. Ich finde diese Mischung von allem einfach gelungen, das macht das Buch lesenswert.
Ich finde, man muss den Autor einfach ausprobieren. Ein Autor zum lieben oder hassen. Auch wenn mich dieses Buch überzeugt hat, noch mehr umgehauen hat mich ,,Der dunkle Schirm". Bin auf jeden Fall gespannt auf seine anderen Bücher.

,,Ich mag mich also, als ich 1964 ,Nach der Bombe schrieb' in mancherlei Hinsicht geirrt haben, doch als ich den Roman kürzlich wiederlas, habe ich darin eine grundlegende Wahrheit gespürt - eine Wahrheit bezüglich der Menschen und ihrer Fähigkeit zum Überleben. Nicht zum Überleben als Bestien, sondern als wirkliche Menschen, die wirklich menschliche Dinge tun." Nachwort, S. 264

Fazit:
Das Buch ist seltsam. Voll von Paradoxien, Widersprüchen und Genialität. Zugleich ist es so tiefgreifend und interessant.
Ein Buch, dessen Tragweite einem erst bewusst wird, wenn man über das Geschriebene nachdenkt - gefällt mir.

☆ ☆ ☆ ☆